Heute Abend findet die erste Vorstellung in Tel Aviv statt! Zugleich wird es leider die letzte Vorstellung von unserer Ersten Solistin Viktorina Kapitonova sein. Wir haben das grosse Glück, diese aussergewöhnliche Tänzerin noch einmal in ihrer Paraderolle, die unser Ballettdirektor Christian Spuck für sie choreografiert hat, zu erleben. Wie es ihr an diesem aufregenden Tag ergeht, erfahren wir hier:
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Mein Tag beginnt um 7.00 Uhr früh, als mein Wecker klingelt. Nach dem gestrigen Abendspaziergang mit meiner Familie am Strand entlang konnte ich gut schlafen. Ich freue mich sehr, dass sie mich auf meinem letzten Gastspiel mit dem Ballett Zürich begleiten können! Mein Mann und mein Sohn schlafen noch tief und fest. Also starte ich schon mit einem kleinen Frühstück in den Tag, denn gleich ruft ein Radiosender an. Obwohl ich während meines ersten live Interviews am Radio ziemlich nervös war, glaube ich, dass das schon in ganz Ordnung war. Nun sind auch die Männer wach, so dass ich mit ihnen nochmals frühstücken kann, ehe es dann für die erste Generalprobe ins Theater geht.
Im Theater angekommen geht es sogleich in die Maske. Bevor ich mein Kostüm anziehe und ganz zu Anna Karenina werde, wärme ich mich und vor allem meine Füsse zuerst im Training auf. Leider fielen alle Kostüme während dem Transport von der Kleiderstange, so dass jedes Kostüm von unseren Ankleiderinnen nochmals gebügelt werden muss. Wie immer ist das Team sehr hilfsbereit und sorgt sich nicht nur um die Kostüme, sondern auch um unser Wohlbefinden. Jetzt schlüpfe ich in mein erstes Kleid und bereite mich für meinen ersten Auftritt auf der Bühne vor, wo ich eine schicksalshafte Begegnung mit dem Graf Wronski haben werde.
Es ist das erste Mal seit dem Gastspiel in Hongkong, dass wir wieder mit Anna Karenina auf der Bühne stehen. Es läuft deshalb noch nicht alles perfekt. Umso mehr freue ich mich, dieses Stück heute Abend tanzen zu dürfen! Bevor ich nach der Generalprobe zurück ins Hotel fahre und meine Familie wiedersehen kann, ruft noch ein Pressetermin. Bereits in der Pause gab es ein Fernsehinterview und nun im Anschluss an die Probe gleich nochmals.
Im Hotel freut sich mein Sohn schon sehr auf meine Rückkehr. Viel Zeit bleibt uns aber nicht, denn ich möchte mich vor der Vorstellung noch etwas zur Ruhe kommen. Deshalb bestellen wir uns einfach Roomservice, so dass wir alle gemeinsam noch ein Nickerchen machen können, bevor ich dann wieder den Shuttlebus ins Theater nehme.
Die Spitzenschuhe, die ich heute tragen werde, haben mich bereits durch meine letzte Schwanensee-Vorstellung getragen. Sie haben für mich einen unbezahlbaren Wert und ich werde sie nie weggeben! Als mein rechtes Auge nicht mehr aufhören will zu tränen, meint meine Hairstylistin Corinne, das würde am Abschied liegen, sozusagen mit „einem lachenden Auge und weinenden Auge“. Das ist wohl wortwörtlich zu nehmen :-) So sehr ich mich auch auf mein nächstes Projekt freue (von dem ich leider erst später im Sommer erzählen kann), ich werde Zürich sehr vermissen!
Bevor ich auf die Bühne gehe, habe ich immer meinen ersten Auftritt im Kopf. Anna geht nach Moskau um ihren Bruder Stiwa zu treffen. Danach lasse ich alles geschehen. Mit den einzelnen Szenen kommen dann auch alle Emotionen, die ich durchleben muss.
Als ich die letzte Vorstellung von Schwanensee getanzt habe, wurde ich plötzlich sehr nervös. Viel nervöser als sonst! Damals wusste ich noch nicht genau weshalb. Einige Tage später wurde mir jedoch bewusst, dass meinem Unterbewusstsein klar war, dass es die letzte Vorstellung in Zürich war. Diese Erkenntnis hat mir sehr geholfen, mit dieser Nervosität umzugehen, so dass ich die heutige Vorstellung so richtig geniessen konnte.
Nach getaner Arbeit freue ich mich jetzt wahnsinnig, die nächsten paar Tage mit meiner Familie in dieser unglaublich schönen Stadt verbringen zu dürfen, einige Sehenswürdigkeiten zu besichtigen und einfach am Strand zu entspannen. Zuerst geht es aber nun zum Empfang der Schweizer Botschaft!
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