Don Pasquale

Gaetano Donizetti

Dramma buffo in drei Akten
Libretto von Giovanni Domenico Ruffini
und Gaetano Donizetti

  • Dauer:
    2 Std. 25 Min. Inkl. Pause nach dem 1. Teil nach ca. 1 Std. 15 Min.
  • Sprache:
    In italienischer Sprache mit deutscher und englischer Übertitelung.
  • Weitere Informationen:
    Werkeinführung jeweils 45 Min. vor Vorstellungsbeginn.

Gut zu wissen

Älterer Herr sucht junge Frau

In Gaetano Donizettis Dramma buffo «Don Pasquale» will ein alter Mann eine junge Frau heiraten. Wir haben den prominenten Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer vor der Premiere gefragt, was passieren kann, wenn das erotische Begehren die Generationen überspringt.

Don Pasquale, ein nobler Herr von gut 70 Jahren, will zum ersten Mal in seinem Leben heiraten. Das Sujet des verliebten, heiratswütigen Alten ist eines der ältesten und beliebtesten der Komödienliteratur. Warum ist das so?
Don Pasquale ist in Not, weil sein verliebter Neffe sich weigert, seine dynastische Pflicht zu erfüllen. Er scheint wenig Erfahrung mit Frauen zu haben, er verlässt sich da ganz auf den Rat eines Intriganten. Die alten, reichen Männer, die in der Regen bogenpresse als Ehemänner junger Frauen auftreten, sind ein ganz anderer Schlag: befehlsgewohnt, eheerfahren, glauben sie, sich an der Seite einer jüngeren Frau selbst zu verjüngen, wie der biblische König David. Sie bleiben auch in ihren Beziehungen zu den jüngeren Geliebten oder Ehefrauen machtbewusst. Don Pasquale aber entpuppt sich in der Ehe als ein im Grund gutherziger Tölpel, völlig hilflos, wenn seine Erwartungen nicht erfüllt werden, am Ende einsichtig und bereit, nachzugeben. Die Entwicklung dieses gebrochenen Helden in Donizettis Werk spiegelt den Umbruch von der feudalen zur bürgerlichen Epoche, der sich in den grossen Opern Mozarts und Rossinis bereits ankündigt. Donizettis Oper zeigt den Sieg der romantischen Liebe über die feudale Ordnungs-ehe. In Le nozze di Figaro ist das noch ein Kampf mit ungewissem Ausgang, im Don Giovanni bleibt der adelige Wüstling dem Bauern- und Dienervolk weit überlegen. Er spielt mit Zerlina, Masetto und Leporello, während Don Pasquale, ein adeliger Trottel, den Emporkömmlingen ausgeliefert ist. Nur dass Don Giovanni seinen Diener über seine Amouren Buch führen lässt, spricht für den Einbruch der bürgerlichen Wirtschaft in die laszive Welt des Rokoko. Es braucht ein Gespenst, um den adeligen Herrn aus seiner Bahn zu werfen; die Macht der Frauen hat da noch keine Chance.

Warum empfinden wir das Ansinnen, dass ein Mann im höheren Alter eine jüngere Frau heiraten möchte, auch noch im Jahr 2019 als Anmassung?
Ich würde sagen: nicht «auch noch im Jahre 2019», sondern «endlich im Jahre 2019». In feudalen Zeiten war die Hochzeit alter, mächtiger Männer mit viel jüngeren Frauen eine dynastische Selbstverständlichkeit. Auch in mächtigen Unternehmerfamilien der Gegenwart spielen Frauen eine Rolle, die als Sekretärin oder Kindermädchen in den Haushalt des Patriarchen kamen und den Statusgewinn durch eine Ehe zu nutzen wussten.

Was erhofft sich ein älterer Mann gemeinhin von einem solchen Schritt?
«Erhofft» klingt sehr geplant und rational. Ich würde sagen: Er kann der Versuchung nicht widerstehen, sich seine Potenz zu beweisen und die imaginäre Rivalität um eine von vielen begehrte Frau zu gewinnen. Denken wir an den amerikanischen Bauunternehmer, der inzwischen leider in die Politik gegangen ist. Jüngere Geliebte sind eine narzisstische Aufwertung, das gilt inzwischen, freilich in bescheidenerem Umfang, auch für Frauen.

Was kann ein älterer Mann einer jüngeren Frau bieten?
Teilhabe an seiner Macht, seinem Reichtum, seiner Erfahrung. Aber es gibt auch subtilere Einflüsse. Manche Frauen finden gleichaltrige Männer unreif und selbstbezogen; sie suchen in ihren erotischen Beziehungen etwas wie die Reparatur einer unbefriedigenden, enttäuschenden Beziehung zu ihren Eltern. Das Versprechen des älteren Partners liegt dann eher in der Sehnsucht, doch noch einen guten Vater, eine liebevolle Mutter zu finden. Don Pasquale ist begeistert von der Idee, eine Frau zu ehelichen, die wie er selbst eher menschenscheu ist und sich von Vergnügungen fernhält - würden Sie ihm bei der Suche nach einer solchen Frau behilflich sein? Eheanbahnung ist nicht mein Gewerbe. Aber ich würde grundsätzlich davon abraten, jemanden zu heiraten, den man nicht gründlich kennt. Ist nicht originell, hat schon Schiller gesagt: «Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich auch Herz zum Herzen findet!» Don Pasquale lässt seine Ehe von einem Betrüger arrangieren;  ein Menschenkenner ist er nicht.

Welches sind die häufigsten Konflikte in Beziehungen mit grossem Altersunterschied?
Oft wünscht sich eine junge Frau Kinder; der ältere Partner will das nicht, er hat schon welche aus seiner ersten Ehe. Viele Probleme ergeben sich erst im Lauf der Zeit, wenn etwa der ältere Partner pflegebedürftig wird. Andere Konflikte hängen mit der Asymmetrie zusammen: Anfangs wird der ältere Partner bewundert, die junge Frau lernt viel von ihm. Dann hat sie ausgelernt und will jetzt gemeinsame Unternehmungen starten, Neues erobern, während er ruhebedürftiger und in ihren Augen zu bequem ist, an seinem alten Stiefel festhält.

Welche Probleme können grundsätzlich innerhalb einer Familie auftreten, wenn ein älteres Familienmitglied sich entscheidet, nochmals zu heiraten?
Das biedermeierliche Bild von Greis und Greisin, die sich still bescheiden und - verwitwet - möglichst viel des im Lauf ihres Lebens Erworbenen ihren Kindern vererben, entspricht allein den Interessen der jüngeren Generation. Es engt den Spielraum älterer Menschen ein. Viele 70-Jährige erleben sich noch vital und erotisch aktiv. Das ist durch die Verbesserung der medizinischen Versorgung und des verbreiteten Wissens über gesunde Lebensführung im 21. Jahrhundert viel häufiger der Fall als zu Rossinis und Donizettis Zeiten. Auch gegenwärtig gibt es heftigen Streit in Familien, wenn ältere Männer oder Frauen eine neue Beziehung eingehen. Wenn erwachsene Kinder Partei gegen die neue Beziehung ergreifen, gibt es viel böses Blut. Kritische Kinder werden enterbt, wenn sie sich weigern, die neue Beziehung zu akzeptieren. Die Familie findet kein Patchwork, sie zerbricht in Grabenkriegen. Don Pasquale denkt dynastisch und fühlt sich verpflichtet, die Erbfolge zu überwachen. Deshalb streitet er mit Ernesto und stellte sich anfangs dessen Liebe in den Weg. Damit gehört er eigentlich in die feudale Epoche. Die war 1840 an sich ein alter Hut, aber sie sollte doch nach Revolution und Napoleons Scheitern in Teilen wiederhergestellt werden. Don Pasquales Tölpelhaftigkeit ist eine politische Aussage im Kleid der Opera buffa.

Warum ist der Wunsch Don Pasquales nach Verjüngung - eine junge Frau heiraten, Kinder zeugen - in den Augen der Öffentlichkeit auch heute noch oft Anlass zur Heiterkeit? Warum fällt uns das so schwer, Verständnis dafür aufzubringen, wenn ein alternder Mann vor dem Schreckensszenario der Einsamkeit, der Krankheit und des Todes zu fliehen versucht?
In die Erheiterung mischt sich oft Häme. Ich sehe beides kritisch. Gewaltfreie sexuelle Beziehungen zwischen Erwachsenen sollten inkommensurabel sein. Daher möchte ich moralisierende Bewertungen grundsätzlich auf die Interessen der Urteilenden hin in Frage stellen. Ich finde auch die Frage albern, die dann in den Illustrierten auftaucht: Warum tun Männer (seltener Frauen) das? Ich würde antworten: weil sie es können - und warum denn nicht? In den oft hämischen, abwertenden Reaktionen auf die Erotik zwischen alt und jung (und ähnlich zwischen reich und arm) sehe ich neben Sexualneid auch unsere sexualfeindlichen kulturellen Traditionen am Werk. Die Konsumenten solcher Stories finden einen doppelten Genuss: Sie können an der geschilderten und bebilderten Erotik teilhaben -  und sich gleichzeitig moralisch über die dargestellten Personen erheben. Dabei ist es an sich egal, ob Herr Müntefering eine jüngere Frau heiratet oder Frau Klum einen jüngeren Mann. Auch diese umgekehrte Verbindung, ältere Frau - junger Mann, wird vorwiegend hämisch kommentiert. Sie profitiert allenfalls ein wenig vom Triumph, dass Frauen jetzt ein bisher Männern vorbehaltenes Gebiet erobern.

Don Pasquale ist reich und adelig. Wie oft ist auch heute noch die Partnerwahl nicht nur durch Amors ominöse Pfeile gelenkt, sondern durch den Austausch von Ressourcen und Bedürfnissen, beispielsweise durch den Tausch von Attraktivität gegen sozialen (männlichen) Status?
Amors Pfeile werden von komplexen Situationen gelenkt. Es ist ein Unding, diese wertend aufzudröseln nach dem Motto: «Du liebst nicht mich, du liebst nur meinen Körper» (sagt die schöne Frau) oder «Du liebst nicht mich, du liebst nur mein Geld und meinen Status» (sagt der ältere, erfolgreiche Mann). Müssen wir hässlich und arm sein, um die reine Liebe zu finden? Das kalendarische Alter sagt an sich wenig über eine Person. Fitte Sechzigjährige haben oft ein aktiveres Sexual leben als Dreissigjährige; das biologische Alter unterscheidet sich bei Personen, die auf ihre Gesundheit achten, erheblich vom kalendarischen. Das Alter als Unterscheidungsmerkmal erfreut sich einer trivialen, aussagearmen Beliebtheit; es zur «Ursache» von Störungen oder Schwächen zu erklären ist einfach schlechte Psychologie oder Medizin. Der Altersunterschied in der Liebe fällt auf, weil er das Bild des Aus klingens, des «Lebensabends» durch einen Neuanfang stört. Aber es ist doch ein Mythos, dass wir alle im Alter ruhiger werden! Das triviale Bild vom Altern in Würde und Stille ist ein dummes Klischee, das überhaupt nicht zu einem im Prinzip sein Leben lang von Leidenschaften bestimmten Wesen wie dem Menschen passt. Oft gilt eher das Gegenteil: Ältere Menschen haben den Leidenschaften, die in ihnen hochsteigen, weniger entgegenzusetzen als junge, die sich besser kontrollieren können.

Würden Sie als Paartherapeut die Verbindung zwischen einem älteren Mann und einer jungen Frau grundsätzlich gutheissen?
Ein Therapeut sollte kein Sittenrichter sein. Bindungen können sich unter zunächst günstig erscheinenden Bedingungen auflösen und ebenso unter ungünstigen Voraussetzungen festigen. Es geht in dauerhaften Liebesbeziehungen immer darum, Illusionen in einer Weise zu korrigieren, welche Nähe und Zuneigung nicht gefährdet, sondern festigt. Wenn der ältere Partner aus früheren Beziehungen etwas wie Lebensweisheit mitgenommen hat und seine Erfahrungen konstruktiv einbringen kann, ist das sehr produktiv. Don Pasquale zeigt da exakt, wie es gerade nicht sein sollte: er hat keine Ahnung, was eine Ehe bedeutet, er fühlt sich nur in seinem Junggesellenleben gestört, überlässt seiner Frau alle Initiative und macht eine jämmerliche Figur.

Stimmt es, dass in den meisten Fällen erfolgreiche und glückliche Paare einander ziemlich ähnlich sind, was Alter, Bildung und Attraktivität betrifft?
Im Prinzip ja. Selbst ein Tennisspiel wird langweilig, wenn immer nur eine oder einer die Punkte macht. Aber andere Faktoren sind ebenso wichtig, beispielsweise die Fähigkeit zur Selbstdistanz, zum Humor. Wenn sich in Bildung, Alter und Attraktivität ähnliche Partner auch in Punkto Humorfreiheit gleichen, sehe ich schwarz und würde einem Paar, das different, aber humorbegabt ist, die besseren Aussichten zuschreiben.

Kaum hat Don Pasquale seine Unterschrift unter den Ehevertrag gesetzt, macht ihm die angeblich so schüchterne Ehefrau das Leben zur Hölle: neue Möbel sollen her, anderes Personal, und Norina/Sofronia kündigt an, künftig ein selbstbestimmtes Leben führen zu wollen. Was geschieht mit Menschen, wenn sie erkennen, dass Wunsch und Realität auseinanderklaffen?
Natürlich ist das in der Oper überzeichnet. Aber auch heute lassen sich heftige Veränderungen im Verhalten nach dem Gang zum Traualtar beobachten. Bisher haben sich die Beteiligten Mühe gegeben, einen guten Eindruck zu machen. Jetzt lässt das nach, man hat einander ja «sicher». Es gibt da krasse Fälle, wie den Künstler, der sich bisher mit Jobs durchgeschlagen hat und nach der Trauung seiner gut verdienenden Frau erklärt, er werde sich jetzt ganz seiner (brotlosen) Kunst widmen, sie sei ja verpflichtet, ihn zu unterhalten. Das trifft, durchaus analog zur Oper, vorwiegend Paare, die Tage oder Wochen verlobt sind und sich nicht einige Jahre Zeit geben. Auch interkulturelle Ehen bieten oft dramatische Beispiele für Krisen unmittelbar nach der Hochzeit. Plötzlich mischen sich die Angehörigen in einer während der frühen, verliebten Zweisamkeit undenkbaren Weise ein. Religiöse Differenzen, die bisher ignoriert wurden, werden während einer Schwangerschaft virulent: Soll das Kind getauft werden? Soll es beschnitten werden, falls ein Sohn geboren wird? Theoretisch wäre es gut, diese Fragen zu klären, so lange man noch den Ausweg hat, lieber nicht zu heiraten. Deshalb finde ich auch Eheverträge im Prinzip nicht lieblos, sondern fürsorglich.



Wolfgang Schmidbauer, Dr. phil., Diplom-Psychologe und Psychoanalytiker, arbeitet als Autor, Lehranalytiker und Paartherapeut in München. Seit zehn Jahren verfasst er wöchentlich für das ZEIT-Magazin eine Kolumne «Die grossen Fragen der Liebe». Sein jüngstes Buch erschien 2018 im Klett-Verlag: «Die Geheimnisse der Kränkbarkeit und das Rätsel des Narzissmus».

Die Fragen stellte Kathrin Brunner.
Dieser Artikel ist erschienen im MAG 74, November 2019.
Die MAG können Sie hier abonnieren.

Besser aussehen mit Glatze

Unser Don Pasquale hat eine wunderschöne Glatze. Der Bariton Johannes Martin Kränzle sieht in den Vorstellungen so gut darin aus, dass sich bestimmt alle Herren im Publikum insgeheim auch so eine Glatze wünschen. Deshalb verrate ich hier das Rezept unseres Leiters der Maskenbildnerei, Wolfgang Witt.

Sie brauchen Folgendes: 1 offenes Fenster, 1 Porzellankopf, 1 Topf «Glatzan», 1 Töpfchen Glatzentrennpuder, 2 kleine Töpfchen Wasserschminke blau und rot, 2 Naturschwämme, 1 Puderquaste, 1 Glatzenauftragspinsel, 1 Tube Mastix, ausserdem Schminke und etwas Alkohol. Vorbereitungszeit: ca. 16 Stunden. Montagezeit: 30 Minuten (wenn Wolfgang Witt die Glatze macht); bis zu 3 Stunden (wenn ich sie machen müsste).
Sie stellen den Porzellankopf ans offene Fenster (Glatzan enthält Lösungsmittel) und tragen mit dem Glatzenauftragspinsel eine Schicht Glatzan auf den Porzellankopf auf. Dabei müssen Sie natürlich beachten, dass Sie die Glatze nicht über den Ohren und im Gesicht haben möchten – diesen Bereich sollten Sie frei lassen. Dann lassen Sie das Glatzan trocknen. Sie tupfen nun mit dem Schwamm die blaue Farbe unregelmässig auf das Glatzan auf und lassen diese trocknen. Bitte einmal mit der Puderquaste abpudern, bevor Sie die nächste Lage Glatzan auftragen. Nach dem Trocknen verfahren Sie mit der roten Farbe genau gleich, lassen diese trocknen und pudern wieder ab. Nun folgen zwei weitere Schichten Glatzan – wobei Sie nun an den Rändern nur noch sehr wenig Glatzan auftragen, damit es später zwischen Ihrer Haut und der Glatze keine Kante gibt. Je nach Hauttyp können Sie auch mit Schminke den Farbton der Glatze noch stärker Ihrer Haut anpassen. Nachdem die Schichten (am Besten über Nacht) komplett getrocknet sind, pudern Sie diese sorgfältig ab und lösen die Glatze vorsichtig vom Porzellankopf. Wenn Sie alles richtig gemacht haben, sollte die Konsistenz ungefähr die einer Badekappe sein, und durch die Farbschichten sieht sie bereits wie Ihre Haut aus. Bevor Sie sich die Glatze aufsetzen, sollten Sie Ihre eigenen Haare (soweit vorhanden) möglichst gleichmässig auf dem Hinterkopf verteilen und feststecken – sonst haben Sie später eine recht unförmige Glatze. Nun ziehen Sie sich die Glatze wie eine Badekappe über. Die Glatze sollte über Ihren Haaransatz hinweggehen, damit Ihr Haar komplett abgedeckt ist. Nun kleben Sie einfach mit einem in Mastix getauchten feinen Pinsel die Glatzenränder rundum an Ihrer Haut fest und kaschieren den Ansatz nach Bedarf noch mit Schminke. Der grosse Vorteil einer Glatze ist natürlich, dass sie sich nicht ständig die Haare waschen und frisieren müssen – lediglich die Ränder der Glatze müssen Sie ab und zu wieder mit Mastix ankleben. Der Nachteil: Man schwitzt darunter.
Sollten Sie kein Fenster haben oder die Herstellung misslingen, können Sie eine Glatze auch direkt im Internet für 20 Franken bestellen. Natürlich nicht so kunstvoll eingefärbt und auf Ihren Hauttyp angepasst. Kleben müssen Sie diese natürlich auch.
Den Alkohol brauchen Sie übrigens, wenn Sie die Glatze ohne Schmerzen wieder ablegen möchten – der Mastixkleber lässt sich damit sehr gut entfernen. Die Glatze können Sie natürlich beliebig wiederverwenden oder auch verleihen.

Text von Sebastian Bogatu.
Illustration von Anita Allemann.
Dieser Artikel ist erschienen im MAG 75, Januar 2020.
Das MAG können Sie hier abonnieren.

Synopsis

Don Pasquale, ein älterer, wohlhabender Junggeselle, hat seinen Neffen Ernesto an Kindes statt grossgezogen. Nun, da Ernesto im heiratsfähigen Alter ist, hat der Onkel für ihn eine standesgemässe Frau ausgesucht. Pasquale hält seinen Neffen für einen romantischen, lebensunerfahrenen Träumer und glaubt, für ihn diese Entscheidung treffen zu müssen, die doch auch dazu dienen soll, dass sein Besitz für weitere Generationen erhalten bleibt.
Doch Ernesto widersetzt sich, er ist unsterblich in Norina verliebt, eine verarmte junge Witwe. Diese hat er über den Dottore Malatesta kennengelernt, den Lebensberater und Arzt seines Onkels.
Weil sich Ernesto kontinuierlich weigert, die Frau zu heiraten, die sein Onkel ihm vorgeschlagen hat, will Don Pasquale in seiner Sturheit nun anderweitig sichergehen, dass das Erbe des Hauses nicht verschleudert wird. Er, der sich nie einer Frau genähert hat, will nun trotz seines Alters eine junge und hübsche Traumfrau finden, diese heiraten und zu seiner Universalerbin machen.
Don Pasquale weiht Dottore Malatesta, nicht wissend, dass dieser auch mit Norina und Ernesto befreundet ist, in seine Heiratspläne ein. Malatesta verspricht Pasquale, ihm bei der Suche nach der Traumfrau behilflich zu sein.
Malatestas Plan jedoch ist in Wirklichkeit, Pasquale von seinem Heiratsplan abzubringen und Ernesto zu helfen, Norina zu heiraten. Damit wäre er selbst auch in Zukunft dem Hause Pasquale verbunden, mit allen finanziellen Vorteilen, die das mit sich bringen könnte.

Erster Akt
Malatesta hat gute Nachrichten für Don Pasquale. Die Traumfrau ist gefunden: Es ist seine eigene Schwester, Sofronia. Sie hat gerade ihre Schulausbildung im Nonnenkonvent abgeschlossen und ist eine junge, bescheidene Person mit dem Aussehen eines Engels. Noch am heutigen Tag wird er sie Pasquale vorstellen. Pasquale ist ausser sich vor Freude und sieht sich schon als Vater einer um ihn herumtanzenden Kinderschar. Ein neues Leben kann beginnen und wichtige Entscheidungen müssen getroffen werden.
Er unterrichtet etwas voreilig seinen Neffen von seinen Heiratsplänen, enterbt ihn kurzerhand und setzt ihn vor die Tür. Für ihn sei nun kein Platz mehr im Haus. Ernesto sieht sich plötzlich in alle Ewigkeit verarmt auf der Strasse sitzen und glaubt, dass er nun auch seiner Freundin Norina keine gesicherte Existenz bieten kann. Schmerzvoll teilt er ihr in einem Brief mit, dass er sich aus diesem Grund von ihr trennen muss.
Norina ist entsetzt, als sie den Abschiedsbrief liest, zumal darin steht, dass Malatesta, dem auch sie vertraut, dem alten Pasquale seine Schwester als Frau verschachern will. Doch Malatesta klärt das Missverständnis auf: Diese Ehe soll eine Scheinehe sein. Norina selbst soll sich als die Klosterschülerin Sofronia ausgeben, während Malatestas Cousin Carlotto den Notar spielen und die Ehe schliessen soll. Innerhalb von wenigen Stunden würde sich die falsche Sofronia Pasquale als keifende Ehefrau zeigen und ihn für immer von seinen Heiratsplänen kurieren. Und damit würde einer offiziellen Ehe zwischen Ernesto und Norina nichts mehr im Wege stehen.
Norina lässt sich auf das Abenteuer ein.

Zweiter Akt
Malatesta präsentiert Norina als seine scheue Schwester Sofronia. Pasquale ist entzückt, mehr als das: Er verliebt sich in sie und möchte sie auf der Stelle heiraten. Schon ist der falsche Notar zur Stelle und die Heiratsurkunde soll unterschrieben werden, als Ernesto die Zeremonie unterbricht und sich mit gepackten Koffern tief gekränkt von seinem Onkel verabschieden will.
Malatesta hatte, um Komplikationen und Einwände zu vermeiden, Ernesto nicht in die Intrige eingeweiht. Nun sieht Ernesto seine Norina als Ehefrau seines Onkels vor sich und wird zudem noch gezwungen, als Zeuge den Ehevertrag zu unterschreiben. Er traut seinen Augen nicht.
Doch kaum ist der Vertrag unterzeichnet, zeigt die sanftmütige Sofronia ein anderes Gesicht und Ernesto versteht, dass auch er eine Rolle in einer Komödie spielt. Die falsche Sofronia ordnet im Befehlston grundlegende Änderungen in dem laut Ehevertrag ihr gehörenden Haus an: vollkommen neue Möblierung und Dekoration, neue Wagen, deutliche Aufstockung der Dienerschaft, höhere Gehälter für diese und so weiter und so fort. Pasquale traut seinen Augen nicht, es packt ihn Wut und Verzweiflung, dass er so leichtgläubig war. Malatesta gibt vor, seine Schwester Sofronia nicht mehr wiederzuerkennen.

Dritter Akt
Innerhalb weniger Stunden hat sich das Leben in dem bislang so bescheiden geführten Haus verwandelt. Rauschende Feste werden gefeiert, Dienstboten kommen und gehen, man weiss gar nicht, woher so viele neue Diener und Gäste plötzlich aufgetaucht sind. Und zum Entsetzen Pasquales will Norina in der Hochzeitsnacht selber in grosser Abendrobe das Haus verlassen und ausgehen. Als er sie daran hindern will, macht sie ihm handgreiflich klar, dass er ihr nichts zu sagen hat, so wie er es selbst in dem Ehevertrag diktiert hat.
Pasquale will nur noch eines, und dies nach wenigen Stunden Ehe: die Scheidung. Erst recht, als er einen an seine Frau adressierten Liebesbrief findet. In dieser Nacht erwartet sie im Garten des Hauses einen Liebhaber zum Rendez­vous.
Pasquale, der immer noch nicht ahnt, dass er einer Intrige erliegt, bittet noch einmal seinen Ratgeber Malatesta um Hilfe und Unterstützung. Nun kommt Malatesta aber auch ins Schwitzen, als er hört, dass Pasquale seine Frau bei dem Rendezvous mit dem Liebhaber überraschen und die Ehebrecherin dann sofort der Polizei ausliefern will. Malatesta verspricht ihm, auch ohne Hilfe der Obrigkeit, dafür zu sorgen, dass seine Schwester in eine Scheidung einwilligt.
Im nächtlichen Garten treffen sich Don Pasquale, Norina als seine Ehefrau Sofronia, Ernesto, der weiterhin von Norina träumen darf, Malatesta und sein Cousin Carlotto. Pasquale bezichtigt seine Frau der Untreue, und nun führt Malatesta für ihn das Wort, denn Don Pasquale hat ihm Carte blanche gegeben: Er erklärt seiner vermeintlichen Schwester, dass sie sich damit abfinden muss, dass ab dem nächsten Tag eine weitere Frau das Haus beziehen wird: Ernestos Braut, eine gewisse Norina. Die falsche Sofronia ist entsetzt, nie würde sie es dulden, dass diese Norina mit ihr unter einem Dach leben wird. Sie besteht auf einem Beweis, dass dies keine Finte ist, um sie aus dem Haus zu vertreiben. Malatesta überzeugt Pasquale, dass er Ernesto nun doch mit Norina verheiraten muss. Pasquale ist zu allem bereit, was ihn aus der Ehehölle mit Sofronia befreien könnte. Augenblicklich soll Norina kommen. Doch nun fallen die Masken: Man erklärt ihm, dass Norina die Frau ist, in die er sich verliebt hat, die er geheiratet hat, die er gehasst hat und die er nun loswerden wollte. Die echte Sofronia sei nach wie vor in der Klosterschule.
Pasquale hat von allem genug und erklärt sich einverstanden mit dem, wogegen er sich so sehr gewehrt hatte: dass sein Neffe Norina, eine junge Witwe mit zweifelhaftem Ruf, heiratet. Norina versucht, Pasquale versöhnlich zu stimmen.