Der Überlieferung nach ist die Glocke etwa um das 6. Jahrhundert von irischen Mönchen nach Mitteleuropa gebracht worden und hat sich über die Zeit hinweg einen besonderen Platz in unserer Musiktradition erobert. Sie entwickelte sich einerseits, neben dem Gesang und der Orgel, zum wichtigsten Klanginstrument der Liturgie und damit zu einer Art spirituellem Medium, das uns mit höheren Welten verbindet. Darüber hinaus dient sie aber auch als Signal der weltlichen Zeiteinteilung und als Klangsymbol besonderer Anlässe. Beide Aspekte sind vom 19. Jahrhundert an auch in die Kunstmusik eingeflossen. Die Glocke als sakrales Musikinstrument, als ein «Herüberläuten aus dem Jenseits», spielt eine besondere Rolle in der Oper Parsifal von Richard Wagner, der mithilfe dieses Klanges eine besonders weihevolle Stimmung evoziert hat. Andere Opern, wie etwa Rigoletto oder Der Freischütz, verwenden die Glocken, um die tiefe Mitternacht anzuzeigen. In Boris Godunow läutet sie als Anzeichen grosser politischer Vorgänge.
Das Opernhaus Zürich besitzt insgesamt 18 verschiedene Glocken. Sie bilden das nötige Instrumentarium für Tosca, eine der glockenreichsten Opernkompositionen. Puccini hat den Klang der Glocken verschiedener Kirchen in Rom in dieses Stück hineinkomponiert und sein Werk mitten in der ewigen Stadt angesiedelt. Wir sind stolz, eine der meistgespielten Opern mit einem Originalinstrumentarium aufführen zu können.