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Don Pasquale

Dramma buffo in drei Akten von Gaetano Donizetti (1797-1848)
Libretto von Giovanni Domenico Ruffini und Gaetano Donizetti

Musikalische Leitung Enrique Mazzola, Carrie-Ann Matheson (09 Jan) Inszenierung Christof Loy Bühnenbild Johannes Leiacker Kostüme Barbara Drosihn Lichtgestaltung Franck Evin Choreinstudierung Ernst Raffelsberger Dramaturgie Kathrin Brunner

In italienischer Sprache mit deutscher und englischer Übertitelung. Dauer 2 Std. 25 Min. inkl. Pause nach dem 1. Teil nach ca. 1 Std. 15 Min. Werkeinführung jeweils 45 Min. vor Vorstellungsbeginn.
Einführungsmatinee am 24 Nov 2019.

Partner Opernhaus Zürich      

Termine & Tickets

Dezember 2019

So

15

Dez
20.00

Don Pasquale

Dramma buffo von Gaetano Donizetti
Preise F: CHF 270 / 216 / 184 / 98 / 38 / 29
Sonntag-Abo C, Gute Laune-Abo

Sa

21

Dez
19.00

Don Pasquale

Dramma buffo von Gaetano Donizetti
Preise F: CHF 270 / 216 / 184 / 98 / 38 / 29
Misch-Abo C, Belcanto-Abo, Opernhaustag

Do

26

Dez
20.00

Don Pasquale

Dramma buffo von Gaetano Donizetti
Preise H: CHF 75 / 59 / 44 / 25 / 15 / 11
AMAG Volksvorstellung

So

29

Dez
14.00

Don Pasquale

Dramma buffo von Gaetano Donizetti
Preise F: CHF 270 / 216 / 184 / 98 / 38 / 29
Sonntag-Abo A

Januar 2020

Mi

01

Jan
19.00

Don Pasquale

Dramma buffo von Gaetano Donizetti
Preise F: CHF 270 / 216 / 184 / 98 / 38 / 29
Mittwoch-Abo A

Sa

04

Jan
19.30

Don Pasquale

Dramma buffo von Gaetano Donizetti
Preise F: CHF 270 / 216 / 184 / 98 / 38 / 29
Samstag-Abo, Wahl-Abo

Do

09

Jan
20.00

Don Pasquale

Dramma buffo von Gaetano Donizetti
Preise F: CHF 270 / 216 / 184 / 98 / 38 / 29
Donnerstag-Abo B, Italienische Oper-Abo

Vergangene Termine

Dezember 2019

So

08

Dez
19.00

Don Pasquale

Dramma buffo von Gaetano Donizetti , Premiere, Premieren-Abo A

Do

12

Dez
19.30

Don Pasquale

Dramma buffo von Gaetano Donizetti , Premieren-Abo B

Gut zu wissen

Kurzgefasst

Don Pasquale

Kurzgefasst

Don Pasquale

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Trailer «Don Pasquale»

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Szenenbilder «Don Pasquale»


Gespräch


Orientierungslose Welt

Gaetano Donizettis letzte komische Oper «Don Pasquale» ist alles andere als ein harmloser Schwank. Regisseur Christof Loy, der nach Bellinis «I Capuleti e i Montecchi» ein weiteres Meisterwerk des Belcanto am Opernhaus Zürich inszeniert, entdeckt darin vielschichtige Figuren jenseits der gängigen Buffa-Klischees.

Christof Loy, Don Pasquale gehört zu Donizettis letzten Werken. Ein Jahr nach der Uraufführung brach Donizettis tödliche Syphilis-Erkrankung vollends aus. Merkt man der Oper diese letzten Dinge an, obwohl wir es hier mit einer Komödie zu tun haben?
Als Donizetti das Stück schrieb, war er zwar erst 45 Jahre alt, und doch muss man es als sein Alterswerk oder zumindest als sein Spätwerk einstufen, wenn man bedenkt, dass Don Pasquale die drittletzte von ungefähr 70 Opern war. Von Donizettis Briefen weiss man, dass er die ersten Anzeichen seiner Krankheit, die ihn schliesslich in den Wahnsinn geführt hat, während der Komposition von Don Pasquale bereits gespürt hat. Donizetti nennt sein Stück im Untertitel interessanterweise nicht «Opera buffa», sondern «Dramma buffo», und tatsächlich liegt über Don Pasquale ein leicht melancholischer Schleier. Man spürt die Nähe zum Tod und dass Dinge zu Ende gehen. Für mich ist die Traurigkeit Don Pasquales ein grosses Thema.
 

Don Pasquale ist ein älterer Herr an die Siebzig, ihm gegenüber steht die junge Generation.
Es gibt diesen Generationenkonflikt zwischen Pasquale und Ernesto, der zusätzlich dadurch angeheizt wird, dass sich die beiden zu ähnlich sind, fast wie Vater und Sohn. Grundsätzlich sind «Jung» und «Alt» in diesem Stück jedoch keine unverrückbaren Kategorien, sondern greifen auf paradoxe Weise ineinander - wie in dieser Oper insgesamt Werte immer wieder auf den Kopf gestellt werden. Ernesto ist zum Beispiel trotz seiner Rebellion gegen den Onkel auch ein introvertierter, fast rückwärtsgewandter Charakter. Don Pasquale ist trotz seines Alters ein Träumer geblieben, jemand, der durchaus jugendliche Seiten hat. Er ist sehr naiv und ist daher durch Menschen, die ihm viel Schönes versprechen, ziemlich gefährdet. Allen voran Dottore Malatesta, der sich wie ein Erbschleicher in Pasquales Haus eingenistet hat und eigene finanzielle Interessen verfolgt, wozu ihm auch die vielleicht nicht ganz aufrichtige Freundschaft zu Ernesto dient. Bei der Scheinheirat, die Malatesta einfädelt, geht es ihm primär um seinen eigenen Einfluss auf Don Pasquale. Malatesta und Norina verhalten sich in diesem Gefüge wie ein Ganovenpärchen, ein wenig wie Bonnie und Clyde. Diese kriminelle Energie, die von den beiden ausgeht, diese Lust, Pasquale zu hintergehen, hat durchaus etwas Subversives und stellt die eingefahrenen Strukturen bei Don Pasquale in Frage - ganz im Gegenteil zu Don Pasquales Dienern, die das Alte unhinterfragt lassen. Interessanterweise überträgt sich die subversive Lust von Norina und Malatesta auch auf das Publikum, so dass wir zu Komplizen dieses Paares werden.
 

Man weiss in diesem Stück nie, auf wessen Seite man sich schlagen soll.
Für alle Figuren gibt es hier ein Dafür und ein Dagegen, und es geht nicht darum, den Stab über jemanden zu brechen. Als Regisseur kann ich in diesem Fall nicht parteiisch sein. In Don Pasquale muss ich mich mit jedem identifizieren können, damit das energetische Gefüge in den einzelnen Szenen wie auch im Ganzen stimmt. Auch wenn meine Sympathien vordergründig bei Don Pasquale liegen, weil er im Laufe des Stückes mehr und mehr zum Opfer wird, ist die Rache der Jüngeren an ihm sehr verständlich: Er ist verbohrt und gönnt der Jugend nichts. Im Figurenverzeichnis wird er zudem als «geizig» und «eigensinnig» beschrieben...
 

...und gleichzeitig als «gutmütig»! Wie geht das zusammen?
Die Adjektive, die Donizetti im Libretto jeder Figur zuschreibt, sind zum Teil vollkommen widersprüchlich. Norina ist in die heutige Sprache übersetzt ein Flittchen, aber dann heisst es auch: Sie hat ein gutes Herz! Doch durch diese scheinbar widersprüchlichen Charaktereigenschaften werden Donizettis Figuren zu wahrhaftigen Figuren. Das ist etwas, was mich sehr an die literarische Welt von Georges Simenon erinnert. Seine Menschen fallen oft aus der Norm und sind nach bürgerlichen Massstäben moralisch nicht ganz korrekt; Simenon bringt für diese gebrochenen Figuren grosses Verständnis auf. Mich hat Don Pasquale schon immer an Simenons Titelfigur im Roman Die Verlobung des Monsieur Hire und an dessen undurchsichtige Liebesgeschichte erinnert, die in der Verfilmung mit Michel Blanc und Sandrine Bonnaire kongenial umgesetzt wird. Don Pasquale hat für mich eindeutig ein französisches Flair. Die Oper entstand ja auch für das Théâtre - Italien in Paris: Donizetti kehrte seiner Heimat als bereits etablierter Künstler den Rücken zu - wie vor ihm Rossini und Bellini oder später auch Verdi -, um sich in der Musikmetropole Paris noch einmal neu zu erfinden. Don Pasquale geht in der Schreibweise und französischen Verfeinerung auch weg vom buffonesken Stil, der in der Opera buffa nach wie vor vorherrschend war.
 

Donizetti lässt Rossinis schablonenhafte Buffo-Charaktere, wie wir sie aus seinem Barbiere di Siviglia kennen, der einen ähnlichen Plot hat, weit zurück.
In Donizettis Don Pasquale, der im Grunde keinem Genre richtig zuzuordnen ist, kann ich viel mehr Schichten finden als bei Werken von Rossini. Grundsätzlich hat in einer Komödie jede Figur ihren Plan, sie verfolgt ein bestimmtes Ziel. Beim Barbiere di Siviglia hinterfragen sich die Figuren nie, anders als in Don Pasquale, wo immer auch Selbstbespiegelungen stattfinden und charakterliche Schwankungen zu beobachten sind. Hauptmotor ist bei allen Figuren ihre Sehnsucht nach Liebe, auch wenn dies bei jedem immer anders aussieht: Ernestos Liebe zu Norina ist primär eine romantische Liebe, die in der Figur von Don Pasquale gespiegelt wird. Don Pasquales Sehnsucht nach einer Partnerin hängt wiederum eng mit der Überwindung seiner eigenen Einsamkeit zusammen. Norina trägt die Liebessehnsucht durchaus in sich, doch diese ist überlagert von einem grossen Wissen um  die eigene sexuelle Attraktivität. Sie ist eine Figur, die verwandt ist mit der Colombina aus der Tradition der Commedia dell’arte, die in der deutschsprachigen Literatur zu Lulu wird, oder auch mit Zerbinetta. Bei Malatesta sehe ich hingegen überhaupt keinen Platz für die Liebe, sein Grundmotor ist das Geld oder die grundsätzliche Lust an Manipulation.
 

Norina und Ernesto sind also keineswegs ein klassisches Liebespaar, und man muss anzweifeln, ob die beiden je ein gemeinsames Liebesglück finden werden...
Deren Liebe hat in diesem Stück kaum Platz, es sei denn als plötzlich aufscheinende Utopie in ihrem einzigen Duett im letzten Akt - aber auch das ist eine paradoxe Konstellation, wenn mit Ernesto die aufrichtigste und mit Norina die unaufrichtigste Figur in diesem Stück zusammenkommen.
 

Du hast bereits vier Donizetti-Opern inszeniert, allesamt tragische Werke. Hilft dir diese Erfahrung bei Don Pasquale?
Mit Sicherheit. Besonders, weil ich Donizetti über dessen ernste Opern als Musikdramatiker sehr zu schätzen gelernt habe. Von den ernsten Donizetti-Opern ist für mich Roberto Devereux das absolute Meisterwerk. Da ist er sehr kompromisslos gegenüber der Tradition verfahren.
 

Genau das kann man ja auch bei Don Pasquale feststellen. Es gibt hier keine konventionellen Nummern-Arien mit einem langsamen und einem schnellen Teil, sondern sie sind aufgebrochen und dienen ganz dem musikdramatischen Fluss, dem Schauspiel.
Es gibt tatsächlich gross angelegte Erzählformen wie im zweiten Akt, wo man einzelne Nummern kaum mehr voneinander unterscheiden kann. Nicht nur in grossen Gesangsbögen, sondern auch in grossen dramatischen Bögen zu denken, ist bei Donizetti auf Bellinis Einfluss zurückzuführen und hat später ja auch Wagner so sehr inspiriert. Und doch kann man nicht sagen, dass Don Pasquale ein durchkomponiertes Drama sei, denn es hat zuweilen etwas von einem französischen Vaudeville. Die Auftrittsarie von Norina ist zum Beispiel nicht mit der Handlung verknüpft, sie wirkt wie eine Einlage. Dass Figuren immer wieder aus dem eigentlichen Handlungsstrang heraustreten, ist essenziell für dieses Stück. In diese Kategorie fällt auch das an die Zuschauer gerichtete «a parte»-Sprechen. Ich war überrascht, dass manche Sänger in unserer Produktion diese Form gar nicht mehr kannten, während es für deutsche Schauspieler alltäglich ist, die vierte Wand zu durchbrechen, weil  es mit der Brecht-Tradition zu tun hat und zugleich älteste Komödientradition ist.
 

Komik zu erzeugen ist immer eine Gratwanderung für die Darstellerinnen und Darsteller. Was ist hier die wichtigste Aufgabe?

Zusammen mit Enrique Mazzola versuche ich meinen Darstellern zu vermitteln, dass sie nie an die komische Wirkung denken sollen, sondern nur an die Situation, in der die Figur gerade steckt. Erst dadurch entwickelt sich so etwas wie Komik. In einer Komödie muss der Darsteller andererseits immer eine leichte ironische Distanz zu seiner Figur haben. Gerät diese Distanz zu gross, wird die Figur verraten, und die Komik kippt in etwas vordergründig Klamaukiges. Zu denken, dass diese Komödiengestalten immer gut gelaunt und putzmunter wären, ist ein Missverständnis und stammt aus einer Ästhetik der 1950er-Jahre. Komik entsteht jedoch, wenn die Figuren ernsthafte Konflikte austragen und deren Aufregung in keinem Verhältnis zur eigentlichen Ausgangslage steht. Eine Rolle zu spielen ist im Übrigen auch im Stück selbst ein grosses Thema. Etwas vorzugeben, was man nicht ist, zeigt sich ganz besonders bei Norina und Malatesta. Nicht immer können Ehrlichkeit und Unehrlichkeit in dieser Oper so klar voneinander unterschieden werden.
 

Wie ehrlich ist denn Norinas/Sofronias Ohrfeige gemeint, die sie Don Pasquale im dritten Akt im Streit verpasst? Das Uraufführungspublikum zeigte sich damals äusserst schockiert über diesen Moment.
Die Szene hat ja etwas von einem bürgerlichen Ehedrama. Die Ohrfeige führt dazu, dass Don Pasquales Liebe zu Sofronia/Norina vollkommen erlischt, denn danach spricht er das Wort «Scheidung» unzählige Male aus. Der Skandal bei der Uraufführung hatte wohl mit dem damaligen konventionellen Frauenbild zu tun, gerade auch, weil Frauen zu jener Zeit auf Pariser Bühnen als zerbrechliche, feminine Wesen präsentiert wurden. Wenn sich Norina hier zur Wehr setzt, erfüllt sie dieses Bild überhaupt nicht. Ein zusätzlicher Tabubruch war es, dass Norina aus einem sozial niederen Milieu stammt, während Pasquale vermutlich adeliger Herkunft ist. Dazu kommt, dass Norina insgesamt unaufrichtig ist, denn sie spielt ihre Rolle als Ehefrau ja nur. Es ist also keine ehrliche Ohrfeige, aber sie ist durchaus real für Don Pasquale. Bei Norina wiederum passiert etwas, wie wenn sich eine Schauspielerin zu sehr mit ihrer Rolle identifizieren würde. Norina erschrickt selbst darüber, wie weit sie sich gerade gehen liess. Sie muss sich fragen: Spiele ich zu brutal mit ihm? Darüber findet sie jedoch auch eine Art Interesse und Mitgefühl zu Don Pasquale. Nach der Ohrfeige wird auch für sie eine Verwirrung der Gefühle stattfinden.
 

Nach der Ohrfeige denkt man, dass Don Pasquale nun endgültig mit einem Fuss im Grab steht.
Das sehe ich anders. Ich glaube, dass es hier letztlich um ein Aufwachen Don Pasquales geht, vielleicht um ein neues Leben, wofür der Scheidungs- oder Trennungswunsch immerhin ein erster Anfang sein kann. Wenn Don Pasquale nach der Ohrfeige behauptet, dass es mit ihm zu Ende sei, mischt sich in die Ernsthaftigkeit der Situation durchaus etwas Theatralisches. Seine Sicht auf die eigene Lage ist unverhältnismässig, denn im Grunde geht es hier um etwas ganz Alltägliches - wer kennt Trennung und Streit nicht? Don Pasquale hegt genau wie Ernesto einen Hang zur Selbstdarstellung, beide übertreiben in ihren Reaktionen gerne. Wenn Ernesto behauptet, er könne Norina nicht heiraten, weil er sie wegen der Enterbung durch seinen Onkel nicht zu ernähren vermag, kündigt er gleich an, nach Amerika abzureisen. Don Pasquale landet nach der Ohrfeige in einem grossen Tal von Depression und Traurigkeit; für ihn ist es das Gefühl, jetzt bin ich tot. Man wundert sich als Zuschauer, dass er sich dann erneut aufraffen kann. Es ist natürlich schrecklich mitanzusehen, dass jemand im hohen Alter noch so viel über das Leben lernen muss - und das alles im Schnelldurchlauf: Es vergehen ja nur wenige Stunden vom ersten Kennenlernen bis zur Hochzeit, anschliessend folgt die Ehehölle und letztlich die Scheidung. Diese Stationen bergen für das Publikum einerseits ein grosses Identifikationspotenzial, andererseits sind die Situationen in ihrer Verdichtung auch völlig absurd und surreal.

Das Gespräch führte Kathrin Brunner.
Dieser Artikel erschien im MAG 74, November 2019.
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Pressestimmen

«Schauspielerisch ungeheuer kurzweilig und komisch, niemals vordergründig, wie ein zeitloses psychologisches Kammerspiel mit einer äusserst profilierten Personenregie.»
Deutschlandfunk Musikjournal vom 9. Dezember 2019

«Spätestens in diesem Moment weiss man, dass Gaetano Donizettis Don Pasquale an diesem Abend mehr sein wird als der übliche Schwank. Ein Theaterfest nämlich, eine feinsinnige, zutiefst menschliche und dennoch sehr lustige Komödie.»
Tages-Anzeiger vom 9. Dezember 2019

«Für die Neuproduktion von Donizettis Don Pasquale in Zürich findet der Regisseur Christof Loy einen heutigen Zugang jenseits aller Klischees. Die Sänger und der Dirigent Enrique Mazzola sekundieren mit Belcanto-Genuss in Vollendung.»
Neue Zürcher Zeitung vom 9. Dezember 2019

«Vergessen Sie also Woody-Allen-Filme! Donizetti ist besser. Die Darsteller (vor allem Johannes Martin Kränzle und Julie Fuchs) zum Niederknien, die Musik köstlich (wofür Dirigent Enrique Mazzola und die Philharmonia Zürich mit viel Fingerspitzengefühl und pudrig leichten Klängen sorgen).»
Luzerner Zeitung vom 10. Dezember 2019


Volker Hagedorn trifft...


Johannes Martin Kränzle

Johannes Martin Kränzle ist Gewinner des diesjährigen deutschen Theaterpreises «Der Faust» und wurde bereits zweimal zum «Sänger des Jahres» bei der jährlichen Kritikerumfrage der «Opernwelt» gekürt. Er singt an allen grossen Bühnen der Welt. Sein Opernrepertoire umfasst 120 Partien und reicht von Händel, Rossini, Verdi, Strauss und Lehár bis zu Henze und Rihm. Schwerpunkte bilden Mozart und Wagner sowie das slawische Repertoire. Einen grossen Erfolg konnte er kürzlich als Beckmesser in «Die Meistersinger von Nürnberg» in der Regie von Barrie Kosky in Bayreuth feiern.

Strenger schwarzer Anzug, lockige weisse Haare, so wartet er im Nieselregen an der Ampel in der Zürcher Hardturmstrasse. So könnte ein Film über ihn beginnen. Ein Sänger, der im Probenkostüm über die Strasse geht und aussieht wie Gerhart Hauptmann, nur schlaksiger und fröhlicher. Dazu würde man vom Verkehrsrauschen zum Gesang blenden: «Ad ogni modo vo’ provarmi…» (Auf alle Fälle versuch ich’s mal…) Johannes Martin Kränzle eilt aus logistischen Gründen kostümiert ins Café. In weniger als einer Stunde geht die Probe weiter, soviel Zeit hat er zum Essen und für unser Gespräch. Auf so einen Stress würden sich die wenigsten einlassen. Nur scheint ihn gar nichts zu stressen.

Wir sind gleichaltrig, und es ist jetzt tatsächlich schon 27 Jahre her, dass ich ihn in Hannover als Rossinis Figaro zum ersten Mal auf der Bühne bewunderte, wie dann noch des öfteren, während er immer berühmter wurde, an der Oper Frankfurt alle Mozartpartien seines Fachs sang, an Scala und MET debütierte, in Salzburg und Bayreuth, wo ihm seit 2017 die heikle Gratwanderung gelingt, in Barrie Koskys Meistersinger­Regie zugleich Beckmesser und Hermann Levi zu sein, der von Wagner gedemütigte jüdische Dirigent seiner Werke. Was ihn nicht hindert, nun seine Rolle als Don Pasquale genau so ernst zu nehmen. Der 57­Jährige, dem ich zwei Stunden lang bei der Probe zum dritten Akt zugeschaut habe, ist auf alles, was im Titelhelden, in seiner Ohrfeigenszene mit Norina stecken mag, neugierig, als würde das Stück gerade erst erfunden. Er und Julie Fuchs arbeiten sich mit Regisseur Christof Loy so tief in die Nuancen von Tönen, Silben, Gesten, Mimik hinein, dass die Klischees einer Komö­die sich in Szenen einer Ehe verwandeln. «Das ist grausam, das ist Strindberg», ruft Kränzle einmal auf der Bühne und sieht glücklich aus. Sein Gesicht scheint immer jedes Gefühl, jeden Gedanken zu spiegeln, sogar mehrere gleichzeitig, die Stimme ebenso. Noch ist nichts fertig, intensiv aber alles.

«Ich bin noch auf der Reise in der Rolle», sagt er später über seinem Nudelteller, «ich komme so offen wie möglich zu einer Produktion. Die Vorbereitung beginnt mit dem Lesen, erstmal nur den Text, nicht die Noten, die ihm gleich mal eine Farbe mitgeben. So hat man mehrere Ideen dazu, wie man den Text sprechen kann.» Und welche Farben er wirklich braucht, das entscheidet sich erst in Proben wie der am Vor mittag. Da hat Kränzle einmal das Wort «nozze» so zart nachbeben lassen, als blicke Don Pasquale mitten im Zorn noch ins erotische Dunkel, das er sich von Norina erhoffte. Und wenn er wütet, sie werde ihn noch reif fürs Spital machen - dann klingt «ospedale» nicht nur komisch. Übrigens auch bei Donizetti nicht, der auf dieses Wort eine seltsame kleine Stille folgen lässt. Während der Komponist drei Jahre nach der Uraufführung in eine Anstalt bei Paris zwangseingewiesen wurde, hat Kränzle vor drei Jahren eine Knochenmarkserkrankung auf wunderbare Weise hinter sich gebracht - einer der wenigen «MDS»­Patienten, die nicht nur überleben, sondern komplett die frühe Fitness wiedererlangen. Er ist immer offen damit umgegangen; in unserem Gespräch erwähnt er die Krankheit ganz selbstverständlich, denn ihretwegen wartet er noch immer auf eine der für ihn spannendsten Rollen.

Mit seinem Freund Christof Loy als Regisseur war Wozzeck geplant, den er dann nicht singen konnte. «Diese Rolle möchte ich unbedingt noch mal selber erfinden», sagt Kränzle. Er hat den Wozzeck zwar in einer Wiederaufnahme in Paris gesungen, «aber noch nie in einer wirklich neuen Inszenierung. Ich mag nicht gern von anderen etwas übernehmen und bin dankbar für Produktionen, in denen ich die Rolle selbst kreieren kann.» Nichts, glaubt er, ist so gut wie eine Aufführung, deren Sänger alle den Prozess der Entstehung miterlebt haben. «Als Intendant wäre ich ein wahnsinniger Konservierer der Erstbesetzungen.» Gute Produktionen sind ihm wichtiger als ein voller Auftrittskalender, aber Kränzle hat ja auch nicht auf den gängigen Wegen zur Oper gefunden. Als Regensburger Gymnasiast spielte er Geige und komponierte für Schulopern, danach wollte er Musiktheaterregie in Hamburg studieren. «Ich hatte mir das als etwas sehr Praktisches vorgestellt, es wurde aber reine Theorie. Nach einem halben Jahr wollte ich da wieder weg und Schulmusik studieren.» Bei der Aufnahmeprüfung in Frankfurt musste er auch singen, zwei Lieder und Humperdincks Besenbinder. Da hörte ihn Martin Gründler, als Gesangsprofessor eine Legende. «Der sagte, so, du wirst Sänger. Ich laufe niemandem nach und habe eine volle Klasse, aber dich nehme ich auf.»

Was Kränzle bei ihm lernte, war «eine Lebensversicherung für meine Stimme. So schlank wie möglich, die Stimme nicht künstlich grösser machen, sondern versuchen, sie über die Obertonreihe hören zu lassen.» Dreimal pro Woche hatte er Unterricht, dazu kamen sechs Stunden Schauspielunterricht. Und an der Frankfurter Oper wurde in der Ära Michael Gielen und Klaus Zehelein das Musiktheater neu erfunden. «Ein Stück war spannender als das andere, ich bin dadurch szenisch sehr geprägt. Das Politische von damals kommt heute fast gar nicht mehr vor.» Gesellschaftliche Brisanz realisiert er selbst gern im Subtilen - sein Gunther in der Götterdämmerung, die Vera Nemirova 2007 inszenierte, war ein feinsinniger, hilfloser Typ, der mit beklemmend nachvollziehbarem Opportunismus zum Mordhelfer wird. Ist es von gestern, wenn Don Pasquale seiner jungen Frau den Theaterbesuch verbieten will? «Es gibt immer noch Kulturen, in denen der Mann seiner Frau sagt, du gehst jetzt nicht aus dem Haus!» Nur dass Norina, «fast ungewöhnlich für die Zeit, die Fäden in der Hand hat, sie geht mit ihrem Liebhaber und mit Don Pasquale um, wie sie möchte. Diese Männer sind eher schwach. Aber ob Donizetti das politisch fand - das wage ich zu bezweifeln.» Er bewundert vor allem dessen Meisterschaft. «Mir ist das schon beim Lernen als wahnsinnig kluges und reifes Stück vorgekommen. Bei Wiederholungen ist immer eine Kleinigkeit anders. Man übersieht das schnell, wenn man es nicht genau liest. Oft bricht er Sachen ab, bringt neue Motive, es ist so klug gesetzt, auch warum und wann Harmoniewechsel kommen. Selbst beim besten Rossini, der sprüht vor Einfällen, würde es nie so tief gehen. Dieses Stück bricht die Opera buffa, taucht sie nochmal in ein tieferes Licht, und ist wirklich der Vorbereiter für Verdis Falstaff. Ich finde, es ist seine beste Oper.»

Wie gelingt es Kränzle, Klangfarbe, Gestik, Mimik so stimmig zu verbinden, als übersetze er in Echtzeit die Nuancen der Partitur ins Szenische? «Das geschieht nicht bewusst, das stellt sich ein durch den klaren Gedanken in dem Moment, und das Gefühl.» Jenseits aller Schminktricks wird aus dem 57­Jährigen ein alter Mann, der von einer jungen Frau das grösste Glück erhofft. Und dann knallt sie ihm eine. Was Julie Fuchs in der Probe zum Spass einmal nur ganz weich und lieb und grinsend erledigt. Und Kränzle geht wie eine Zeichentrickfigur in die Knie, mit wackelndem Rücken und verrutschten Zügen. Einer der wunderbaren Probenslapsticks, mit denen man sich vom Existenziellen erholt. Hat er nie Angst, dass eine Rolle ihn zu sehr mitnimmt? «Nein. Ich versuche, meine Emotionen ganz ehrlich zu machen. Aber ich trage das hinterher nicht mit nach Hause.» Vielleicht ist auch die Vielfalt seiner Rollen ein Schutz vor den Abgründen. Und die eigene Identität. «Stimmliche Unverwechselbarkeit entsteht über das, was man ist, wie man ist. Und mit der Obertonreihe. Jetzt muss ich rüber!» Dann eilt er durch den Regen zur Probe, der Unverwechselbare.

Text von Volker Hagedorn.
Dieser Artikel erschien im MAG 74, November 2019.
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Videos 

Anleitung zur Diva

Mal angenommen, Sie haben eine klasse Stimme, die Sie kurzerhand auf die grosse Opernbühne bringt. Doch verdienen Sie den Titel Diva? «Jeder kann eine Diva sein», so Julie Fuchs.


Gespräch


Älterer Herr sucht junge Frau

In Gaetano Donizettis Dramma buffo «Don Pasquale» will ein alter Mann eine junge Frau heiraten. Wir haben den prominenten Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer gefragt, was passieren kann, wenn das erotische Begehren die Generationen überspringt.

Don Pasquale, ein nobler Herr von gut 70 Jahren, will zum ersten Mal in seinem Leben heiraten. Das Sujet des verliebten, heiratswütigen Alten ist eines der ältesten und beliebtesten der Komödienliteratur. Warum ist das so?
Don Pasquale ist in Not, weil sein verliebter Neffe sich weigert, seine dynastische Pflicht zu erfüllen. Er scheint wenig Erfahrung mit Frauen zu haben, er verlässt sich da ganz auf den Rat eines Intriganten. Die alten, reichen Männer, die in der Regen bogenpresse als Ehemänner junger Frauen auftreten, sind ein ganz anderer Schlag: befehlsgewohnt, eheerfahren, glauben sie, sich an der Seite einer jüngeren Frau selbst zu verjüngen, wie der biblische König David. Sie bleiben auch in ihren Beziehungen zu den jüngeren Geliebten oder Ehefrauen machtbewusst. Don Pasquale aber entpuppt sich in der Ehe als ein im Grund gutherziger Tölpel, völlig hilflos, wenn seine Erwartungen nicht erfüllt werden, am Ende einsichtig und bereit, nachzugeben. Die Entwicklung dieses gebrochenen Helden in Donizettis Werk spiegelt den Umbruch von der feudalen zur bürgerlichen Epoche, der sich in den grossen Opern Mozarts und Rossinis bereits ankündigt. Donizettis Oper zeigt den Sieg der romantischen Liebe über die feudale Ordnungs-ehe. In Le nozze di Figaro ist das noch ein Kampf mit ungewissem Ausgang, im Don Giovanni bleibt der adelige Wüstling dem Bauern- und Dienervolk weit überlegen. Er spielt mit Zerlina, Masetto und Leporello, während Don Pasquale, ein adeliger Trottel, den Emporkömmlingen ausgeliefert ist. Nur dass Don Giovanni seinen Diener über seine Amouren Buch führen lässt, spricht für den Einbruch der bürgerlichen Wirtschaft in die laszive Welt des Rokoko. Es braucht ein Gespenst, um den adeligen Herrn aus seiner Bahn zu werfen; die Macht der Frauen hat da noch keine Chance.

Warum empfinden wir das Ansinnen, dass ein Mann im höheren Alter eine jüngere Frau heiraten möchte, auch noch im Jahr 2019 als Anmassung?
Ich würde sagen: nicht «auch noch im Jahre 2019», sondern «endlich im Jahre 2019». In feudalen Zeiten war die Hochzeit alter, mächtiger Männer mit viel jüngeren Frauen eine dynastische Selbstverständlichkeit. Auch in mächtigen Unternehmerfamilien der Gegenwart spielen Frauen eine Rolle, die als Sekretärin oder Kindermädchen in den Haushalt des Patriarchen kamen und den Statusgewinn durch eine Ehe zu nutzen wussten.
 

Was erhofft sich ein älterer Mann gemeinhin von einem solchen Schritt?
«Erhofft» klingt sehr geplant und rational. Ich würde sagen: Er kann der Versuchung nicht widerstehen, sich seine Potenz zu beweisen und die imaginäre Rivalität um eine von vielen begehrte Frau zu gewinnen. Denken wir an den amerikanischen Bauunternehmer, der inzwischen leider in die Politik gegangen ist. Jüngere Geliebte sind eine narzisstische Aufwertung, das gilt inzwischen, freilich in bescheidenerem Umfang, auch für Frauen.
 

Was kann ein älterer Mann einer jüngeren Frau bieten?
Teilhabe an seiner Macht, seinem Reichtum, seiner Erfahrung. Aber es gibt auch subtilere Einflüsse. Manche Frauen finden gleichaltrige Männer unreif und selbstbezogen; sie suchen in ihren erotischen Beziehungen etwas wie die Reparatur einer unbefriedigenden, enttäuschenden Beziehung zu ihren Eltern. Das Versprechen des älteren Partners liegt dann eher in der Sehnsucht, doch noch einen guten Vater, eine liebevolle Mutter zu finden. Don Pasquale ist begeistert von der Idee, eine Frau zu ehelichen, die wie er selbst eher menschenscheu ist und sich von Vergnügungen fernhält - würden Sie ihm bei der Suche nach einer solchen Frau behilflich sein? Eheanbahnung ist nicht mein Gewerbe. Aber ich würde grundsätzlich davon abraten, jemanden zu heiraten, den man nicht gründlich kennt. Ist nicht originell, hat schon Schiller gesagt: «Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich auch Herz zum Herzen findet!» Don Pasquale lässt seine Ehe von einem Betrüger arrangieren;  ein Menschenkenner ist er nicht.
 

Welches sind die häufigsten Konflikte in Beziehungen mit grossem Altersunterschied?
Oft wünscht sich eine junge Frau Kinder; der ältere Partner will das nicht, er hat schon welche aus seiner ersten Ehe. Viele Probleme ergeben sich erst im Lauf der Zeit, wenn etwa der ältere Partner pflegebedürftig wird. Andere Konflikte hängen mit der Asymmetrie zusammen: Anfangs wird der ältere Partner bewundert, die junge Frau lernt viel von ihm. Dann hat sie ausgelernt und will jetzt gemeinsame Unternehmungen starten, Neues erobern, während er ruhebedürftiger und in ihren Augen zu bequem ist, an seinem alten Stiefel festhält.
 

Welche Probleme können grundsätzlich innerhalb einer Familie auftreten, wenn ein älteres Familienmitglied sich entscheidet, nochmals zu heiraten?
Das biedermeierliche Bild von Greis und Greisin, die sich still bescheiden und - verwitwet - möglichst viel des im Lauf ihres Lebens Erworbenen ihren Kindern vererben, entspricht allein den Interessen der jüngeren Generation. Es engt den Spielraum älterer Menschen ein. Viele 70-Jährige erleben sich noch vital und erotisch aktiv. Das ist durch die Verbesserung der medizinischen Versorgung und des verbreiteten Wissens über gesunde Lebensführung im 21. Jahrhundert viel häufiger der Fall als zu Rossinis und Donizettis Zeiten. Auch gegenwärtig gibt es heftigen Streit in Familien, wenn ältere Männer oder Frauen eine neue Beziehung eingehen. Wenn erwachsene Kinder Partei gegen die neue Beziehung ergreifen, gibt es viel böses Blut. Kritische Kinder werden enterbt, wenn sie sich weigern, die neue Beziehung zu akzeptieren. Die Familie findet kein Patchwork, sie zerbricht in Grabenkriegen. Don Pasquale denkt dynastisch und fühlt sich verpflichtet, die Erbfolge zu überwachen. Deshalb streitet er mit Ernesto und stellte sich anfangs dessen Liebe in den Weg. Damit gehört er eigentlich in die feudale Epoche. Die war 1840 an sich ein alter Hut, aber sie sollte doch nach Revolution und Napoleons Scheitern in Teilen wiederhergestellt werden. Don Pasquales Tölpelhaftigkeit ist eine politische Aussage im Kleid der Opera buffa.

Warum ist der Wunsch Don Pasquales nach Verjüngung - eine junge Frau heiraten, Kinder zeugen - in den Augen der Öffentlichkeit auch heute noch oft Anlass zur Heiterkeit? Warum fällt uns das so schwer, Verständnis dafür aufzubringen, wenn ein alternder Mann vor dem Schreckensszenario der Einsamkeit, der Krankheit und des Todes zu fliehen versucht?
In die Erheiterung mischt sich oft Häme. Ich sehe beides kritisch. Gewaltfreie sexuelle Beziehungen zwischen Erwachsenen sollten inkommensurabel sein. Daher möchte ich moralisierende Bewertungen grundsätzlich auf die Interessen der Urteilenden hin in Frage stellen. Ich finde auch die Frage albern, die dann in den Illustrierten auftaucht: Warum tun Männer (seltener Frauen) das? Ich würde antworten: weil sie es können - und warum denn nicht? In den oft hämischen, abwertenden Reaktionen auf die Erotik zwischen alt und jung (und ähnlich zwischen reich und arm) sehe ich neben Sexualneid auch unsere sexualfeindlichen kulturellen Traditionen am Werk. Die Konsumenten solcher Stories finden einen doppelten Genuss: Sie können an der geschilderten und bebilderten Erotik teilhaben -  und sich gleichzeitig moralisch über die dargestellten Personen erheben. Dabei ist es an sich egal, ob Herr Müntefering eine jüngere Frau heiratet oder Frau Klum einen jüngeren Mann. Auch diese umgekehrte Verbindung, ältere Frau - junger Mann, wird vorwiegend hämisch kommentiert. Sie profitiert allenfalls ein wenig vom Triumph, dass Frauen jetzt ein bisher Männern vorbehaltenes Gebiet erobern.
 

Don Pasquale ist reich und adelig. Wie oft ist auch heute noch die Partnerwahl nicht nur durch Amors ominöse Pfeile gelenkt, sondern durch den Austausch von Ressourcen und Bedürfnissen, beispielsweise durch den Tausch von Attraktivität gegen sozialen (männlichen) Status?
Amors Pfeile werden von komplexen Situationen gelenkt. Es ist ein Unding, diese wertend aufzudröseln nach dem Motto: «Du liebst nicht mich, du liebst nur meinen Körper» (sagt die schöne Frau) oder «Du liebst nicht mich, du liebst nur mein Geld und meinen Status» (sagt der ältere, erfolgreiche Mann). Müssen wir hässlich und arm sein, um die reine Liebe zu finden? Das kalendarische Alter sagt an sich wenig über eine Person. Fitte Sechzigjährige haben oft ein aktiveres Sexual leben als Dreissigjährige; das biologische Alter unterscheidet sich bei Personen, die auf ihre Gesundheit achten, erheblich vom kalendarischen. Das Alter als Unterscheidungsmerkmal erfreut sich einer trivialen, aussagearmen Beliebtheit; es zur «Ursache» von Störungen oder Schwächen zu erklären ist einfach schlechte Psychologie oder Medizin. Der Altersunterschied in der Liebe fällt auf, weil er das Bild des Aus klingens, des «Lebensabends» durch einen Neuanfang stört. Aber es ist doch ein Mythos, dass wir alle im Alter ruhiger werden! Das triviale Bild vom Altern in Würde und Stille ist ein dummes Klischee, das überhaupt nicht zu einem im Prinzip sein Leben lang von Leidenschaften bestimmten Wesen wie dem Menschen passt. Oft gilt eher das Gegenteil: Ältere Menschen haben den Leidenschaften, die in ihnen hochsteigen, weniger entgegenzusetzen als junge, die sich besser kontrollieren können.
 

Würden Sie als Paartherapeut die Verbindung zwischen einem älteren Mann und einer jungen Frau grundsätzlich gutheissen?
Ein Therapeut sollte kein Sittenrichter sein. Bindungen können sich unter zunächst günstig erscheinenden Bedingungen auflösen und ebenso unter ungünstigen Voraussetzungen festigen. Es geht in dauerhaften Liebesbeziehungen immer darum, Illusionen in einer Weise zu korrigieren, welche Nähe und Zuneigung nicht gefährdet, sondern festigt. Wenn der ältere Partner aus früheren Beziehungen etwas wie Lebensweisheit mitgenommen hat und seine Erfahrungen konstruktiv einbringen kann, ist das sehr produktiv. Don Pasquale zeigt da exakt, wie es gerade nicht sein sollte: er hat keine Ahnung, was eine Ehe bedeutet, er fühlt sich nur in seinem Junggesellenleben gestört, überlässt seiner Frau alle Initiative und macht eine jämmerliche Figur.
 

Stimmt es, dass in den meisten Fällen erfolgreiche und glückliche Paare einander ziemlich ähnlich sind, was Alter, Bildung und Attraktivität betrifft?
Im Prinzip ja. Selbst ein Tennisspiel wird langweilig, wenn immer nur eine oder einer die Punkte macht. Aber andere Faktoren sind ebenso wichtig, beispielsweise die Fähigkeit zur Selbstdistanz, zum Humor. Wenn sich in Bildung, Alter und Attraktivität ähnliche Partner auch in Punkto Humorfreiheit gleichen, sehe ich schwarz und würde einem Paar, das different, aber humorbegabt ist, die besseren Aussichten zuschreiben.
 

Kaum hat Don Pasquale seine Unterschrift unter den Ehevertrag gesetzt, macht ihm die angeblich so schüchterne Ehefrau das Leben zur Hölle: neue Möbel sollen her, anderes Personal, und Norina/Sofronia kündigt an, künftig ein selbstbestimmtes Leben führen zu wollen. Was geschieht mit Menschen, wenn sie erkennen, dass Wunsch und Realität auseinanderklaffen?
Natürlich ist das in der Oper überzeichnet. Aber auch heute lassen sich heftige Veränderungen im Verhalten nach dem Gang zum Traualtar beobachten. Bisher haben sich die Beteiligten Mühe gegeben, einen guten Eindruck zu machen. Jetzt lässt das nach, man hat einander ja «sicher». Es gibt da krasse Fälle, wie den Künstler, der sich bisher mit Jobs durchgeschlagen hat und nach der Trauung seiner gut verdienenden Frau erklärt, er werde sich jetzt ganz seiner (brotlosen) Kunst widmen, sie sei ja verpflichtet, ihn zu unterhalten. Das trifft, durchaus analog zur Oper, vorwiegend Paare, die Tage oder Wochen verlobt sind und sich nicht einige Jahre Zeit geben. Auch interkulturelle Ehen bieten oft dramatische Beispiele für Krisen unmittelbar nach der Hochzeit. Plötzlich mischen sich die Angehörigen in einer während der frühen, verliebten Zweisamkeit undenkbaren Weise ein. Religiöse Differenzen, die bisher ignoriert wurden, werden während einer Schwangerschaft virulent: Soll das Kind getauft werden? Soll es beschnitten werden, falls ein Sohn geboren wird? Theoretisch wäre es gut, diese Fragen zu klären, so lange man noch den Ausweg hat, lieber nicht zu heiraten. Deshalb finde ich auch Eheverträge im Prinzip nicht lieblos, sondern fürsorglich.

Wolfgang Schmidbauer, Dr. phil., Diplom-Psychologe und Psychoanalytiker, arbeitet als Autor, Lehranalytiker und Paartherapeut in München. Seit zehn Jahren verfasst er wöchentlich für das ZEIT-Magazin eine Kolumne «Die grossen Fragen der Liebe». Sein jüngstes Buch erschien 2018 im Klett-Verlag: «Die Geheimnisse der Kränkbarkeit und das Rätsel des Narzissmus».

Die Fragen stellte Kathrin Brunner.
Dieser Artikel erschien im MAG 74, November 2019.
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Drei Fragen an Andreas Homoki


Das Lustige ernst nehmen

Der Intendant Andreas Homoki spricht über die Neuproduktion «Don Pasquale».

Herr Homoki, unsere nächste Neuproduktion ist Gaetano Donizettis Don Pasquale. Worin liegt die Attraktivität dieses Titels?
Es ist ein sehr populärer Titel. Der Stoff basiert auf einem klassischen Motiv aus der Commedia dell’arte: Alter Mann liebt junge Frau, das gibt Probleme und geht schief – in Don Pasquale mit der Variante, dass man den alten Geizkragen von seinen Heiratsplänen kurieren möchte. Es ist ein vergleichsweise klein dimensioniertes Stück, weshalb es an vielen Häusern nicht wirklich ernst genommen wird. Don Pasquale gilt als klassisches Einsteigerstück für junge Regisseure. Hier in Zürich aber gehen wir anders mit diesem Titel um: Wir nehmen ihn ernst, gerade weil er so populär ist. Wir haben das Stück hoch karätig besetzt und lassen es von Christof Loy inszenieren, einem sehr erfahrenen Regisseur, der ganz eigene Akzente in der Interpretation des Stoffes setzt, indem er beispielsweise auch melancholische Seiten in dieser Komödie offenlegt. Das finde ich sehr richtig, denn das Stück ist nicht so oberflächlich klamaukig, wie man es oft sieht. Christofs Qualitäten liegen in der Genauigkeit der Menschenbeobachtung, und aus ihr entwickelt er auch das Komödiantische.

Einmal unabhängig von Don Pasquale gefragt: Wird in den Opernhäusern zu wenig gelacht? Steht generell zu wenig Lustiges auf den Spielplänen?
Ja, klar. Aber das liegt natürlich daran, dass es schlicht mehr ernste Opern gibt als heitere. Die Kunstform mit dem singenden Menschen im Zentrum tendiert aus sich heraus zu tiefgründiger Emotionalität und deshalb zum Ernsten und Tragischen. Komödien hingegen brauchen Tempo und Pointen, leben von Mechanik und Überraschungen. Das alles lässt sich zwar auch mit Musik wunderbar herstellen und gestalten, aber man kann es nicht so oft variieren, daher das Übergewicht bei den ernsten Opern. Deswegen sind aber komische Stücke im Opern­Repertoire etwas sehr Wertvolles, und man muss bei der Spielplangestaltung bewusst darauf achten, dass diese Farbe nicht unterrepräsentiert ist. Es gibt so viele Kriterien, die man bei der Auswahl der Titel im Auge haben muss, dass das leicht passieren kann. Wir versuchen bei unserer Planung immer mit Leichtem, Heiterem oder auch grotesk Humorvollem gegenzusteuern, wenn wir das Gefühl haben, eine Spielzeit könnte zu ernst und schwer geraten.

Oder ist das Leichte eben besonders schwer und kommt deshalb nicht so oft vor, weil es nur so wenige Regisseure beherrschen?
Das ist der Allgemeinplatz, der gerne behauptet wird: Das Leichte sei das Aller schwerste! Ich neige nicht zu dieser Mystifizierung. Das ist genauso Unsinn wie die Behauptung, dass eine Inszenierung nicht lustig wird, wenn auf den Proben zu viel gelacht wird. Natürlich darf und muss auf der Probe bei einer komischen Situation gelacht werden. Aber das Entscheidende ist, dass diese Situation stabil in jeder Aufführung reproduziert werden muss, jenseits des unschuldigen ersten Moments. Da beginnt die Arbeit, und man muss als Regisseur verstanden haben, worin genau die Komik einer Situation liegt. Es gibt ja immer auch diese Diskrepanz zwischen Aussen­ und Selbstwahrnehmung, die jeder kennt: Es passiert einem ein absurdes Missgeschick, das man überhaupt nicht lustig findet, aber hinterher, wenn man es erzählt, finden es alle wahnsinnig komisch. So ist es auch auf der Bühne: Das Publikum soll es lustig finden und nicht der Darsteller, der muss alles ernsthaft spielen. Man sieht: Mich als Regisseur interessieren die Komödien sehr, und deshalb sollen sie sich auch im Spielplan meines Hauses wiederfinden.

Foto von Frank Blaser.
Dieser Artikel erschien im MAG 74, November 2019.
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Audio-Einführung zu «Don Pasquale»

  1. Audio-Einführung zu «Don Pasquale»
    Unser Dramaturgin Kathrin Brunner gibt einen Einblick in die Oper «Don Pasquale». Live-Einführungen finden jeweils 45 Minuten vor der Vorstellung im Opernhaus statt.

Biografien


Enrique Mazzola, Musikalische Leitung

Enrique Mazzola

Enrique Mazzola ist seit 2019/20 designierter Generalmusikdirektor der Lyric Opera von Chicago. Er ist Erster ständiger Gastdirigent an der Deutschen Oper Berlin und war von 2012-2019 Musikdirektor des Orchestre National d’Île-de-France. 2018 wurde er in Frankreich zum «Chevalier de l’ordre des Arts et des Lettres» erklärt. Geboren in Barcelona, studierte er Geige und Klavier. Später schloss sich ein Dirigier- und Kompositionsstudium am Konservatorium «Giuseppe Verdi» in Mailand an. Opernengagements führten ihn u.a. nach Glyndebourne (L’elisir d’amore, Don Pasquale, Poliuto), ans Théâtre des Champs-Elysées (Tancredi, Don Pasquale), Maggio Musicale Fiorentino (L’italiana in Algeri), New National Theatre Tokyo (Don Giovanni), Opéra du Rhin (Macbeth), Deutsche Oper Berlin (Il barbiere di Siviglia, Falstaff, Der fliegende Holländer, Le Prophète), Bolschoi-Theater (La sonnambula), Mailänder Scala (Don Pasquale), Opernhaus Zürich (Il barbiere di Siviglia, Maria Stuarda, Il turco in Italia), New Yorker Met sowie an die Festivals von Aix-en-Provence und zum Rossini Opera Festival. In der zeitgenössischen Musik dirigierte er u.a. die Uraufführung von Alberto Collas Il processo an der Scala und Arnaldo de Felices Medusa an der Bayerischen Staatsoper. Unlängst leitete er La cenerentola am Théâtre des Champs-Elysées, Don Pasquale an der Wiener Staatsoper und La Fille du régiment an der Met in New York. Im Sommer 2019 dirigierte er bei den Bregenzer Festspielen die Neuproduktion Rigoletto, bei den Salzburger Festspielen die Wiener Philharmoniker mit Orphée aux enfers sowie an der Lyric Opera Chicago Luisa Miller.

Don Pasquale12, 15, 21, 26, 29 Dez 2019; 01, 04 Jan 2020


Carrie-Ann Matheson, Musikalische Leitung

Carrie-Ann Matheson

Carrie-Ann Matheson, kanadische Pianistin und Dirigentin, wurde 2014 von GMD Fabio Luisi als Dirigentin und Korrepetitorin ans Opernhaus Zürich engagiert. Davor arbeitete sie als Assistenz-Dirigentin an der Metropolitan Opera New York und war als Pianistin, Souffleuse und Korrepetitorin festes Mitglied des künstlerischen Personals der Metropolitan Opera. Sie hat renommierten Dirigenten wie Fabio Luisi, James Levine, Daniel Barenboim, Daniele Gatti, Yannick Nézet-Séguin, Gianandrea Noseda u.v.m. assistiert. Carrie-Ann Matheson gab ihr Debüt als Dirigentin am Opernhaus Zürich 2015 und hat seitdem hier Oscar Strasnoys Fälle, Jonathan Doves Das verzauberte Schwein und Jörn Arneckes Ronja Räubertochter dirigiert. Ein besonderes Anliegen ist ihr die Förderung der jungen Sänger-Generation: An der Metropolitan Opera war sie viele Jahre feste Korrepetitorin des prestigeträchtigen Lindemann Young Artist Development Program, und seit 2017 leitet sie als Dirigentin regelmässig die Gala-Konzerte des Internationalen Opernstudios am Opernhaus Zürich. Als aktive Künstlerin hat Carrie-Ann Matheson bei Liederabenden mit einigen der weltweit bekanntesten Sänger zusammengearbeitet, darunter Rolando Villazón, Jonas Kaufmann, Piotr Beczala, Joyce DiDonato, Susan Graham, Thomas Hampson, Luca Pisaroni, Barbara Bonney, Ruth Ann Swenson und Marilyn Horne. Als langjährige Künstlerin der Marilyn Horne-Stiftung ist sie vielfach bei deren Konzerten in der Carnegie Hall aufgetreten. Kammermusik-Auftritte absolvierte sie mit Mitgliedern des New York Philharmonic, Metropolitan Opera Orchestra, Cleveland Orchestra, Montreal Symphony Orchestra und der Philharmonia Zürich. Als Korrepetitorin oder Dirigentin hat sie mit einigen der prominentesten Opernhäuser und Ausbildungsprogrammen zusammengearbeitet, so z. B. den Salzburger Festspielen, der Lyric Opera of Chicago, dem Seiji Ozawa Matsumoto Festival, der Los Angeles Opera, der Music Academy of the West und dem International Vocal Arts Institute. Sie ist eine gefragte Lehrerin, die regelmässig Meisterklassen an Universitäten und Colleges in ganz Kanada und den USA gibt.

Don Pasquale09 Jan 2020 Liederabend Stéphanie d'Oustrac30 Apr 2020 Galakonzert Internationales Opernstudio06 Jul 2020 Liederabend Benjamin Bernheim10 Feb 2020


Christof Loy, Inszenierung

Christof Loy

Christof Loy zählt zu den international gefragtesten Opern- und Schauspielregisseuren seiner Generation. Seine minutiös ausgearbeiteten Inszenierungen haben ihm zahlreiche Preise und Ehrungen eingetragen. So wurde er von der Zeitschrift Opernwelt mehrmals zum Regisseur des Jahres gewählt. 2010 erhielt er den Laurence Olivier Award für Wagners Tristan und Isolde (Londoner Covent Garden), 2017 wurde er bei den International Opera Awards zum „Regisseur des Jahres“ gekürt, wo er zuvor 2016 den Preis für die „Beste Neuproduktion“ für Brittens Peter Grimes am Theater an der Wien gewonnen hatte. Mit vielen der führenden Opernhäusern der Welt verbindet ihn eine intensive und langjährige Zusammenarbeit: Theater an der Wien (Peter Grimes, Maria Stuarda und Euryanthe), Bayerische Staatsoper (Lucrezia Borgia, Roberto Devereux und Le nozze di Figaro), Opernhaus Zürich (Alcina, I Capuleti e i Montecchi und La straniera), Salzburger Festspiele (Armida, Theodora, Frau ohne Schatten und Ariodante), Königliche Oper Stockholm (La fanciulla del West, Parsifal und Der Rosenkavalier), Royal Opera House Covent Garden (Ariadne auf Naxos, Lucia di Lammermoor, Lulu und Tristan und Isolde), De Nederlandse Opera in Amsterdam (Chowanschtschina, La forza del destino und Tannhäuser), Grand Théâtre de Gèneve (Medea und Lustige Witwe) und viele weitere. Zu seinen jüngsten Arbeiten zählen Korngolds Das Wunder der Heliane an der Deutschen Oper Berlin, Norma in Frankfurt, Tosca in Helsinki, Capriccio am Teatro Real Madrid und Der Ferne Klang in Stockholm. Zahlreiche seiner Inszenierungen sind als DVD erschienen.

Don Pasquale12, 15, 21, 26, 29 Dez 2019; 01, 04, 09 Jan 2020


Johannes Leiacker, Bühnenbild

Johannes Leiacker

Johannes Leiacker ist weltweit als Ausstatter für den Opern- und Schauspielbereich sowie als Professor für Bühnenbild und Kostüme an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden tätig. Der gebürtige Landshuter studierte nach einer Tischlerlehre Malerei, Bildhauerei, Grafik und Design in Wiesbaden. Seine Engagements führten ihn seitdem u.a. an die Schauspielhäuser in Frankfurt, Düsseldorf, Bonn, Köln, Berlin (Schillertheater) und München (Residenztheater) sowie an die Opernhäuser in Amsterdam, Antwerpen/Gent, Berlin, Frankfurt, Wiesbaden, Leipzig, Dresden, Düsseldorf, Hamburg, München, Brüssel, Lissabon, London, Kopenhagen, Helsinki, Bern, Göteborg, Graz, Wien, New York, Los Angeles und Moskau sowie zu den Festspielen in Salzburg und Baden-Baden. Er arbeitet regelmässig mit Regisseuren wie Peter Konwitschny, Dietrich W. Hilsdorf, Guy Joosten, Christof Loy und Philipp Himmelmann zusammen. Für die Seebühne der Bregenzer Festspiele entstand 2007 das Bühnenbild zu Tosca. In Zürich zeichnete er für Bühnenbild und Kostüme von Aus einem Totenhaus in der Inszenierung von Peter Konwitschny sowie von I masnadieri in der Regie von Guy Joosten verantwortlich und schuf die Bühne zu Alcina in der Regie von Christof Loy. Dreimal wurde Johannes Leiacker von Kritikern der Zeitschrift «Opernwelt» zum Bühnenbildner des Jahres gewählt (1996, 2009 und 2018/19). Seine Ausstattung von Tristan und Isolde am Covent Garden in London wurde 2010 mit dem Lawrence Olivier Award ausgezeichnet und die Produktion Peter Grimes in der Regie von Christof Loy am Theater an der Wien wurde beim International Opera Award 2016 als «Beste Produktion» geehrt.

Don Pasquale12, 15, 21, 26, 29 Dez 2019; 01, 04, 09 Jan 2020


Barbara Drosihn, Kostüme

Barbara Drosihn

Barbara Drosihn wurde in Hamburg geboren. Dort wurde sie zur Kostümschneiderin aus­­­gebildet und studierte Kostümdesign an der Hoch­schule für Angewandte Wissenschaften. Im Anschluss arbeitete sie als Ko­stüm­assistentin am Thalia Theater in Hamburg. In den ver­gan­ge­nen Spielzeiten ent­­warf sie Kostüme für In­sze­nierungen u.a. von Michael Thalheimer, Stephan Kimmig, Nicolas Stemann, Jorinde Dröse, Andreas Krie­­gen­burg und Stefan Bachmann. Die Inszenierung Diebe von Andreas Kriegenburg wurde 2010 zum Theatertreffen in Berlin eingeladen. Als freie Ko­stüm­­bildnerin ist sie deutsch­landweit an Theatern tätig, u.a. am Schauspielhaus Bochum, am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, am Deut­schen Theater Berlin, am Münchner Volkstheater und am Schauspiel Dresden. Wagners Parsifal stattete sie in Antwerpen (Regie: Tatjana Gürbaca) und Stockholm (Regie: Christof Loy) aus. Mit Tatjana Gürbaca verbindet sie ein enge Zusammenarbeit; sie entwarf die Kostüme für La traviata an der Den Norske Opera in Oslo, für Der fliegende Holländer in Vlaandern, für La finta giardiniera in Winterthur, bei der Ring Trilogie am Theater an der Wien und zuletzt für Le Grand Macabre in Zürich. In Zürich schuf sie zudem die Kostüme für Andreas Homokis I puritani und Fidelio.

Don Pasquale12, 15, 21, 26, 29 Dez 2019; 01, 04, 09 Jan 2020 Fidelio25, 29 Jan; 09 Feb 2020


Franck Evin, Lichtgestaltung

Franck Evin

Franck Evin, geboren in Nantes, ging mit 19 Jahren nach Paris, um Klavier zu studieren. Nachts begleitete er Sänger im Café Théâtre Le Connetable und begann sich auch für Beleuchtung zu interessieren. Schliesslich entschied er sich für die Kombination aus Musik und Technik. Dank eines Stipendiums des französischen Kulturministeriums wurde er 1983 Assistent des Beleuchtungschefs an der Opéra de Lyon. Hier arbeitete er u.a. mit Ken Russel und Robert Wilson zusammen. Am Düsseldorfer Schauspielhaus begann er 1986 als selbstständiger Lichtdesigner zu arbeiten und legte 1993 die Beleuchtungsmeisterprüfung ab. Besonders eng war in dieser Zeit die Zusammenarbeit mit Werner Schröter und mit dem Dirigenten Eberhard Kloke. Es folgten Produktionen u.a. in Nantes, Strassburg, Paris, Lyon, Wien, Bonn, Brüssel und Los Angeles. Von 1995 bis 2012 war er Künstlerischer Leiter der Beleuchtungsabteilung der Komischen Oper Berlin und dort verantwortlich für alle Neuproduktionen. Hier wurden besonders Andreas Homoki, Barrie Kosky, Calixto Bieto und Hans Neuenfels wichtige Partner für ihn. Im März 2006 wurde Franck Evin mit dem «OPUS» in der Kategorie Lichtdesign ausgezeichnet. Seit Sommer 2012 arbeitet er als künstlerischer Leiter der Beleuchtungsabteilung an der Oper Zürich. Franck Evin wirkt neben seiner Tätigkeit in Zürich weiterhin als Gast in internationalen Produktionen mit, etwa an den Opernhäusern von Oslo, Stockholm, Tokio, Amsterdam, München, Graz sowie der Opéra Bastille, der Mailänder Scala, dem Teatro La Fenice, der Vlaamse Opera und bei den Bayreuther Festspielen.

Girl with a Pearl Earring28 Mai; 01, 07, 14, 17, 19 Jun 2020 La traviata29 Sep; 06, 11 Okt 2019 Così fan tutte26, 30 Okt; 02, 08 Nov 2019 Coraline24, 29 Nov; 01, 10, 13, 14 Dez 2019; 02 Jan; 01, 08, 16, 29 Feb; 17, 26 Apr 2020 Don Pasquale12, 15, 21, 26, 29 Dez 2019; 01, 04, 09 Jan 2020 Fidelio25, 29 Jan; 09 Feb 2020 Iphigénie en Tauride04, 06, 08, 11, 16, 20, 23, 28 Feb 2020 La bohème12, 18, 22, 25, 29 Mär 2020 Faust14, 17, 20, 23 Mai 2020 Don Giovanni06, 10, 13 Jun 2020 I vespri siciliani24, 27 Jun; 01, 04, 07, 10 Jul 2020 Il mondo della luna02, 06, 08, 10 Mai 2020 Nabucco27 Sep; 03, 10, 13 Okt 2019 Wozzeck12, 15, 18 Feb 2020 Lohengrin02, 05, 08, 11 Jul 2020


Ernst Raffelsberger, Choreinstudierung

Ernst Raffelsberger

Ernst Raffelsberger, Chorleitung, stammt aus Gmunden, Oberösterreich. Er studierte Mu­sikpädagogik und Kirchenmusik an der Hoch­schule für Musik und dar­stel­lende Kunst in Wien (Chor­leitung bei Prof. Erwin Ortner) und anschlies­send Chor­dirigieren am Salzburger Mozarteum bei Prof. Walter Hagen-Groll. Von 1983 bis 1986 war er Kapellmeister der Wiener Sängerknaben. In die­ser Zeit leitete er das Ensemble in Wien und auf Tourneen durch Europa, Südafrika, Kanada und die USA. Ab 1986 war Ernst Raffelsberger Chordirektor und Kapellmeister am Landestheater Salzburg (Mitwirkung bei der Salzburger Mozartwoche und den Salzburger Festspielen). 1989 wurde er von Donald Runnicles als Chordirektor und Kapellmeister an das Theater in Freiburg/Breis­gau berufen. Seit Herbst 1993 ist Ernst Raffelsberger am Opernhaus Zürich als Chordirektor engagiert. Hier hat er inzwischen über 100 Pre­mieren betreut und mit vielen nam­haften Dirigenten wie Riccardo Chailly, Christoph von Dohnányi, Vladimir Fedoseyev, Sir John Eliot Gardiner, Daniele Gatti, Bernard Haitink, Nikolaus Harnoncourt, Zubin Mehta, Franz Welser-Möst und Teodor Currentzis zusammengearbeitet. Gastspiele mit dem Opernhaus Zürich führten ihn nach Wien, London, Paris und Tokio. Zahlreiche CD- und DVD-Aufnahmen dokumentieren diese Arbeit. Im Sommer 2012 begann zusätzlich seine Tätigkeit als Chordirek­tor der Salzburger Festspiele. Er ist dort für die Produktionen der Konzertver­einigung Wiener Staats­opernchor verant­wort­lich. Dort kam es u.a. zu einer erfolgreichen Zusammenarbeit mit Riccardo Muti, Sir Simon Rattle und Mariss Jansons.

Die Sache Makropulos25, 28 Sep; 06, 09, 13, 17, 22 Okt 2019 Der Freischütz04, 16, 19, 27 Okt 2019 Die Zauberflöte16, 18, 24, 26 Jan 2020 La Cenerentola02, 05, 12 Jan 2020 Così fan tutte26, 30 Okt; 02, 08 Nov 2019 Messa da Requiem20, 24, 29 Nov; 01, 07, 11, 14, 22, 29 Dez 2019 Don Pasquale12, 15, 21, 26, 29 Dez 2019; 01, 04, 09 Jan 2020 Il turco in Italia13, 19, 28 Dez 2019; 03 Jan 2020 Nussknacker und Mausekönig05, 06, 10, 20, 24, 29 Mär; 03 Apr 2020 Arabella04, 07, 11, 15, 19, 22, 28, 31 Mär 2020 La bohème12, 18, 22, 25, 29 Mär 2020 Aida25, 28 Apr; 03, 06, 10 Mai 2020 Faust14, 17, 20, 23 Mai 2020


Dimitris Tiliakos, Don Pasquale

Dimitris Tiliakos

Dimitris Tiliakos stammt aus Rhodos. Er ist ein gefragter Macbeth-Interpret und war in dieser Partie bisher am Opernhaus Zürich sowie an der Opéra Bastille in Paris unter Teodor Currentzis und in der Regie von Dmitri Tcherniakov (auch auf DVD erschienen), an der Opéra de Lille, am Teatro Real in Madrid sowie an der Griechischen Nationaloper in Athen zu erleben. Er studierte Viola und Gesang am Athener Konservatorium und führte als Preisträger des Maria Callas- Stipendium seine Studien an der Hochschule für Musik und Theater in München weiter. Dort gewann er den Willi Domgraf Fassbaender-Wettbewerb für junge Sänger und debütierte am Prinzregententheater München als Figaro-Graf. Von 1997 bis 2003 war er Ensemblemitglied des Staatstheaters Nürnberg, wo er alle grossen Bariton-Partien seines Fachs interpretierte. Gastengagements führten ihn seither an Häuser wie das Teatro La Fenice in Venedig, die New Yorker Met, ans Teatro Real Madrid, nach Barcelona, Hamburg, Amsterdam u.a. Er arbeitete unter Dirigenten wie Myung-Whun Chung, James Conlon, Renato Palumbo, Evelino Pidò, Alain Altinoglu oder Marc Minkowski. In jüngster Zeit sang er u.a. Giorgio Germont (La traviata) in Perm in der Regie von Robert Wilson und unter Teodor Currentzis, in Athen und Luxembourg, Don Giovanni beim Festival in Spoleto und den Opernhäusern in Novara und Ravenna, Amonasro (Aida) am La Monnaie in Brüssel, Rigoletto an der Staatsoper Stuttgart sowie Orest (Elektra) und Almaviva in Athen. Kürzlich war er als Don Giovanni am Wiener Konzerthaus und beim Lucerne Festival zu hören. Aufnahmen mit ihm umfassen Macbeth, Don Giovanni und Die Winterreise.

Don Pasquale15, 29 Dez 2019; 01, 04 Jan 2020


Johannes Martin Kränzle, Don Pasquale

Johannes Martin Kränzle

Johannes Martin Kränzle, Gewinner des diesjährigen deutschen Theaterpreises „Der Faust“, wurde in Augsburg geboren. Er studierte zunächst Violine und Musiktheaterregie, danach Gesang in Frankfurt. Seine ersten Stationen im Festengagement waren die Opernhäuser Dortmund, Hannover und Frankfurt. Er ist seither regelmässig Gast an den grossen Bühnen, so an der New Yorker Met, Mailänder Scala, Londoner Covent Garden, Pariser Opéra, Teatro Real Madrid, Zürich, Berlin, München und Hamburg. Sein Opernrepertoire umfasst 120 Partien und reicht von Händel, Rossini, Verdi, Strauss und Lehar bis zu Henze und Rihm. Schwerpunkte bilden Mozart und Wagner sowie das slawische Repertoire. Regelmässig widmet er sich dem Lied- und Konzertgesang. 1997 wurde seine Kammeroper Der Wurm beim Kompositionswettbewerb in Berlin ausgezeichnet und uraufgeführt. 2016 komponierte er den Zyklus Lieder um Liebe nach Brechts Liebesgedichten. 2011 und 2018 wurde er „Sänger des Jahres“ bei der Kritikerumfrage der OPERNWELT. Seit 2014 ist er Mitglied der Deutschen Akademie der darstellenden Künste. 2015 wurde bei ihm eine aggressiv fortschreitende Form der Knochenmarkerkrankung MDS diagnostiziert, und er musste sich einer Stammzell-Transplantation unterziehen. Sein Bruder Andreas war sein lebensrettender Spender. Mit grossem Erfolg kehrte er 2016 in London (Così fan tutte) zurück auf die Bühne. Es folgten Debüts u.a. an der Pariser Oper (Wozzeck), an der Elbphilharmonie und bei den Bayreuther Festspielen (Die Meistersinger von Nürnberg). 2018 gastierte er in London (Der Ring des Nibelungen), Antwerpen (Falstaff) und Frankfurt (Aus einem Totenhaus). Unlängst sang er Iolanta in Paris sowie Die Meistersinger von Nürnberg in Bayreuth.

Don Pasquale12, 21, 26 Dez 2019; 09 Jan 2020


Konstantin Shushakov, Dr. Malatesta

Konstantin Shushakov

Konstantin Shushakov stammt aus Russland und studierte am Izhevsk Music College und später an der Russischen Akademie für Theaterkunst. Im Anschluss an das Studium wurde er 2009 Mitglied des Young Artist Program am Bolshoi Theater in Moskau. 2011 war er Preisträger des Queen Elisabeth Wettbewerbs in Brüssel und gewann im selben Jahr den 2. Preis beim Operalia Wettbewerb in Moskau. Ein Jahr später wurde er Ensemblemitglied am Bolschoi-Theater, wo er in zahlreichen Rollen zu erleben war; so sang er dort u.a. Morales (Carmen), Almaviva (Le nozze di Figaro), Marullo (Rigoletto), Malatesta (Don Pasquale), Schaunard und Marcello (La bohème), Lebedjev (Der Idiot), Robert (Iolanta), Papageno und Figaro (Il barbiere di Siviglia). Gastengagements führten ihn 2014 als Guglielmo in Così fan tutte an die Scala nach Mailand, 2016 als Ford in der Neuproduktion von Falstaff nach Genf und im selben Jahr ans Théâtre de la Monnaie in Brüssel für den Prinz Afron in Der goldene Hahn. 2018 gastierte er in Vancouver in der Titelrolle von Jewgeni Onegin sowie als Jelezki (Pique Dame) beim Savonlinna Festival und an der Oper in Oslo. Shushakov ist ausserdem regelmässig als Konzertsänger zu erleben; er sang in Brahms’ Ein deutsches Requiem zusammen mit dem Russischen National Orchester in der Tschaikovsky Concert Hall unter der musikalischen Leitung von Mikhail Pletnev und in Mozarts Grosse Messe in c-Moll mit dem Musica Viva Chamber Orchestra Moskau. Zudem gehören die Baritonpartien in Haydns Stabat Mater und in Faurés Requiem zu seinem Repertoire. Seit der Spielzeit 2019/20 gehört Konstantin Shushakov zum Ensemble des Opernhauses Zürich und war hier bereits als Guglielmo zu hören.

Don Pasquale12, 15, 21, 26, 29 Dez 2019; 01, 04, 09 Jan 2020 La bohème12, 18, 22, 25, 29 Mär 2020 Faust14, 17, 20, 23 Mai 2020 Così fan tutte26, 30 Okt; 02, 08 Nov 2019


Mingjie Lei, Ernesto

Mingjie Lei

Mingjie Lei, geboren im chinesischen Hengyang, graduierte 2013 als Master an der New Yorker Manhattan School of Music und setzte sein Studium anschliessend am Curtis Institute of Music in Philadelphia fort, wo er sein Diplom erhielt. Von 2015 bis 2017 sammelte er erste Bühnenerfahrungen als Mitglied des Ryan Opera Centre an der Lyric Opera of Chicago. 2016 absolvierte er das «Young Singers Project» der Salzburger Festspiele, die ihn im Folgejahr für eine Aufführung von Donizettis Lucrezia Borgia unter Marco Armiliato verpflichteten. Seit 2018 ist Mingjie Lei Ensemblemitglied an der Staatsoper Stuttgart; dort konnte er sich u. a. als Ernesto in Donizettis Don Pasquale und als Ferrando in Mozarts Così fan tutte vorstellen. Eine Konzerttournee führte ihn 2019 als Ferrando in Così fan tutte unter Teodor Currentzis nach St. Petersburg, Bremen, Wien und an das Lucerne Festival. Ebenfalls am Lucerne Festival war er unter Currentzis in einem Mozart-Konzert mit Cecilia Bartoli zu hören. In Stuttgart war er in dieser Spielzeit als Erster Offizier in Henzes Der Prinz von Homburg zu erleben; es folgen Pylade in Iphigénie en Tauride, Tamino in Die Zauberflöte sowie erneut Ernesto. Geplant ist ausserdem Così fan tutte in Antwerpen. Mingjie Lei ist Preisträger des Gesangswettbewerbs «Neue Stimmen» (2017), des ARD-Musikwettbewerbs in München (2018) sowie Gewinner in der Liedkategorie beim diesjährigen Wettbewerb «Cardiff Singer of the World».

Don Pasquale12, 15, 21, 26, 29 Dez 2019; 01, 04, 09 Jan 2020


Julie Fuchs, Norina

Julie Fuchs

Julie Fuchs studierte Violine und Schauspiel in Avignon sowie Gesang am CNSM in Paris. Sie ist Preisträgerin verschiedener internationaler Wettbewerbe und wurde 2012 und 2014 bei «Les Victoires de la Musique Classique» als beste Opernsängerin ausgezeichnet. 2013 erreichte sie beim renommierten «Operalia»-Wettbewerb den zweiten Platz. Von 2013 bis 2015 gehörte sie zum Ensemble des Opernhauses Zürich, wo sie u.a. als Morgana (Alcina), Susanna (Le nozze di Figaro), Rosane (La verità in cimento) und Contessa di Folleville (Il viaggio a Reims) zu hören war. 2015 gab sie ihr Debüt an der Pariser Oper als La Folie (Platée) und kehrte für die Uraufführung von Luca Francesconis Trompe-la-mort, als Nanetta (Falstaff) sowie für Rameaus Les Indes galantes dorthin zurück. In letzter Zeit sang sie zudem Musetta (La bohème) in München, Leïla (Les Pêcheurs de perles) am Théâtre des Champs-Elysées, die Titelrolle von La Fille du régiment bei ihrem Hausdebüt an der Wiener Staatsoper, Giunia (Lucio Silla) in Madrid sowie Comtesse (Le Comte Ory) an der Opéra Comique. In Konzerten war sie u.a. bei den Salzburger Festspielen (Bachs h-Moll-Messe), den Salzburger Pfingstfestspielen sowie bei den BBC-Proms (Poulencs Stabat mater) zu hören. Sie ist Exklusivkünstlerin der Deutschen Grammophon; 2015 erschien ihre Solo-CD Yes, die der französischen Operette gewidmet ist, 2019 die Belcanto-CD Mademoiselle mit dem Orchestre national d’Île-de-France unter Enrique Mazzola. In Zürich war sie zuletzt als Poppea sowie als Donna Fiorilla (Il turco in Italia) zu erleben. Geplant sind u.a. Despina unter Riccardo Muti an der Wiener Staatsoper, Musetta an der Pariser Oper sowie Le Martyre de Saint Sébastien in der Pariser Philharmonie unter Valery Gergiev. Auf Social Media: @juliefuchssoprano.

Don Pasquale12, 15, 21, 26, 29 Dez 2019; 01, 04, 09 Jan 2020


Dean Murphy, Carlotto

Dean Murphy

Dean Murphy, Bariton, absolvierte seine Gesangsausbildung an der Hartt School of Music und an der Yale School of Music. Er war Stipendiat der Bel Canto Vocal Scholarship Foundation und der Opera Foundation, in deren Zusammenhang er Mitglied im Ensemble der Deutschen Oper Berlin war. Zudem war er Preisträger beim Lynne Strow Piccolo Award, bei der Amici Vocal Competition, der Peter Elvins Vocal Competition und der Classical Singer Competition. 2013/14 war er Ensemblemitglied an der Opera Connecticut, wo er in Gianni Schicchi, in Pasatieris Signor Deluso und in Salieris Kleine Harlekinade zu erleben war. Zudem sang er Melisso in Alcina, Yamadori in Madama Butterfly an der Connecticut Lyric Opera und Peter in Hänsel und Gretel. Auf der Konzertbühne sang er u.a. in Brahms’ Ein deutsches Requiem, in Händels Messiah, in Faurés Requiem, in Charpentiers Magnificat und in Händels Esther. An der Deutschen Oper Berlin war er 2017/18 u.a. als Fiorello (Il barbiere di Siviglia), als Dancaïre (Carmen), als zweiter Richter (Das Wunder der Heliane), als Polizist (Lady Macbeth von Mzensk), Silvano (Un ballo in maschera), als Schaunard (La bohème) sowie als Wagner in Faust zu erleben. Seit 2018/19 ist er Mitglied des Internationalen Opernstudios in Zürich und sang hier u.a. den 2. Senator in Schrekers Die Gezeichneten, Schobiak in Le Grand Macabre und Figaro in Il barbiere di Siviglia am Theater Winterthur. Im Sommer 2019 gastierte er zudem beim Rossini Festival in Pesaro als Lord Sidney und Don Alvaro in Il viaggio a Reims.

Girl with a Pearl Earring28 Mai; 01, 07, 14, 17, 19 Jun 2020 Don Pasquale12, 15, 21, 26, 29 Dez 2019; 01, 04, 09 Jan 2020 Carmen09, 12 Jul 2020 La bohème12, 18, 22, 25, 29 Mär 2020


R. A. Güther, Sergio

R. A. Güther

Rainer Alwin Güther spielte schon als Kind in den 50er- und 60er-Jahren am Opernhaus Zürich Piccolo in Das weisse Rössl, Anton (Pünktchen und Anton), Peter (Peterchens Mondfahrt) und Hänsel (Hänsel und Gretel). Später studierte er Schauspiel an der Schauspielakademie Zürich, woraufhin er ans Stadttheater Ingolstadt engagiert wurde. Es folgten Engagements am Jungen Theater Göttingen, Staatstheater Wiesbaden, Musiktheater im Revier, Gärtnerplatztheater München, Hamburger Kammerspiele, Ernst Deutsch Theater Hamburg, Theater Altona, Landesbühne Hannover und Theater Lüneburg. Er spielte in zahlreichen Theaterproduktionen, Musicals und Fernsehfilmen mit und führte regelmässig Regie bei den Festspielen Schloss Neersen (u.a. Pünktchen und Anton, Das Gespenst von Canterville), am Theater Lüneburg (Die lustige Witwe, Das Land des Lächelns, La Cenerentola, Die Csardasfürstin) sowie am Stadttheater Bremerhaven (Orpheus in der Unterwelt, Der Opernball).

Don Pasquale12, 15, 21, 26, 29 Dez 2019; 01, 04, 09 Jan 2020


David Földszin, Ugo

David Földszin

David Földszin ist ein ungarisch-deutscher Schauspieler. Er studierte an der Wiesbadener Schule für Schauspiel und schloss diese im Dezember 2015 ab. 2015 debütierte er bei einem Koorperations-Projekt zwischen dem Jungen Staatstheater Wiesbaden und seiner Schauspielschule am Staatstheater Wiesbaden als Danaos in Die Schutzflehenden. Am Staatstheater Darmstadt spielte er 2016 in der Urafführung der Oper Koma von Georg Friedrich Haas. Die letzten Jahre war er vor allem in der freien Szene Frankfurts (Freies Schauspiel Ensemble Frankfurt & Frankfurter Autoren Theater) tätig und spielte 2018 erstmals an der Oper Frankfurt in Norma in der Regie von Christof Loy.

Don Pasquale12, 15, 21, 26, 29 Dez 2019; 01, 04, 09 Jan 2020


Ursula Deuker, Clara

Ursula Deuker

Ursula Deuker studierte Schauspiel und Bewegungstheater an der École Jacques Lecoq in Paris und an der École de mime corporel bei Étienne Decroux sowie klassischen Gesang bei Ana Raquel Satre in Paris, bei Dale Fundling in Salzburg und bei Gudrun Ayasse in München. Sie spielte in zahlreichen Filmen mit und arbeitete dabei mit Regisseuren wie Karim Dridi, Laurent Bouhnik, Gérard Jugnot, Philippe Béziat, Eric Barbier und Stéphane Meunier, zuletzt drehte sie für die ARD mit Wilhelm Engelhardt. Im Theater war sie u.a. als Cléone in Andromaque von Racine (Théâtre de la Tempête, Paris), als La Maréchale in Louison von Musset (Comédie de Reims), als Klytemnästra in Elektra von Hofmannsthal (Théâtre Molière, Paris) und als Camille Claudel in Une femme – Camille Claudel zu erleben. Für das Musiktheater arbeitet sie mit der Grupo Acción Instrumental, der Franz Schreker Gesellschaft, dem Lyrischen Opernensemble Dachau, dem Anderen Opernensemble München, der Académie Lyrique, der Theaterakademie München und der Oper Limoges und sang u.a. in Uraufführungen von Jorge Zulueta/Jacobo Romano, Michaël Levinas und Hans-Jürgen von Bose.

Don Pasquale12, 15, 21, 26, 29 Dez 2019; 01, 04, 09 Jan 2020