Gründung als «Actien-Theater» 1834

In Zürich, das nie Residenzstadt war und keine barocke Theatertradition im Rahmen höfischer Prachtentfaltung kannte, herrschte bis in die 1830er Jahre hinein ein Misstrauen gegenüber dem Theater, das vor allem von Seiten der Geistlichkeit geschürt wurde. Im Gefolge politischer Veränderungen nach dem Volksaufstand in Uster (neue Verfassung, Säkularisierung des Schulwesens, Gleichstellung der Bevölkerung von Stadt und Kanton) versammelte sich um Johann Bürkli eine Gruppe von Honoratioren, die zunächst in aller Stille daran ging, die Voraussetzungen für das erste stehende Theater in Zürich zu schaffen.

Eine Aktiengesellschaft wurde gegründet, die das Kapital für den Kauf der alten Barfüsserkirche an der Unteren Zäune aufbrachte. Das Gebäude des in der Reformationszeit profanisierten ehemaligen Klosters war von der Gemeinde zuletzt als Kornspeicher genutzt worden. Mit den Mitteln der Aktiengesellschaft wurde es zum Theater umgebaut und jährlich an einen Direktor verpachtet, der den Spielplan, die Verpflichtung eines Ensembles, die Herstellung von Dekorationen etc. auf eigene Rechnung verantwortete. Schauspiel und Oper waren ungefähr zu gleichen Teilen vertreten. Das Orchester stellte die Allgemeine Musikgesellschaft; es bestand zur Hälfte aus professionellen Musikern. Eröffnet wurde das ca. 800 Zuschauer fassende «Actien-Theater» am 10. November 1834 mit Mozarts «Zauberflöte».

Im Laufe der ersten fünfzig Jahre seines Bestehens geriet das Theater häufig in finanzielle Schwierigkeiten. Mit Ausnahme der Stückeschreiberin und Direktorin Charlotte Birch-Pfeiffer, die das Haus von 1837 bis 1843 leitete, hielt sich kein Pächter länger als drei Jahre; bis zum Ende des Jahrhunderts sollten es zwei Dutzend Direktoren werden. Die strukturellen Probleme beschrieb Richard Wagner, der ab 1849 als Flüchtling in Zürich lebte, in seiner Programmschrift «Ein Theater für Zürich» von 1851 treffend. Neben Werken von Mozart, Beethoven, Weber und Bellini dirigierte er in Zürich zwischen 1852 und 1855 auch eigene Werke: «Der fliegende Holländer» und «Tannhäuser» in szenischen Aufführungen sowie im Mai 1853 im Rahmen eines Festkonzerts Ausschnitte aus diesen und zwei weiteren Opern; das Festkonzert kann man als Initialzündung für die später in Bayreuth verwirklichte Festspielidee auffassen.  Die ihm angetragene Direktion knüpfte Wagner an Bedingungen, die man ihm nicht erfüllen wollte. So blieben seine Auftritte als Dirigent und Regisseur eine Episode für das «Actien-Theater».

Ab den 1860er Jahren begann man, auch Operetten aufzuführen. Ab 1869 stand mit der Gründung des Tonhalle-Orchesters ein professioneller Klangkörper zur Verfügung. Immer wieder musste das Theater von der Aktiengesellschaft durch Aufbringung frischen Kapitals vor dem Konkurs gerettet werden. In der Silvesternacht 1889 brannte es während einer Vorstellung vollständig nieder; wie durch ein Wunder kam niemand zu Schaden.

175 Jahre Opernhaus Zürich

Hier finden Sie die Festschrift zum 175-jährigen Jubiläum der «Theater-Actiengesellschaft».
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