Scylla et Glaucus

Jean-Marie Leclair

Tragédie en musique in einem Prolog und fünf Akten
Libretto von d’Albaret nach Ovids «Metamorphosen»

Von 27. März 2026 bis 2. Mai 2026

  • Sprache:
    In französischer Sprache mit deutscher und englischer Übertitelung.
  • Weitere Informationen:
    Werkeinführung jeweils 45 Min. vor Vorstellungsbeginn.
    Im Rahmen von Zürich Barock
    Preview: 21 Mär 2026
    © Plakatmotiv (Ausschnitt) von Huang Ko Wei (Scatter)

Musikalische Leitung:
Emmanuelle Haïm

Emmanuelle Haïm

Die französische Cembalistin und Dirigentin Emmanuelle Haïm ist spezialisiert auf das Repertoire des Barock. Seit 25 Jahren leitet sie ihr eigenes Barockensemble Le Concert d’Astrée. Aktuell verbindet sie darüber hinaus eine künstlerische Zusammenarbeit mit dem Los Angeles Philharmonic. In letzter Zeit gab Emmanuelle Haïm ihr Debüt beim Concertgebouw-Orchester und kehrte für eine Neuproduktion von Rameaus «Platée» zum Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und an das Opernhaus Zürich zurück. Regelmässig dirigiert sie die Berliner Philharmoniker. Sie gab ihr Debüt mit dem New York Philharmonic, dem London Symphony Orchestra, dem Gewandhausorchester Leipzig und den Wiener Philharmonikern, mit Auftritten in Wien und beim Lucerne Festival. Im Jahr 2000 gründete sie Le Concert d'Astrée, das sich schnell einen internationalen Ruf erwarb. 2024/25 führte sie eine Neuproduktion von Händels «Semele» an das Théâtre des Champs-Elysées, eine Wiederaufnahme von Purcells «Dido and Aeneas» an das Grand Théâtre de Genève und eine Konzerttournee nach Spanien. Im Sommer 2025 leitete sie eine Neuproduktion von Händels «Giulio Cesare in Egitto» bei den Salzburger Festspielen. In dieser Saison folgen u.a. Händels «Semele» in Amsterdam und Leclairs «Scylla et Glaucus» am Opernhaus Zürich, neben Aufführungen von Pergolesis «Stabat Mater» in Frankreich und Spanien. Die umfangreiche Diskografie wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter Victoires de la Musique Classique und der Echo-Deutscher Musikpreis. Ihre jüngsten Veröffentlichungen sind eine CD mit italienischen Kantaten von Händel und eine DVD-Aufzeichnung von «Les Boréades» von Rameau. Emmanuelle Haïm ist Chevalier de l’Ordre national de la Légion d’Honneur, zudem Officier des Arts et des Lettres und Honorary Member of the Royal Academy of Music.

Scylla et Glaucus27 / 29 / 31 März / 2 / 6 / 30 Apr. / 2 Mai 2026 1. Konzert La Scintilla10 Nov. 2025
Inszenierung:
Claus Guth

Claus Guth

Claus Guth, geboren in Frankfurt am Main, studierte Philosophie, Germanistik und Theaterwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie Theater- und Opernregie an der Hochschule für Musik in München. Seit 1990 arbeitet er als freischaffender Regisseur mit Schwerpunkt Musiktheater. Internationale Aufmerksamkeit erlangte er mit seinen Mozart-Inszenierungen bei den Salzburger Festspielen, insbesondere dem «Da Ponte-Zyklus». Er inszenierte an führenden Opernhäusern weltweit, darunter die Mailänder Scala, Royal Opera House Covent Garden, Staatsoper Wien, Opernhaus Zürich, Staatsoper Unter den Linden, Bayerische Staatsoper, Bayreuther Festspiele, Metropolitan Opera, Opéra National de Paris, De Nationale Opera Amsterdam, Teatro Real Madrid, Glyndebourne Festival, Teatro San Carlo, Bolschoi-Theater und Festival d’Aix-en-Provence. Für «Pelléas et Mélisande» (Debussy) und «Daphne» (Strauss) an der Oper Frankfurt erhielt er den FAUST-Preis. 2022 wurde «Jenůfa» am Royal Opera House mit dem Olivier Award ausgezeichnet, «Bluthaus» von Georg Friedrich Haas an der Bayerischen Staatsoper als beste internationale Produktion in Österreich. 2023 folgte der Oper! Award für die beste Regie, 2025 der International Opera Award als Regisseur des Jahres. Besonders prägend sind seine Wagner-Inszenierungen wie «Lohengrin» (Mailand), «Tannhäuser» (Wien), «Tristan und Isolde» (Zürich) und «Der Ring des Nibelungen» (Hamburg). Zudem realisierte er zahlreiche Uraufführungen, etwa Jarrells «Bérénice», Furrers «Violetter Schnee», Czernowins «Heart Chamber», Ruzickas «Celan» oder Dusapins «Il Viaggio, Dante». Eigenkreationen, darunter seine Arbeiten mit dem Komponisten Helmut Oehring, «Samson» mit Raphaël Pichon oder «Doppelgänger» an der Park Avenue Armory in New York ergänzen sein Schaffen.

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Bühnenbild:
Etienne Pluss

Etienne Pluss

Étienne Pluss wurde in Genf geboren, wo er zunächst eine Kunstgalerie leitete, bevor er ein Bühnenbildstudium an der Universität der Künste in Berlin aufnahm. Seine Theaterlaufbahn begann er als Ausstattungsassistent von Achim Freyer und Karl-Ernst Herrmann. Seit 2000 ist er als freischaffender Bühnenbildner tätig und arbeitet seither an zahlreichen renommierten Häusern im Schauspiel und in der Oper. Eine enge Zusammenarbeit verbindet ihn mit Claus Guth. Für dessen Inszenierungen entstanden unter anderem die Bühnenbilder zu Beat Furrers «Violetter Schnee» an der Staatsoper Unter den Linden (FAUST-Theaterpreis 2019), «La bohème» an der Opéra National de Paris, «Die Sache Makropulos» an der Staatsoper Berlin, Dusapins «Il Viaggio, Dante» beim Festival d’Aix-en-Provence, «Don Carlo» am Teatro San Carlo in Neapel, «Salome» am Bolschoi-Theater in Moskau in Kooperation mit der Metropolitan Opera New York sowie «Bluthaus» an der Bayerischen Staatsoper. Ausserdem schuf er die Bühnenbilder für Weinbergs «Die Passagierin» an der Oper Graz und «Hamlet» an der Komischen Oper Berlin, beide in der Regie von Nadja Loschky. Für «Il trittico» bei den Salzburger Festspielen arbeitete er mit Christof Loy. Mit Richard Brunel realisierte er die Bühnenbilder zu Boesmans «On purge bébé» an La Monnaie in Brüssel sowie zu Escaichs Oper «Shirine» in Lyon. Mit Evgeny Titov erarbeitete er Shakespeares «Richard III.» am Schauspielhaus Düsseldorf. 1998 wurde er zum Berliner Theatertreffen eingeladen, im darauffolgenden Jahr erhielt er die Kainz-Medaille für seine Arbeit an Thomas Bernhards «Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen». In Zürich entwarf er zuletzt das Bühnenbild für «Alice».

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Kostüme:
Ursula Kudrna

Ursula Kudrna

Ursula Kudrna wurde in Wien geboren und studierte an der Akademie der bildenden Künste. Mit ihren ausdrucksstarken, visuell eindrucksvollen Kostümen prägt sie seit vielen Jahren die internationale Opern- und Theaterszene. 2019 wurde sie in der Kritikerumfrage der Opernwelt zur «Kostümbildnerin des Jahres» gekürt. Ausschlaggebend waren ihre von Märchen- und Zirkusmotiven inspirierten Entwürfe für Mozarts «Die Zauberflöte» zur Eröffnung der Salzburger Festspiele sowie die an Pieter Brueghel angelehnten Kostüme für Beat Furrers «Violetter Schnee» in der Regie von Claus Guth an der Staatsoper Berlin. Mit Claus Guth verbindet sie eine langjährige Zusammenarbeit, u. a. bei «Salome» an der Metropolitan Opera New York, «Die Sache Makropulos» an der Staatsoper Berlin, «Turandot» an der Wiener Staatsoper, «Samson» beim Festival d’Aix-en-Provence und «Die Liebe der Danae» an der Bayerischen Staatsoper. Seit 2003 entwarf sie Kostüme für zahlreiche renommierte Häuser, darunter die Staatsoper Berlin, Semperoper Dresden, Komische Oper Berlin, das Teatro alla Scala, Opernhaus Zürich, Michailowski-Theater St. Petersburg, die Deutsche Oper Berlin, Volksbühne Berlin und Theater Basel. Mit Philipp Stölzl arbeitete sie u. a. an «Orpheus in der Unterwelt», «Der fliegende Holländer», «Il trovatore», «Faust» und «Rienzi». Mit Lydia Steier realisierte sie Produktionen wie «Giulio Cesare», «Jephtha», «Káťa Kabanová», «Candide» und Stockhausens «Donnerstag aus Licht» (Aufführung des Jahres 2016). Zudem entstanden Arbeiten mit Jürgen Flimm, darunter «Manon Lescaut», «Le nozze di Figaro», Rossinis «Otello» und Sciarrinos «Ti vedo, ti sento, mi perdo» sowie Schumanns «Szenen aus Goethes Faust» zur Wiedereröffnung der Staatsoper Berlin 2017.

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Choreografie und Regiemitarbeit:
Sommer Ulrickson
Lichtgestaltung:
Martin Gebhardt

Martin Gebhardt

Martin Gebhardt war Lichtgestalter und Beleuchtungsmeister bei John Neumeiers Hamburg Ballett. Ab 2002 arbeitete er mit Heinz Spoerli und dem Ballett Zürich zusammen. Ballettproduktionen der beiden Compagnien führten ihn an renommierte Theater in Europa, Asien und Amerika. Am Opernhaus Zürich schuf er das Lichtdesign für Inszenierungen von Jürgen Flimm, David Alden, Jan Philipp Gloger, Grischa Asagaroff, Matthias Hartmann, David Pountney, Moshe Leiser/Patrice Caurier, Damiano Michieletto und Achim Freyer. Bei den Salzburger Festspielen kreierte er die Lichtgestaltung für «La bohème» und eine Neufassung von Spoerlis «Der Tod und das Mädchen». Seit der Spielzeit 2012/13 ist Martin Gebhardt Leiter des Beleuchtungswesens am Opernhaus Zürich. Eine enge Zusammenarbeit verbindet ihn heute mit dem Choreografen Christian Spuck (u. a. «Winterreise», «Nussknacker und Mausekönig», «Messa da Requiem», «Anna Karenina», «Woyzeck», «Der Sandmann», «Leonce und Lena», «Das Mädchen mit den Schwefelhölzern»). Er war ausserdem Lichtdesigner für die Choreografen Edward Clug (u. a. «Strings», «Le Sacre du printemps» und «Faust» in Zürich), Alexei Ratmansky, Wayne McGregor, Marco Goecke und Douglas Lee. Mit Christoph Marthaler und Anna Viebrock arbeitete er beim Händel-Abend «Sale» und Rossinis «Il viaggio a Reims» in Zürich sowie bei «Lulu» an der Hamburgischen Staatsoper zusammen und mit Jossi Wieler und Sergio Morabito an der Oper Genf für «Les Huguenots». 2023 gestaltete er das Licht für Spucks Ballett «Bovary» beim Staatsballett Berlin und 2024 Rossinis «Tancredi» an den Bregenzer Festspielen. Ausserdem war er Lichtdesigner bei «Atonement» von Cathy Marston am Opernhaus Zürich.

Tannhäuser21 / 24 / 27 Juni / 2 / 5 / 8 / 11 Juli 2026 Le nozze di Figaro24 / 29 Jan. / 1 / 5 / 7 / 10 / 14 Feb. 2026 Oiseaux Rebelles12 / 18 / 23 / 25 / 31 Okt. / 1 / 9 / 13 Nov. / 2 / 5 / 6 / 9 Dez. 2025 Die Fledermaus7 / 10 / 12 / 14 / 18 / 26 / 28 / 31 Dez. 2025 / 2 / 4 / 6 / 10 Jan. 2026 Clara13 / 14 / 19 / 20 / 26 / 28 Dez. 2025 / 11 / 12 / 17 / 19 / 24 Apr. 2026 Timeframed17 / 18 / 22 / 25 / 30 Jan. / 1 / 4 / 6 / 8 / 11 / 12 Feb. 2026 Scylla et Glaucus27 / 29 / 31 März / 2 / 6 / 30 Apr. / 2 Mai 2026 The Butterfly Effect4 / 13 / 23 Apr. 2026 Messa da Requiem20 / 22 / 28 Feb. / 1 / 5 / 7 März / 6 Apr. 2026 Romeo und Julia23 / 29 / 30 Mai / 4 / 6 / 7 / 10 / 12 / 14 / 23 / 26 Juni 2026 Nachtträume20 / 25 / 28 / 30 Juni / 4 Juli 2026
Choreinstudierung:
Florian Helgath,

Florian Helgath

Florian Helgath hat sich in kurzer Zeit als einer der führenden Chordirigenten der jüngeren Generation etabliert. Seit 2011 ist er Künstlerischer Leiter von ChorWerk Ruhr und der Zürcher Sing-Akademie seit 2017. Mit diesen Spitzenensembles erarbeitet er auf höchstem Niveau Chormusik aller Epochen, sowohl mit A cappella Musik als auch im chorsinfonischen Bereich. Florian Helgath ist regelmäßig zu Gast bei den führenden Vokalensembles und dirigiert chorsinfonische Programme mit renommierten Orchestern. Auftritte führten ihn in zahlreiche Konzerthäuser, zu den Berliner Festspielen, Schwetzinger Festspiele, Audi Sommerkonzerte, Eclat Festival Neue Musik Stuttgart, Thüringer Bachwochen und insbesondere zur Ruhrtriennale, wo er diverse zeitgenössische Musiktheaterproduktionen und andere Projekte gestaltete. Seine Diskografie beinhaltet zahlreiche Einspielungen, die mit Preisen wie dem ICMA Award und ECHO Klassik ausgezeichnet bzw. für einen Grammy nominiert wurden. Erste musikalische Erfahrungen sammelte er in seiner Heimatstadt bei den Regensburger Domspatzen und später an der Hochschule für Musik und Theater in München. Zu seinen wichtigsten Lehrern zählen Michael Gläser, Stefan Parkman und Dan Olof Stenlund. Internationale Erfolge erzielte er als Preisträger des Eric Ericson Award 2006 in Schweden sowie beim Competition For Young Choral Conductors 2007 in Budapest. Von 2009 bis 2015 leitete Florian Helgath den Dänischen Rundfunkchor und war von 2008 bis 2016 Dirigent des Via Nova Chors München. Mit diesem Ensemble dirigierte er zahlreiche Uraufführungen und wurde mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet. Florian Helgath folgte im Oktober 2020 einem Ruf als Professor an die Hochschule für Musik und Tanz in Köln für Chordirigieren, seit Frühjahr 2024 hat er eine Professur an der Hochschule für Musik und Theater in München.

Scylla et Glaucus27 / 29 / 31 März / 2 / 6 / 30 Apr. / 2 Mai 2026 Johannes-Passion24 März 2026
Alice Lapasin Zorzit

Alice Lapasin Zorzit

Alice Lapasin Zorzit absolvierte ihr Klavierstudium am Conservatorio di Musica Luigi Boccherini in Lucca und setzte ihre Ausbildung an der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz fort, wo sie 2018 ihren Bachelor in Chorleitung mit Auszeichnung abschloss. Während dieser Zeit sammelte sie ihre ersten Erfahrungen in der Opernwelt als Chorrepetitorin am Landestheater Linz. 2017 nahm sie an der Riccardo Muti Italian Opera Academy teil und war während der Spielzeit 2018/19 Korrepetitorin an der Orchesterakademie des Opernhaus Zürich. In der Spielzeit 2019/20 folgte ein Engagement als stellvertretende Kinderchorleiterin und Gastpianistin an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin. Anschliessend führte sie ihre Tätigkeit an das Staatstheater Darmstadt, wo sie in den Jahren 2020–2022 als stellvertretende Chordirektorin und Kinderchorleiterin wirkte. Parallel zu ihrer beruflichen Entwicklung setzte sie ihre akademische Ausbildung fort: 2021 schloss sie an der Kunstuniversität Graz ihren Master in Dirigieren und Musiktheaterkorrepetition ab, 2022 folgte ein berufsbegleitender Master in Kulturmanagement (EMAA) an der Universität Zürich. Als Kulturmanagerin war sie Stipendiatin der Deutschen Bank Stiftung (AMH) und gründete 2024 die Künstleragentur ArteMIS. Von 2023 bis 2025 war Alice Lapasin Zorzit Chordirektorin mit Dirigierverpflichtung am Landestheater Coburg und wirkte im Sommer 2025 als Chorassistentin bei den Bayreuther Festspielen mit. Seit Januar 2026 ist sie stellvertretende Chordirektorin am Opernhaus Zürich.

Werther14 / 19 Juni / 1 / 4 / 10 Juli 2026 Così fan tutte3 / 7 / 9 / 12 Juli 2026 Giulio Cesare in Egitto11 / 13 / 15 / 17 / 21 / 25 / 28 März 2026 Scylla et Glaucus27 / 29 / 31 März / 2 / 6 / 30 Apr. / 2 Mai 2026
Dramaturgie:
Roman Reeger,

Roman Reeger

Roman Reeger studierte Historische Musikwissenschaft und Rechtswissenschaft an der Universität Hamburg. Erste Theatererfahrungen sammelte er als Hospitant und Assistent an den Theatern in Oldenburg, Kiel sowie an der Staatsoper und der Schaubühne Berlin. 2013 trat er in die Dramaturgie der Staatsoper Unter den Linden ein. Von 2020 bis 2025 war er als leitender Dramaturg Mitglied der Operndirektion am Theater Basel. Gastengagements führten ihn unter anderem zu den Osterfestspielen Baden-Baden und zur Münchener Biennale für neues Musiktheater. Er arbeitete mit Regisseur:innen wie Christoph Marthaler, Herbert Fritsch, Thom Luz, Benedikt von Peter, Philippe Quesne, Claus Guth, Andreas Kriegenburg, Anna Bergmann, Eva-Maria Höckmayr und Jürgen Flimm zusammen und betreute Uraufführungen von Komponist:innen wie Jörg Widmann, Oscar Strasnoy, Lucia Ronchetti, Manos Tsangaris, Beat Furrer, Hèctor Parra und Herbert Grönemeyer. Als freier Autor veröffentlichte er Beiträge für Fachmagazine, Ausstellungskataloge und CD-Booklets, hält regelmässig Vorträge und lehrte als Lehrbeauftragter an der Universität der Künste Berlin. Seit der Spielzeit 2025/26 ist er Leitender Dramaturg am Opernhaus Zürich.

Tannhäuser21 / 24 / 27 Juni / 2 / 5 / 8 / 11 Juli 2026 Hänsel und Gretel16 / 20 / 23 / 28 / 30 Nov. / 2 / 4 / 11 / 16 / 18 / 21 Dez. 2025 / 2 / 24 / 25 / 31 Jan. 2026 Scylla et Glaucus27 / 29 / 31 März / 2 / 6 / 30 Apr. / 2 Mai 2026 Wie du warst! Wie du bist!20 / 21 / 25 Sept. / 2 / 3 Okt. 2025 / 4 / 5 / 10 / 11 Juli 2026
Yvonne Gebauer

Yvonne Gebauer

Yvonne Gebauer, geboren in Berlin, studierte Germanistik, Philosophie und Religionswissenschaft an der Freien Universität Berlin. Seit 1998 arbeitet sie als Dramaturgin im Schauspiel und vor allem in der Oper. Mehr als zwanzig Jahre arbeitete sie eng mit dem Regisseur Hans Neuenfels zusammen. Andere langjährige Kollaborationen verbinden sie mit Claus Guth, Christof Loy und Nadja Loschky. Sie arbeitete darüber hinaus mit Regisseur:innen wie Kazuko Watanabe, Johan Simons, Frank Hilbrich, Tobias Kratzer, David Hermann und Amélie Niermeyer. Yvonne Gebauer war Dozentin für Dramaturgie an der Hochschule für Angewandte Wissenschaft in Hamburg (Kostümklasse Reinhard von der Thannen), an der Akademie für Angewandte Kunst in Wien (Bühnenbildklasse Erich Wonder), am Mozarteum in Salzburg (Regieklasse Amélie Niermeyer), an der Kunsthochschule Weissensee in Berlin (Bühnenbildklasse Stefan Hageneier) und an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin. Von 2001 bis 2008 war sie freie Mitarbeiterin der Süddeutschen Zeitung im Ressort Literatur. Anschliessend arbeitete sie bis 2018 an der Bayerischen Staatsoper München als Bilddramaturgin und war Bildredakteurin des hauseigenen Magazins «Max Joseph». Mit Claus Guth entstanden an diesem Haus «Bluthaus» (2022), «Semele» (2023) und «Die Liebe der Danae» (2025), geplant ist im Mai 2026 die Uraufführung von Brett Deans Oper «Of One Blood». Weitere jüngere Höhepunkte umfassen Gastdramaturgien für «Pique Dame» bei den Salzburger Festspielen, für «Salome» am Bolschoi-Theater, für «Jenůfa» am Royal Opera House in London, für «Die Vögel» an der Oper Köln und für «Die Sache Makropulos» an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin.

Scylla et Glaucus27 / 29 / 31 März / 2 / 6 / 30 Apr. / 2 Mai 2026

Besetzung


Circé Chiara Skerath


Scylla Elsa Benoit


Glaucus Anthony Gregory


Témire Gwendoline Blondeel


Dorine Jehanne Amzal

Amor Max Gil-Ortega Sempere

Chiara Skerath

Die Schweizerin Chiara Skerath studierte am Conservatoire National Supérieur de Musique in Paris und an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. Sie wurde für erfolgreiche Debüts als Eurydice in Glucks «Orphée et Eurydice» am Opernhaus Zürich, als Ilione in Campras «Idoménée» an der Staatsoper Berlin sowie als Micaëla («Carmen») in Bordeaux gefeiert. Sie sang Mélisande in Debussys «Pelléas et Mélisande» beim Festival d’Aix-en-Provence 2024, Armida in Händels «Rinaldo» in Beaune sowie Donna Elvira in «Don Giovanni» an der Opéra de Lille unter Emmanuelle Haïm. Weitere Engagements führten sie mit Händels «Messiah» durch Europa, mit Schuberts Messe As-Dur, Mendelssohns «Vom Himmel hoch» und Mozarts c-Moll-Messe auf bedeutende Konzertpodien. Zu ihren Opernrollen zählen Antigone in Enescus «Œdipe» bei den Salzburger Festspielen, Ännchen in Webers «Der Freischütz», Scylla in Leclairs «Scylla et Glaucus» sowie Mélisande in Bordeaux. In der Saison 2025/26 übernimmt sie u. a. Circé in «Scylla et Glaucus» am Opernhaus Zürich und singt Mozarts c-Moll-Messe sowie Berlioz’ Messe solennelle. Ein Schwerpunkt ihres Repertoires liegt auf Mozart-Partien wie Zerlina, Despina, Susanna, Ilia, Pamina und Servilia. Darüber hinaus sang sie u. a. Poppea, Rosalinde, Megacle sowie Clothilde in Francesconis «Trompe-la-Mort». Sie konzertierte mit renommierten Dirigenten wie Christian Thielemann, Marc Minkowski und Sir John Eliot Gardiner. Ihre Diskografie umfasst Einspielungen u. a. von «Pelléas et Mélisande», «La clemenza di Tito» und «Der Freischütz».

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Elsa Benoit

Die französische Sopranistin Elsa Benoit war von 2015 bis 2016 war Ensemblemitglied des Stadttheaters in Klagenfurt, wo sie Partien wie Tytania in Brittens «A Midsummer Night's Dream», Giulietta in Bellinis «I Capuleti e i Montecchi», Micaëla in «Carmen» (für die sie den Österreichischen Musiktheaterpreis erhielt) und Despina in «Così fan tutte» sang. Anschliessend wechselte sie ins Ensemble der Bayerischen Staatsoper, wo sie eine Vielzahl von Rollen verkörperte, darunter den Hirten im «Tannhäuser», Oscar («Un ballo in maschera»), Adina («L'elisir d'amore»), Gretel («Hänsel und Gretel»), Musetta («La bohème»), Zerlina («Don Giovanni»), Emilie («Les indes galantes») und Poppea in Händels «Agrippina». Diese Rolle sang sie auch in der für einen 2019 für einen Grammy als Best Opera Recording nominierten Aufnahme von Warner Classics. Seit 2021 ist Benoit freiberuflich tätig an Häusern wie der Opéra comique in Paris, der Komische Oper Berlin, dem Glyndebourne Festival und den Salzburger Festspielen. Ihre Engagements reichen dabei vom barocken Repertoire bis hin zu zeitgenössischen Partien: Bellezza in Händels «Il trionfo del tempo e del disinganno» und Semele im gleichnamigen Oratorium, Micaëla («Carmen»), Sophie («Werther»), Thérèse («Les Mamelles de Tirésias»), Anne Truelove («The Rake’s Progress»), Betty in Philippe Hersants «Les Eclairs» und Arthur Honeggers «Jeanne d'Arc au bûcher».

Scylla et Glaucus27 / 29 / 31 März / 2 / 6 / 30 Apr. / 2 Mai 2026

Anthony Gregory

Der Brite Anthony Gregory war Mitglied der Verbier Festival Academy, des National Opera Studio sowie ein Young Artist des Glyndebourne Festivals. An der English National Opera sang er als Harewood Artist Partien wie Nanki-poo («The Mikado»), Junger Matrose («Julietta»), 1. Geharnischter («Die Zauberflöte»), Borsa («Rigoletto») und Haemon («Julien Andersons Thebans»). Mit Partien wie Mercurio («La concordia de' pianeti»), Damon («Acis and Galatea»), Cégeste (Philip Glass’ «Orphée»), der Titelpartie in «Candide», Flute («A Midsummer Night’s Dream»), Don Ottavio («Don Giovanni»), Oronte («Alcina») und Ferrando («Così fan tutte») war er in Glyndebourne, an der De Norske Opera, an der English National Opera, am Teatro Real, an der Opéra de Limoges, am Theater an der Wien und mit Orchestern wie La Cetra Barockorchester Basel, dem Dunedin Consort und La Nuova Musica zu erleben. Weitere Auftritte führten ihn an die Bayerische Staatsoper als Pane («La Calisto»), ans Opernhaus Zürich für Christian Spucks Ballett «Monteverdi», an das Teatro Real Madrid und zum Festival de Aix-en-Provence. Zu den Höhepunkten der letzten Zeit gehörten seine Debüts als Ferrando in «Cosi Fan Tutte» am Royal Opera House sowie als Lépreux in Messiaens «Saint François d'Assise» an der Elbphilharmonie Hamburg, Almaviva («Il barbiere di Siviglia») an der Scottish Opera, Achilles in «Iphigenie en Aulide» an der Griechischen Nationaloper, Oronte in Händels «Alcina» an der Opera di Roma sowie die Titelrolle in «Mitridate, Re di Ponto» an der Staatsoper Hamburg.

Scylla et Glaucus27 / 29 / 31 März / 2 / 6 / 30 Apr. / 2 Mai 2026

Gwendoline Blondeel

Gwendoline Blondeel, Sopran, kam nach ihrem Studium am Institut Royal Supérieur de Musique et de Pédagogie in Namur (Belgien) und an der Académie du Théâtre de La Monnaie in Brüssel ins Nachwuchsensemble des Grand Théâtre de Genève. 2019 gewann sie den ersten Preis beim Wettbewerb von Froville und wurde 2021 als Aurore in Mondonvilles Oper «Tuton et l’Aurore» an der Opéra-Comique in Paris von William Christie entdeckt. Seither ist sie eine gefragte Interpretin für die Musik des 17. und 18. Jahrhunderts. Ihr Repertoire umfasst u. a. die Partien der französischen Barockmusik wie Sangaride in Lullys «Atys», Jonathas in Charpentiers «David et Jonathas» und Alphise in Rameaus «Les Boréades» sowie Rollen in grossen italienischen Barockopern wie La Musica («L’Orfeo»), Almirena («Rinaldo»), Dalinda («Ariodante») und Morgana («Alcina»). Ausserdem sang sie u. a. Blonde in Mozarts «Entführung aus dem Serail», Frasquita in Bizets «Carmen», Marie in Donizettis «La fille du régiment», Clorinde in Rossinis «Cenerentola» sowie die Sopranpartie in Mendelssohns «Lobgesang». Auftritte führten sie u. a. an die Opéra Royal de Versailles, das Théâtre des Champs-Élysées, Théâtre du Capitole von Toulouse, Festival von Beaune, Teatro Real von Madrid, Opernhaus Zürich, in den Concertgebouw von Amsterdam sowie nach Brügge und Wien. Dabei arbeitete sie mit Dirigent:innen wie Leonardo García Alarcón, Stéphane Fuget, Christophe Rousset, Diego Fasolis, Philippe Herreweghe, Sébastien Daucé, Thomas Hengelbrock, Emmanuelle Haïm und Kazushi Ono zusammen.

Scylla et Glaucus27 / 29 / 31 März / 2 / 6 / 30 Apr. / 2 Mai 2026 Brückenschlagkonzert8 März 2026

Jehanne Amzal

Die französische Sopranistin Jehanne Amzal absolvierte ihr Gesangsstudium am Royal Northern College of Music und in Paris sowie an der Schola Cantorum Basiliensis. 2018 war sie Preisträgerin beim Concours International de Chant Léopold Bellan und 2019 Halbfinalistin beim Concours Corneille. Sie arbeitete mit führenden Barockensembles wie dem Freiburger Barockorchester, Les Arts Florissants, Le Concert Spirituel, Les Surprises, A Nocte Temporis, Les Ambassadeurs, Le Concert de la Loge und Les Paladins. Auftritte führten sie u. a. in den Concertgebouw Amsterdam, an die Opéra de Lyon, Opéra de Lille, das Musiikkitalo Helsinki, Théâtre des Champs-Élysées, Müpa Budapest, die Opéra Royal de Versailles, und in die Notre-Dame-Kathedrale in Paris. Sie sang Cléone und L’Amour in Charpentiers «Médée» an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin, am Gran Teatre del Liceu und an der Elbphilharmonie Hamburg unter Sir Simon Rattle sowie an der Opéra de Paris unter William Christie. Weitere Höhepunkte waren Norvégienne in Philidors «Ernelinde» an der Oper in Oslo unter der Leitung von Martin Wåhlberg sowie im Sommer 2025 Werke von Telemann und Rameau bei den Musikfestspielen Potsdam Sanssouci. Ihre Diskografie umfasst u. a. Einspielungen von «Médée» (2024) und «Iphigénie en Tauride» (2025), beide mit Le Concert Spirituel und bei Alpha Classics, sowie eine Aufnahme von «Scylla et Glaucus» mit dem Orfeo Orchestra.

Scylla et Glaucus27 / 29 / 31 März / 2 / 6 / 30 Apr. / 2 Mai 2026
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Zürcher Sing-Akademie

Die Zürcher Sing-Akademie ist seit ihrer Gründung im Jahr 2011 gleichermassen im sinfonischen wie im A-capella-Repertoire zu Hause. Seit der Spielzeit 2017/18 ist Florian Helgath ihr Chefdirigent und künstlerischer Leiter. Die Arbeit mit Dirigenten wie Giovanni Antonini, Kristian Bezuidenhout, Bernard Haitink, Pablo Heras-Casado, René Jacobs, Paavo Järvi oder Kent Nagano haben das Ensemble entscheidend mitgeprägt. Neben der langjährigen Partnerschaft mit dem Tonhalle-Orchester Zürich ist die Zürcher Sing-Akademie mit Klangkörpern wie dem Orchestre de la Suisse Romande, dem Kammerorchester Basel, dem Musikkollegium Winterthur, dem Helsinki Baroque Orchestra oder dem Barockorchester La Scintilla zu erleben. Mit dem Freiburger Barockorchester ist der Chor regelmässig in grossen Konzerthäusern Europas zu Gast, etwa in der Philharmonie de Paris, der Kölner Philharmonie, der Elbphilharmonie Hamburg, in der Philharmonie Berlin und im Konzerthaus Freiburg. Ihre A-cappella-Projekte nutzt die Zürcher Sing-Akademie, um eine Brücke zwischen traditionellem und zeitgenössischem Musikschaffen zu schlagen. Mit ihren Programmen und regelmässigen Kompositionsaufträgen legt sie einen besonderen Fokus auf die Entwicklung der Schweizer Chorlandschaft. Tourneen führten den Chor nach Deutschland, Italien, Israel, in die Niederlande, in den Libanon, nach Taiwan, Südkorea und China sowie in diverse Hauptstädte Europas. CD-Einspielungen mit der Zürcher Sing-Akademie führt von Schweizer Raritäten über Sinfonische Klassik bis Oper. Zuletzt erschienen sind seine Porträt-CD zu Frank Martin sowie im Oktober 2025 Haydns «Missa Cellensis» mit dem Kammerorchester Basel unter René Jacobs.

Scylla et Glaucus27 / 29 / 31 März / 2 / 6 / 30 Apr. / 2 Mai 2026 Johannes-Passion24 März 2026

Le Concert d'Astrée

Das 2000 von der Cembalistin und Dirigentin Emmanuelle Haïm gegründete Ensemble Le Concert d’Astrée zählt heute zu den führenden Interpreten barocker Musik weltweit. Bereits kurz nach seiner Gründung feierte das Ensemble grosse Erfolge auf renommierten Bühnen in Frankreich und international. Seit 2004 ist es Residenzorchester der Opéra de Lille. Das Repertoire reicht von Kammermusik bis zu grossen Opernproduktionen. Internationale Aufmerksamkeit erlangte 2024 das von Dmitri Tcherniakov inszenierte Gluck-Diptychon «Iphigénie en Aulide» und «Iphigénie en Tauride» zur Eröffnung des Festivals in Aix-en-Provence, ausgezeichnet bei den International Opera Awards als beste Produktion des Jahres. Die vielfach prämierte Diskografie erscheint bei Erato Warner Classics. Zum 20-jährigen Bestehen 2021 konzertierte das Ensemble im Théâtre des Champs-Élysées und in der Staatsoper Berlin unter gemeinsamer Leitung von Emmanuelle Haïm und Simon Rattle. In der Saison 2025/26 gastiert Le Concert d’Astrée bei den Salzburger Festspielen mit Händels «Giulio Cesare in Egitto» (Regie: Dmitri Tcherniakov), mit «Semele» an der Dutch National Opera sowie mit «Scylla et Glaucus» am Opernhaus Zürich in den Inszenierungen von Claus Guth. Zudem ist das Ensemble bis 2027 Partner des ersten Barockmusikfestivals in Los Angeles. Neben seiner internationalen Tätigkeit engagiert sich Le Concert d’Astrée intensiv in Bildungs- und Sozialprojekten in der Region Hauts-de-France.

Scylla et Glaucus27 / 29 / 31 März / 2 / 6 / 30 Apr. / 2 Mai 2026

Statistenverein am Opernhaus Zürich

Der Statistenverein am Opernhaus Zürich wurde im Jahr 1900 gegründet und dürfte damit einer der traditionsreichsten Vereine auf dem Kulturplatz Zürich sein. Rund hundert Frauen und Männer im Alter von 16 bis 70 Jahren bereichern das Bühnengeschehen in zahlreichen Inszenierungen.Statisten, früher auch als Figuranten bezeichnet, haben generell nicht sprechende Rollen. Ihre Einsätze am Opernhaus Zürich fallen je nach Inszenierung unterschiedlich umfangreich aus. Während früher Massenszenen im Vordergrund standen, sind die Statistinnen und Statisten seit der Ära Pereira und der Intendanz von Andreas Homoki zunehmend auch für aufwändigere Einzelauftritte sowie für anspruchsvolle technische Einsätze gefragt. Die Mitglieder des Statistenvereins üben ihre Einsätze in der Freizeit und ohne finanzielle Interessen aus. Sie bringen Begeisterung für Musik und Theater mit.

Manon24 / 27 Sept. / 3 / 7 / 10 Okt. 2025 La scala di seta25 / 28 Sept. / 19 / 24 Okt. 2025 Tosca28 Sept. / 2 / 8 / 11 / 15 / 19 Okt. 2025 Madama Butterfly30 Dez. 2025 / 3 / 9 / 11 / 13 / 16 Jan. 2026 Rigoletto20 / 23 / 27 Dez. 2025 / 1 / 4 Jan. 2026 Le nozze di Figaro24 / 29 Jan. / 1 / 5 / 7 / 10 / 14 Feb. 2026 Werther14 / 19 Juni / 1 / 4 / 10 Juli 2026 Così fan tutte3 / 7 / 9 / 12 Juli 2026 Macbeth8 / 11 / 14 / 19 / 22 / 30 Nov. 2025 Arabella14 / 18 / 22 / 25 / 28 Apr. 2026 Der Rosenkavalier21 / 26 Sept. / 1 / 5 / 14 / 17 / 21 / 26 Okt. 2025 La clemenza di Tito26 / 29 Apr. / 3 / 8 / 15 / 17 / 20 / 25 Mai 2026 Cardillac15 / 18 / 21 / 25 Feb. / 1 / 6 / 10 März 2026 Hänsel und Gretel16 / 20 / 23 / 28 / 30 Nov. / 2 / 4 / 11 / 16 / 18 / 21 Dez. 2025 / 2 / 24 / 25 / 31 Jan. 2026 Carmen18 / 21 / 23 / 27 / 31 Jan. 2026 Un ballo in maschera22 / 28 / 31 Mai / 7 / 13 Juni 2026 Die Fledermaus7 / 10 / 12 / 14 / 18 / 26 / 28 / 31 Dez. 2025 / 2 / 4 / 6 / 10 Jan. 2026 Giulio Cesare in Egitto11 / 13 / 15 / 17 / 21 / 25 / 28 März 2026 Scylla et Glaucus27 / 29 / 31 März / 2 / 6 / 30 Apr. / 2 Mai 2026 La forza del destino2 / 7 / 12 / 15 / 18 / 21 / 26 / 29 Nov. / 17 / 21 Dez. 2025 Sillons de Mémoires5 / 6 / 7 Feb. 2026 Gianni Schicchi2 / 6 / 8 / 10 / 13 Mai 2026 Monster's Paradise8 / 14 / 18 März / 10 / 12 Apr. 2026

Kurzgefasst

Scylla lebt zurückgezogen in sich selbst – wie in einem Winterschlaf der Gefühle. In ihrem Kosmos herrschen Vernunft, Ruhe und Harmonie. Als Glaucus in ihr Leben tritt, ändert sich alles: Sie erfährt die Liebe, in all ihren Farben und Facetten – und erkennt sich selbst nicht wieder. Die Oper beschreibt alle Lust, Wildheit, Panik und Verzweiflung, die die junge Frau durchlebt, als sie die Welt neu für sich entdeckt. Am Schluss wird sie eine andere sein. Jean-Marie Leclairs selten aufgeführte einzige Oper ist eine musikalische Entdeckung. Regisseur Claus Guth kehrt mit dieser Neuinszenierung zurück ans Opernhaus Zürich. Emmanuelle Haïm leitet ihr Ensemble Le Concert d’Astrée, das zu den profiliertesten Spezialensembles für Alte Musik zählt.

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Gut zu wissen

«Der Mythos ist ein Vehikel»

Als Dirigentin und Cembalistin versteht Emmanuelle Haïm Forschung nie als Selbstzweck. Für das Festival Zürich Barock bringt sie Jean-Marie Leclairs selten gespielte Oper «Scylla et Glaucus» nach Zürich. Ein Gespräch über die Lust am Quellenstudium, die Freiheit der Tradition – und darüber, warum antike Mythen für uns heute real sind.

Emmanuelle Haïm, Sie stehen dem Diskurs der historisch informierten Aufführungspraxis sehr nahe. Wie hat sich diese Praxis verändert, wenn Sie auf Ihr Studium in Paris zurückblicken?

Wir haben heute viel mehr Mittel. Als ich mich als Studentin für «Scylla et Glaucus» interessierte, arbeitete ich noch mit einer handgeschriebenen Partitur. Ich erinnere mich an Rachel Yakar – eine grossartige französische Sängerin, die das Werk mit Sir John Eliot Gardiner gesungen hatte und damals am Konservatorium unterrichtete. Sie zeigte mir das Manuskript. Ich habe in dieser Zeit sehr viel direkt aus Manuskripten gespielt. Meine erste Aufführung von Rameaus «Les Boréades» fand anhand des Manuskripts statt. Wir waren oft in Bibliotheken, haben Mikrofilme gelesen, Kopien verglichen. Das dauerte. Aber es hatte auch etwas sehr Schönes, man ist körperlich präsent, blättert, sucht – und manchmal führt einen etwas ganz zufällig zu anderem, nur weil ein Buch daneben liegt. Heute gibt es grosse Fortschritte: im Verlagswesen, bei kritischen Editionen, beim Online-Zugang in Bibliotheken. Institutionen wie das Centre de Musique Baroque de Versailles haben enorme Arbeit geleistet. Vieles, wofür man früher Jahre in Archiven verbracht hätte, ist heute greifbar.

Hat diese Entwicklung auch mit der grösseren Anzahl von Musiker:innen zu tun, die sich für das Feld der historischen Aufführungspraxis interessieren?

Ja. Es gibt viel mehr Unterricht für historische Aufführungspraxis an den Konservatorien, viel mehr Musiker:innen, die sich dafür interessieren. Und auch das Publikum ist offener geworden. Selbst wenn Menschen nicht jeden Aspekt der Aufführungspraxis kennen, hören sie zu und denken: «Hmm, warum nicht?»

Trotzdem erzählen viele aus der Nikolaus Harnoncourt- oder René Jacobs-Generation von starkem Widerstand.

Den Widerstand gibt es immer noch. Von Musiker:innen, von Institutionen, manchmal auch vom Publikum. Und es gibt praktische Fragen, vor allem Geldfragen. Historische Ensembles werden oft nicht als solide Institutionen gefördert wie moderne Orchester. Vielleicht zwingt das dazu, ständig kreativ zu sein. Aber es ist auch gefährlich. Man arbeitet oft an der Grenze. In der Schweiz gibt es grossartige Traditionen – Basel mit der Schola Cantorum, Ensembles wie La Cetra. Und in Zürich ist La Scintilla ein Glück. Die Szene in ganz Europa ist lebendig, aber strukturell nicht immer abgesichert.

Kommen wir zu «Scylla et Glaucus». Was bedeutet Ihnen diese Oper?

Ich kenne das Stück schon sehr lange. Es ist in gewisser Weise auch bekannt – weil es die einzige Oper ist, die Jean-Marie Leclair geschrieben hat. Und Leclair ist ein grossartiger Komponist. Er gilt als Meister der modernen Violine, weil er die Technik und Möglichkeiten des Instruments enorm weiterentwickelt hat. Seine Sonaten und Konzerte sind berühmt für ihre Schwierigkeit. Ich selbst habe seine Kammermusik schon als Studentin gespielt. In Zürich haben wir erst im letzten Herbst mit Solist:innen von La Scintilla Leclairs Triosonaten aufgeführt. Das ist eine Art Annäherung: Leclair als Instrumentalkomponist – und nun Leclair im Musiktheater. Es gab seit 40 Jahren keine neue szenische Produktion. Aber allgemein werden französische Barockopern in den letzten Jahren Schritt für Schritt wieder häufiger aufgeführt – langsam, aber es bewegt sich etwas.

Sie sprechen oft vom «Erforschen des Repertoires» …

In meiner Arbeit begegnen mir immer wieder Stücke, die wirklich bühnenwirksam sind, aber kaum gespielt werden. Denken Sie an Campra: Als wir «Idoménée» an der Staatsoper Berlin machten, wurde dieses Stück in der heutigen Zeit nie mehr vollständig auf die Bühne gebracht. Und es ist ein Werk, das dramaturgisch sehr gut gebaut ist. Es gibt sehr viel Musik zu entdecken: Campra, Mondonville, Caldara, Porpora. Das Problem ist oft nicht die Qualität, sondern die Tradition des Repertoires: Was wird in grossen Häusern gespielt? Händel etwa – ja, einige Titel: «Giulio Cesare», «Alcina», «Ariodante», vielleicht «Serse». Aber das ist nicht viel, gemessen daran, was es gibt. Selbst «Semele» ist erst seit relativ kurzer Zeit wirklich präsent.

Bei «Scylla et Glaucus» arbeiten Sie mit verschiedenen Quellen. Was ist für Sie daran besonders interessant in Hinblick auf eine Aufführungsfassung?

Man muss wissen: In dieser Zeit wurde ein Werk bei Aufführungen oft verändert – fast immer vom Komponisten selbst. Es gibt Striche, Änderungen, Kommentare. Wir haben Manuskripte mit Anmerkungen, die zeigen, wie praktisch gedacht wurde: «Bitte drehen, schnell drehen», oder «mach es zweimal». Das ist eine Aufführungspartitur, eine Arbeitskopie. Man sieht, wer was gesungen hat, welche Rollen verdichtet wurden, welche Figuren verschwanden. Wir haben das mit dem Regieteam durchgesehen und uns gefragt: Was bedeutet diese Geschichte heute? Wie erzählen wir diese Geschichte, was ist dramaturgisch sinnvoll? Dabei orientieren wir uns durchaus an der historischen Praxis: Auch damals kürzte man, straffte, liess Figuren weg. Das ist kein Verrat, sondern Teil der Lebendigkeit eines Werkes. Das Centre de Musique Baroque de Versailles hat uns dabei sehr geholfen, etwa beim Vergleich verschiedener Passacaille-Versionen oder beim Abgleich von Libretti, Partituren und Stimmenmaterial.

Sie beschreiben diesen Prozess fast wie eine Arbeit am lebenden Organismus.

Ja – denken Sie an Rameau: Bei «Dardanus» erkennt man das Werk in späteren Fassungen kaum wieder. Und selbst bei «Castor et Pollux» gibt es nicht «die» eine Version. Bei «Hippolyte» ist vielleicht nur ein Drittel in allen Fassungen gleich. Das ist wie bei einer Broadway-Show, die sich entwickelt. Welche Form ist die beste? Die erste? Die letzte? Das ist nicht immer eindeutig.

Was fasziniert Sie an der Tragédie lyrique als Gattung?

Vor allem die Vermischung der Elemente: Theater, Musik, Tanz. Gesang, Ballett, Instrumente – alles greift ineinander. In dieser Form spiegelt sich der Versuch, eine möglichst vollkommene Ausdrucksform zu schaffen, eine Art Gesamtkunstwerk, lange bevor wir das Wort verwendeten. Alles bleibt immer stark und unmittelbar mit dem Theater verbunden. Und wenn wir von Tragödie sprechen, geht es um Katharsis im griechischen Sinn: Geschichten, die uns helfen können, weil sie Extreme zeigen.

Die Mythen dieser Geschichten beschäftigen uns noch immer …

Die Dinge in diesen Geschichten passieren tagtäglich: Eifersucht, Gewalt, familiäre Katastrophen – das ist nicht Mythologie, das ist Gegenwart. Deshalb ist es für mich kein Verrat, zu zeigen, wie modern diese Geschichten sind. Hamlet ist modern. Euripides ist modern. Racine ist modern. Molière ist modern. Ja, der Mythos ist ein Vehikel. Nehmen wir Orpheus in der Unterwelt, den Mythos aller Mythen. Glauben wir ihn wirklich? Nein, aber wir verstehen die Angst und das Begehren, die darin stecken. Und Musik macht diese Erfahrung unmittelbar.

Wodurch zeichnet sich Leclairs Partitur aus?

Für die Violinen ist das unglaublich virtuos – fast die ganze Zeit. Leclair schreibt sehr präzise: Fingersätze, offene Saiten, Bogenstriche. Es ist raffiniert und anspruchsvoll. Für Streicher ist es fantastisch gearbeitet. Und es gibt diese grossen Szenen, etwa mit Passacaille, ein obligatorisches Genre in der Tragédie lyrique. Sie beschreibt vollkommene Freuden – das ist wie Opium. Es könnte endlos dauern. Die Wechsel zwischen Handlungszenen und Divertissements sind dramaturgisch eine Herausforderung, aber musikalisch gibt es atemberaubende Momente. In vielen Opern ist die Heldin eine Zauberin mit einer dunklen Seite. Eine Figur, die nicht lieben kann. Das sagt viel über die Wahrnehmung in dieser Zeit. Es ist interessant, wie solche Muster wiederkehren: Armide bei Lully und Gluck, Médée bei Charpentier oder Alcina bei Händel. In «Scylla» wird Glaucus verzaubert, und die Musik ist genau dieses Schweben zwischen Lust und Gefahr.

Sie sind Dirigentin und Cembalistin – wie entwickelt sich eine Partitur im Probenprozess?

Man kann vieles nicht wirklich aufschreiben. Die Dynamik ist so subtil. Es ist ein kollektives Wissen. In dieser Musik steht oft gar nicht, wie viele Continuo-Instrumente spielen sollen, wer genau beteiligt ist. Man muss vergleichen, Briefe lesen, Erfahrungen sammeln und dann Entscheidungen treffen, die zum Raum, zum Ensemble, zur Situation passen. Und selbst wenn man frühere Produktionen wiederaufnimmt: Man weiss oft nicht mehr, welche Kürzungen gemacht wurden. So ist das – fast wie im Jazz. Man macht es, man lebt es. Nicht alles lässt sich schriftlich festhalten.

Sie arbeiten seit vielen Jahren mit Ihrem Ensemble Le Concert d’Astrée. Was macht diese Zusammenarbeit aus?

Wir suchen gemeinsam. Ein Flötist bringt mir genauso viel wie ich ihm – weil er über Klang, Instrumente, Tonhöhe geforscht hat, mit Instrumentenbauern gearbeitet hat. Für eine Aufnahme haben wir zum Beispiel in hoher Stimmung gespielt und das ganze Orchester neu besaitet. Das verändert den Klang radikal. Plötzlich klingen Violinen wie Trompeten. Man versteht, warum damals Orchester anders besetzt waren. Diese Arbeit ist ein Teilen von Erfahrungen. Und zwischen den Projekten entwickeln die Musiker:innen neue Fähigkeiten, gründen Ensembles, unterrichten, dirigieren. Es ist wie eine lange Partnerschaft, die sich ständig erneuert.

Sie haben mehrfach in Zürich gearbeitet. Wie erleben Sie die Rückkehr – gerade mit einem Projekt im Zentrum eines neuen Festivals? Ist Zürich eine «Barockstadt»?

Das Opernhaus Zürich ist für diese Musik ideal: die Grösse des Hauses, die Akustik, die Professionalität – das ist nicht selbstverständlich. Das Team hinter der Bühne kann wirklich zaubern: Was hier organisatorisch möglich gemacht wird, ist komplex und gleichzeitig sehr menschlich. Ich schätze La Scintilla sehr, auch weil sie eine schwierige Aufgabe übernehmen: eine Tradition fortzuführen, die auf Harnoncourt zurückgeht, und gleichzeitig anderes Repertoire zu bedienen. Ich finde es mutig und grossartig, dass ein Festival gegründet wird, das verschiedene Gruppen zusammenbringt. Das gibt dem Publikum neue Perspektiven – und uns auch.


Das Gespräch führten Roman Reeger und Lea Vaterlaus

Zwischen den Welten: über Jean-Marie Leclair

Das Leben Jean-Marie Leclairs liest sich wie ein Roman. Virtuose, Tänzer, Ballettmeister, Opernkomponist, Hofmusiker – und schliesslich Mordopfer eines bis heute nicht restlos aufgeklärten Verbrechens. Zwischen Paris und Turin verkörpert sein Stil auch die Verbindung unterschiedlicher Musiktraditionen im 18. Jahrhundert.

1697 in Lyon geboren, war Jean-Marie Leclair Zeitgenosse von Giuseppe Tartini und Pietro Locatelli. Seine Geburtsstadt, strategisch zwischen Paris und Turin gelegen, prägte seinen frühen Werdegang massgeblich. Schon früh trat er als Tänzer in die Oper von Lyon ein – im damaligen Frankreich galt der Tanz als dominierende Kunstform. Zwischen seinem zwanzigsten und dreissigsten Lebensjahr reiste er als Tänzer und Ballettmeister unablässig durch Europa und wirkte in verschiedenen Städten. Doch Leclair strebte nach mehr, denn Tänzerkarrieren galten damals wie heute als kurzlebig. Er liess sich zum Geiger und Komponisten ausbilden. In Turin studierte er bei Giovanni Battista Somis, einem Schüler Arcangelo Corellis. Diese Vielseitigkeit hatte er vermutlich von seinem Vater, ein Posamentierer, der zugleich Bassgeiger und Tanzmeister war und sein erster Lehrer wurde. Leclair entwickelte einen Stil, der exemplarisch das Ideal der von Couperin, Telemann oder Quantz propagierten «Vereinigung der Geschmäcker» Frankreichs und Italiens verkörperte. 

Seine internationale Karriere begann in den 1720er-Jahren. Ein legendärer Wettstreit mit Locatelli 1728 in Kassel brachte ihm den Beinamen «Engel» ein – als Gegenpart zum «Teufel» Locatelli. Ein überzeichnetes Bild, das jedoch die öffentliche Wahrnehmung widerspiegelte: Leclairs Spiel galt als leuchtend, edel, kontrolliert – nie exzessiv. Ende der 1720er-Jahre wurde Paris zu seinem Lebensmittelpunkt. Er trat regelmässig bei den Concerts spirituels auf, wurde 1734 Musiker der Chapelle und Chambre du roi und verliess diese prestigeträchtige Stellung wieder, weil er den Konkurrenzkampf nicht aushielt. Auch das gehört zu seinem Bild: verletzlich, stolz, wenig bereit zu Kompromissen. Sein Œuvre ist überschaubar – dreizehn Opuszahlen –, doch sämtliche erhaltene Werke erschienen im Druck: vier Sonatenbücher für Violine und Basso continuo, Konzerte, Duos – Werke, die in Frankreich als kühn und technisch anspruchsvoll galten. Besonders die «Recréations de musique d’une exécution facile» tragen ihren Titel fast ironisch und zeigen, wie anspruchsvoll Leclairs Musik tatsächlich war. Leclair schrieb für Virtuosen – und für sich selbst.

Erst spät, 1746, wandte er sich der Oper zu. Mit «Scylla et Glaucus» betrat er die Bühne der Pariser Opéra – fast fünfzigjährig. Dies verbindet ihn mit seinem Zeitgenossen Rameau, der seine erste Oper «Hippolyte et Aricie» im ähnlichen Alter vorlegte. In einer Zeit, in der der Ruhm eines Komponisten wesentlich von der Bühne abhing, hoffte Leclair auf eine zweite Karriere. Doch die Entscheidung, eine Tragédie en musique mit tragischem Ende zu komponieren, war riskant: Das Genre galt als überholt. Nur wenige Werke hatten noch Erfolg, etwa «Jephté» von Montéclair sowie die Tragödien Rameaus. Das Publikum bevorzugte Wiederaufführungen der Werke Jean-Baptiste Lullys und erwartete selbst bei tragischen Stoffen versöhnliche Schlüsse. Eine Tragédie statt eines Balletts zu komponieren, dem damals angesagten Genre, bedeutete daher, an die dramatische Tradition Lullys anzuknüpfen und sich mit Rameau zu messen.

Über die Entstehung von Leclairs Opus 11, «Scylla et Glaucus», ist nahezu nichts bekannt. Selbst der Vorname des Librettisten d’Albaret ist unbekannt. Wie Leclair debütierte er 1746 an der Opéra, ohne dass sich darüber hinaus nennenswerte dichterische Tätigkeiten nachweisen lassen. Musikalisch ist «Scylla et Glaucus» ein faszinierender Hybrid: eine Oper aus der Feder eines Virtuosen. Die Violinen stehen immer wieder im Zentrum: sie kommentieren, umspielen, intensivieren Monologe und Arien. In den Chorsätzen teilen sich die Streicher häufig in zwei eigenständige Gruppen: Während die zweiten Violinen traditionell die Oberstimmen des Chores verdoppeln, entfalten die ersten Violinen zusätzliche Läufe und Verzierungen. Vor diesem Hintergrund mag es wenig verwunderlich erscheinen, dass «Scylla et Glaucus» als eine «Oper für Violine» bezeichnet wird. Gleichwohl blieb der Erfolg verhalten. Nach 18 Aufführungen verschwand das Werk aus dem Spielplan. Leclair schrieb nie wieder für die Opéra.

In den folgenden Jahren zog sich Leclair zunehmend zurück. Er komponierte für den Herzog von Gramont zahlreiche Gelegenheitswerke, die sämtlich verloren gegangen sind. Veröffentlichungen wurden seltener, schliesslich trennte er sich von seiner Frau, die als Notenstecherin an vielen Werken beteiligt war. 1764 wurde Leclair in seinem Haus ermordet aufgefunden. Verdächtigt wurde sein eigener Neffe, ebenfalls Geiger, zu einem Prozess kam es jedoch nie. Bald rankten sich Legenden um seinen Tod – von blutbefleckten Stradivaris bis zu literarischen Spekulationen über prominente Täter. Die Wahrheit blieb im Dunkeln. Vielleicht passt dieses rätselhafte Ende zu einem Leben «zwischen den Welten». Leclair stand zwischen Nationen, zwischen Stilen, zwischen einem Leben in der Öffentlichkeit und dem Rückzug ins Private. Seine Musik geriet nie völlig in Vergessenheit – einzelne Stücke blieben im Repertoire, Auszüge seiner Oper erklangen in anderen Aufführungen. Erst im 20. Jahrhundert begann man sein Werk neu zu entdecken und 1979 gelang John Eliot Gardiner die erfolgreiche Wiederbelebung von «Scylla et Glaucus».