Installative Musiktheaterperformances, monumentale Klanglandschaften und kammermusikalische Porträts: Die Studiobühne des Opernhauses Zürich lädt dazu ein, Neues zu entdecken.
Musiktheater-Performance
Den programmatischen Schwerpunkt bildet die Musiktheater-Performance «Sillons de Mémoires», die am 5. Februar 2026 auf der Studiobühne Premiere feiert. Die Werke der libanesischen Komponistin Dzovinar Mikirditsian und der Zürcher Komponistin Katharina Rosenberger – ausgezeichnet mit dem Schweizer Musikpreis für ihre grenzüberschreitenden Arbeiten – entfalten sich als vielschichtige, installative Situation zwischen Konzert, Performance und Raumkomposition. Der Titel – Rillen der Erinnerungen – verweist auf Spuren, die sich in Körper, Biografien und kollektive Gedächtnisse einschreiben. Im Zentrum stehen Fragen nach Heimat, Migration und Vertreibung, nach der Fragilität von Erinnerung und ihrer gleichzeitigen Beharrlichkeit. Was geschieht, wenn die Erinnerung an einen Ort fragmentiert, umstritten oder verloren ist? Wie prägen Erfahrungen von Krieg, Krise und Verlust das Selbstbild und den Blick in die Zukunft? Schlagwerk, Stimme und Live-Elektronik verschränken sich zu einer pulsierenden Klangwelt, in der sich individuelle und kollektive Ebenen überlagern. Das international renommierte Schlagwerk-Kollektiv Eklekto aus Genf entwickelt seit seiner Gründung 1974 kontinuierlich zusammen mit verschiedensten Künstler:innen und Komponist:innen innovative Projekte, die neue Massstäbe setzen und mit wegweisenden Impulsen überzeugen. Unter der musikalischen Leitung von Ismaele Gatti und in der Inszenierung von Steven Whiting entsteht ein Musiktheater, das Erinnerung körperlich erfahrbar macht. Ausgangspunkt der Stückentwicklung und Teil der Inszenierung sind unter anderem Texte von Ricardo Dominguez, Gründungsmitglied des Critical Art Ensemble und Mitbegründer des Electronic Disturbance Theater 1.0. Die Gruppe entwickelte 1998 aus Solidarität mit den Zapatisten-Gemeinden in Chiapas, Mexiko, virtuelle Sit-in-Technologien sowie das Transborder Immigrant Tool – ein GPS-Sicherheitsnetz für Mobiltelefone zum Überqueren der Grenze zwischen Mexiko und den USA.
Konzert im Liegen
Einen anderen Zugang zu Zeit und Wahrnehmung eröffnet das Sonder-Kammerkonzert zum 100. Geburtstag von Morton Feldman. Mit «For Philip Guston» aus dem Jahr 1984 steht eines der zentralen Werke der musikalischen Moderne auf dem Programm – ein viereinhalb Stunden dauerndes Stück, dessen fragile Schönheit aus dem leisen Spiel zwischen Stille und Ereignis sowie einer fast archaischen Einfachheit entsteht. Inspiriert von der Freundschaft mit dem Maler Philip Guston, entfaltet sich ein schwebender Klangraum, in dem jede kleinste Veränderung hörbar wird. Das Ensemble Opera Nova, bestehend aus Musiker:innen des Orchesters der Oper Zürich, interpretiert dieses Schlüsselwerk in einem besonderen Konzertsetting mit bequemer Liegelandschaft. Das Publikum ist eingeladen, die gewohnten Grenzen zwischen Konzert, Dauer und körperlicher Wahrnehmung hinter sich zu lassen.
Grenzüberschreitung
Die Verbindung von klanglicher Experimentierfreude und einem klaren gesellschaftlichen Blick prägt auch das Portrait-Konzert von Olga Neuwirth. Eine Woche vor der Schweizer Erstaufführung ihres neuen Musiktheaters «Monster’s Paradise» präsentiert das Ensemble Opera Nova zentrale kammermusikalische Werke der österreichischen Komponistin. Neuwirths Musik bewegt sich zwischen gegenwärtiger Klangforschung, politischem Kommentar und spielerischer Grenzüberschreitung. Werke wie HOOLOOMOOLOO für Ensemble in drei Gruppen, Magic fluidity für Flöte und Olivetti-Schreibmaschine oder die Hommage à Klaus Nomi für Countertenor und Kammerorchester stehen exemplarisch für unterschiedliche Schaffensphasen der Komponistin. Ihr kompositorischer Ansatz eröffnet immer wieder ungewohnte Perspektiven, während ihre Klangsprache dabei unverkennbar persönlich bleibt.
Aufbruch
Ein weiterer Schwerpunkt gilt der klassischen Moderne. Im Sonder-Kammerkonzert anlässlich der Premiere von Paul Hindemiths Oper «Cardillac» treffen Werke des zeitweilig in Zürich lebenden Komponisten auf Leoš Janáčeks Bläsersextett «Mládí». Hindemiths Kleine Kammermusik op. 24 Nr. 2 und sein Septett für Blasinstrumente stehen exemplarisch für eine Musik, in der sich Klarheit, expressive Kraft und formale Strenge verbindet. Gleichzeitig suchte Hindemith nach einer Kammermusik, die sich vom spätromatischen Ausdrucksspektrum löst. Leoš Janáčeks Suite mit dem Titel «Mládi» («Jugend») schenkte sich der mährische Komponist selbst zum 70. Geburtstag. Auch bei diesem Werk rückt die Erinnerung in den Fokus – in diesem Fall die persönlich-biografische, welche Janáček an seine eigene Kindheit und Jugend pflegte.