Junge Virtuosen - Spoerlis Junior-Ballett im Opernhaus
NZZ, Christina Thurner
Rasend schnelle Beine haben diese Tänzer und elegante Arme noch dazu.
In Hans van Manens Ballett «Solo» wirbeln Dmitri Govoruchin, Arman
Grigoryan und Vitali Safronkin abwechselnd über die Bühne, so dass es
einem den Atem verschlägt. Dieser Virtuosentanz zu Johann Sebastian
Bachs Partita für Solovioline scheint den drei jungen Männern sichtlich
Spass zu machen und ihnen trotz der technischen Schwierigkeit ein
Kinderspiel zu sein. Heinz Spoerlis Junior-Ballett, das im Rahmen der
Zürcher Festspiele am Samstag im Opernhaus tanzte, präsentiert sich als
versierte Truppe. Ihr Repertoire besteht denn auch durchwegs aus
anspruchsvollen Stücken. Das in Zürich gezeigte «Approaching Clouds» zu
Musik von Alfred Schnittke etwa hat Spoerli im Jahr 2000 für seine
Hauptcompany, das Zürcher Ballett, kreiert.
Die Junioren wirken weniger radikal in den zum Teil grotesk
verschrobenen Bewegungen und Posen. Es gelingt den sechs jungen
Tanzenden jedoch auch, den Eindruck von Körpern zu vermitteln, die ganz
in bestechender Künstlichkeit aufgehen. An die Grenzen der Leichtigkeit
stiess das Junior-Ballett im Eröffnungsstück «Preludes», das Spoerli
1982, noch in Basel, zu Klaviermusik von Rachmaninow choreographiert
hat. Besonders in den Pas de deux wird offenkundig, dass - neben der
Körpergrösse der Männer - wohl erst die Erfahrenheit der Tanzenden die
Touren, Balancen und Hebungen völlig unbeschwert und harmonisch
aussehen lässt. Die fünf Paare der Junior-Company tanzten zwar
technisch meist sauber, aber die Konzentration stand ihnen ins Gesicht
geschrieben. Das weniger Ernsthafte scheint den jungen Tanzenden mehr
zu behagen. So blühten sie in Spoerlis «La Milonga» richtig auf und
gaben sich lustvoll in die Tändeleien einer Tangoszenerie. Ein sehr
respektabler Nachwuchs wächst da im Junior-Ballett heran. Es soll für
die Tanzenden eine Übergangszeit zwischen Ausbildung und festem
Engagement sein. Ausserdem bietet es den Junioren eine einzigartige
Chance, sich in Soloparts zu profilieren; im Corps de Ballet einer
grossen Truppe würden die jungen Virtuosen wohl erst einmal in den
hinteren Reihen tanzen.
