«Impulse»: Probentrailer «Entropy»

«Impulse»: Probentrailer «Pure Coincidence»
«Impulse»: Probentrailer «Union in Poetry»
Trailer «Orphée et Euridice»

Gespräch: «Orphée et Euridice»

Fragen an Andreas Homoki


Noseda, Marthaler und Spuck im Live-Stream

Andreas Homoki über die Stimmung im Opernhaus und die Strategie im Umgang mit dem zweiten Lockdown.

Herr Homoki, in welcher Situation befindet sich das Opernhaus aktuell?
Wir mussten gerade unseren regulären Spielplan bis Ostern absagen, denn der Bundesrat hat zu erkennen gegeben, dass in nächster Zeit keine grösseren Lockerungen der Corona-Massnahmen zu erwarten sind. Offiziell werden die Politiker zwar erst Mitte Februar verkünden, welche Massnahmen im Detail im März gelten, aber bis dahin konnten wir mit den Absagen nicht warten. Ein noch kurzfristigeres Reagieren ist bei unseren Planungsvorläufen schlicht nicht möglich. Von daher ist die Situation nicht gut, aber immerhin stabil: Das Haus ist aktuell zu fünfzig Prozent in Kurzarbeit. Wir proben unsere Neuproduktionen und bringen sie zur Premiere wie jetzt Christoph Willibald Glucks Oper Orphée et Euridice in der Inszenierung von Christoph Marthaler. Auch diese Premiere ist wie Simon Boccanegra im Dezember leider nur in Form eines Streamings möglich.

Wie ist die Stimmung im Haus?
Ehrlich gesagt, kann ich das gar nicht wirklich beurteilen, weil die meisten Kolleginnen und Kollegen ja im Home-Office sind. Das deprimiert mich schon sehr. Von der extremen Lebendigkeit, die ein Opernhaus in normalen Zeiten ausmacht, ist im Moment kaum etwas zu spüren. Das gilt ja nicht nur für die Kunst-Institutionen: Die ganze Gesellschaft ist lahmgelegt. Wir hoffen natürlich auch am Opernhaus auf die Impfung, weil nur die uns eine nachhaltige Perspektive gibt. Werden die Massnahmen ohne Impferfolge gelockert, gehen die Zahlen wieder hoch, das haben wir ja nun schon mehrmals erlebt. Ich bleibe optimistisch, dass sich die Lage im Verlaufe des Frühjahrs so weit entspannt, dass wir dann wieder vor einem grösseren Publikum spielen können.

Mit welcher Strategie steuern Sie und Ihre Mitstreiter in der Direktion das Opernhaus durch diesen zweiten Lockdown?
Die geplanten Neuproduktionen werden produziert wie jetzt den Gluck, denn die brauchen wir in den nächsten Jahren im Repertoire. Das ist das Wichtigste. Darüber hinaus versuchen wir auf alle Situationen vorbereitet zu sein und das Bestmögliche daraus zu machen. Im Moment können wir unser Publikum und die Öffentlichkeit nur per Streaming erreichen, also haben wir für den Februar ein möglichst attraktives Live-Streaming-Programm auf die Beine gestellt. Neben der Gluck-Premiere präsentieren wir das Requiem von Brahms und zwei Ballettproduktionen, nämlich eine Wiederaufnahme von Christian Spucks Winterreise und eine Neuproduktion mit dem Junior-Ballett in Kooperation mit dem Theater Winterthur. Die Winterreise und das Brahms-Requiem werden live auf ARTE übertragen, worüber ich mich sehr freue, denn wir erreichen dadurch nicht nur viel mehr Publikum, es ist auch eine Bestätigung dafür, dass sich unsere Angebote künstlerisch und technisch auf einem hohen Niveau bewegen und im Kontext eines internationalen Fernsehangebots konkurrenzfähig sind. Da zahlt sich auch aus, dass wir in den vergangenen Jahren mit unseren Oper-für-alle-Übertragungen und TV-Kooperationen viel know-how und gute Netzwerke aufgebaut sowie immer auf hochwertige technische Realisierung gesetzt haben. Wenn man Live-Streamings in bester Qualität haben will, sind sie sehr aufwendig und teuer. Das ist auch der Grund, warum wir nicht mehr Streamings anbieten können. Wir setzen hier auf Qualität und nicht auf Quantität.

Was passiert am Opernhaus, wenn sich ein Ende des Bühnen-Lockdowns abzeichnet?
Wir planen gerade konkret für eine Phase, in der die Theater wieder spielen dürfen, aber nur vor wenig Publikum. Das ist für uns wirtschaftlich eine sehr problematische Situation. Ob die tatsächlich eintritt, und wenn ja, wann und für wie lange, wissen wir nicht, aber wir wollen mit entsprechenden Angeboten darauf vorbereitet sein. Dürfen wir irgendwann wieder vor vielen Menschen spielen, können wir unseren Betrieb sehr schnell hochfahren und attraktive Operntitel und grosse Ballette anbieten. Das ist für einen Opern-Apparat nicht so selbstverständlich wie es klingt. Da wir aber grundsätzlich an den Produktionen unseres Spielplans festgehalten und im Lockdown geprobt haben, wird das möglich sein. Ausserdem kommt uns dann auch wieder unser Corona-Spielmodell mit externer Orchester- und Chor-Übertragung zugute, das uns ermöglicht, grossformatige Werke auf die Bühne zu bringen. Die Unsicherheit darüber, wie sich die Lage entwickelt, macht die Planung natürlich extrem schwierig. Aber ich kann verstehen, dass uns die Politik in der momentanen Situation mit sich ständig ändernden Infektionszahlen, Ansteckungsrisiken und Impfprognosen keine verlässliche Öffnungsperspektive geben kann.

Wie kommt die Ballett-Compagnie mit dem Lockdown klar?
Die hat es nicht leicht, wie viele andere Abteilungen auch. Die Tänzerinnen und Tänzer arbeiten seit Monaten nur im Ballettsaal und proben mit Maske, was eine enorme Belastung ist. Aber noch wichtiger für sie ist, dass sie endlich wieder auf die Bühne dürfen. Sie sehnen sich nach Auftritten. Auch deshalb haben wir mit Winterreise und dem neuen dreiteiligen Junior-Ballett-Abend Impulse zwei Ballett-Streamings in unser Februar-Programm aufgenommen. Die Vorstellungen selbst werden ohne Maske getanzt, weil wir die Compagnie vorher einem umfangreichen Testverfahren unterziehen.

Gianandrea Noseda wird ab der nächsten Saison Generalmusikdirektor am Opernhaus. Jetzt gibt er mit dem Requiem von Brahms schon mal seine musikalische Visitenkarte ab. Welche künstlerischen Impulse erwarten Sie von ihm?
Wir haben ihn hier in Zürich ja schon erlebt: Er ist ein kraftvoller und sehr profilierter Musiker mit einer starken künstlerischen Handschrift. Ich bewundere seinen Enthusiasmus. Als Italiener wurzelt er im Temperament und der Musikalität seines Heimatlandes, aber er hat auch eine grosse Nähe zum slawischen Repertoire und zur russischen Musiziertradition, weil er lange in St. Petersburg war. Bei uns wird er als Dirigent des neuen Wagner-Rings im deutschen Repertoire sehr präsent sein – und das Brahms-Requiem geht ja auch in diese Richtung. Ich finde das eine sehr spannende Konstellation und freue mich riesig auf den Brahms mit Gianandrea, unserem Chor und unserem Orchester. Dass dieses Grossprojekt auch noch live auf ARTE übertragen wird, ist für uns ein echter Lichtblick in dieser ansonsten eher düsteren Zeit.

Dieser Artikel ist erschienen im digitalen MAG 81, Februar 2021.
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Podcast

Christian Spuck – Winterreisen zwischen Zürich und Moskau

Mit dem Ballett Zürich arbeitet Christian Spuck gerade an seiner Inszenierung der Winterreise. Parallel dazu bereitet er seine erste Produktion für das Moskauer Bolschoitheater vor. Im neuen Podcast erzählt er unter anderem, welche choreografischen Freiräume ihm die Winterreise-Version von Hans Zender eröffnet.

Gianandrea Noseda dirigiert Brahms' «Ein deutsches Requiem»

Im Video gibt der Dirigent Auskunft über die Besonderheiten dieses Werks und seinen persönlichen Bezug zum deutschen Repertoire des 19. Jahrhunderts.

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Aufgrund der Situation mit dem Coronavirus muss leider das reguläre Programm im März bis einschliesslich Ostern abgesagt werden.

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Digital wird das Opernhaus weiterhin präsent bleiben. Im Februar übertragen wir vier Produktionen live in Ihr Wohnzimmer. Unsere digitales Programm finden Sie hier.

Geänderte Öffnungszeiten der Billettkasse

Mit der vorübergehenden Einstellung des Spielbetriebes aufgrund der Coronakrise bleiben die Schalter der Billettkasse bis auf weiteres geschlossen. 

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