Stories

Am Opernhaus, da geschehen unerklärbare Dinge. So glaubt man zumindest. In unserer neuen Filmreihe beschäftigen wir uns genau mit den Fragen, die man sich stellt, wenn man im Zuschauerraum sitzt und den Zauber von Oper, Ballett und Konzert auf sich wirken lässt. Denn so einiges ist dann plötzlich erklärbar. Anderes aber auch nicht… Doch sehen Sie selbst!

Opernchor

Es lebe das Kollektiv! Haut an Haut, immer in der Gruppe, im Chorsaal, in der Garderobe – und natürlich auf der Bühne. In der Episode 9 von «Was Sie schon immer über das Opernhaus wissen wollten, aber nie zu fragen wagten» treffen wir auf Mitglieder des Chores der Oper Zürich.

Die Aktie

«Es brennt, es brennt! Das Theater brennt!» «Und ich dachte schon, das gehört zum 2. Akt?!»
Keine Verletzten, alle sind erleichtert. Aber vor allem darüber, dass es brennt. Das Theater, hier in Zürich, 1890. Erleichtert? Wollten die Bürger etwa kein Theater mehr? Oder wollten sie eigentlich schon ein Theater, aber nicht dieses und haben es deshalb angezündet?? Nein, haben sie nicht. Aber sie hatten dafür eine viel bessere, zündende Idee... In Episode 8 gehen wir dem Gründungsmythos der Opernhaus Zürich AG auf den Grund.

Die Damen der Repertoireschneiderei

Sie sind überall und doch nirgendwo. Sie sind Füchsinnen in Samthandschuhen, schnell, clever, intuitiv, feinste Spürnasen und haben einen messerscharfen Blick fürs Detail. Wenn Sie wissen wollen, wer den absoluten Röntgenblick hat, um durch jede Kleidung zu sehen, warum Alkohol die Lösung vieler Probleme ist, und diese Damen sowieso den besten Stoff haben, erfahren Sie dies in Episode 7 von Was Sie schon immer über das Opernhaus wissen wollten, aber nie zu fragen wagten.

Das Leben eines Spitzenschuhs

«Viele finden mich wunderschön – was soll ich sagen – Sie haben Recht! Würden Sie das auch noch behaupten, wenn Sie wüssten, dass ich generell zerschnitten, gestochen, gequetscht, ja regelrecht verprügelt werde?»
Wahre Schönheit hat ihren Preis – so auch im Leben eines Spitzenschuhs. In Episode 6 von Was Sie schon immer über das Opernhaus wissen wollten, aber nie zu fragen wagten wechseln wir die Perspektive und begleiten den Spitzenschuh von der Wiege bis zum Grabe.

Sessel, Stühle
und andere Sitzgelegen­heiten

Unsere roten Samtsessel im Zuschauerraum, exakt 1066 an der Zahl, kennen Sie bestimmt, doch im Opernhaus Zürich gibt es eine ganze Reihe an weiteren Sitzgelegenheiten, die den Tag über gut genutzt werden. Diesen Stühlen und den Menschen, die darauf Platz nehmen, widmet sich unsere fünfte Episode.

Fast wären wir abgesoffen

Ein Blick hinter die Kulissen und in die Welt der Bühnentechnik. Der technische Direktor am Opernhaus Zürich, Sebastian Bogatu, gibt Auskunft über nächtliche Anrufe, grosse Überraschungen und ein Opernhaus, das beinahe unterzugehen drohte.

Am Tag nach der letzten Vorstellung der Spielzeit beginnt jeweils mit Hochdruck die Sommerarbeit – das sind die sechs Wochen zwischen zwei Spielzeiten, in denen wir Unterhaltsarbeiten durchführen können, die während des Spiel- und Probenbetriebs nicht möglich sind. Da ich eine besondere Überraschung detailliert schildern möchte, seien hier nur die elementarsten Arbeiten aufgezählt: Unsere Montagehalle hat einen neuen Boden bekommen, denn der alte war so uneben, dass die dort gebauten Dekorationen ganz krumm und schief wirkten. Ein Teil des Malsaals hat ebenfalls einen stabileren Holzboden bekommen, da wir in der letzten Spielzeit mit unseren Transportwagen durch den alten Boden durchgebrochen sind. Über der Hauptbühne sind einige unserer Züge, mit denen wir Dekorationen auf- und abbauen, erneuert worden, und in der Studiobühne haben wir die Bühnenbeleuchtung komplett neu eingerichtet – hier hat die LED-Technik nun voll Einzug gehalten, wodurch Energie gespart wird und der Raum sich nicht mehr so schnell aufheizt.

Nun zur wirklich grossen Überraschung: Da es in den letzten Jahren bei Regen immer wieder Wassereinbrüche in den Keller gab, haben wir eine Firma beauftragt, im Keller eine grosse Fuge zwischen dem Altbau (Baujahr 1891) und dem Neubau (Baujahr 1984) neu abzudichten. Die Firma macht sich an die Arbeit, die alte Dichtung wird entfernt und eine neue eingesetzt. In der folgenden Nacht wird unser Gebäudetechniker Pippo Paladino durch sein Natel geweckt: Das Gebäudeleitsystem des Opernhauses meldet einen Wassereinbruch in einem Schacht im Altbau. Er geht nachschauen und tatsächlich: In einem Elektroschacht im Kellerboden stehen ein paar Zentimeter Wasser. Am Morgen wird eine Pumpe in Betrieb gesetzt, die das Wasser wieder absaugt, die Firma dichtet die betreffende Stelle ab. Zwar liegt sie nicht in unmittelbarer Nähe zu der am Vortag geflickten Stelle, doch es wird ein Zusammenhang vermutet.

In der nächsten Nacht wird Pippo wieder geweckt: Weitere Meldungen über Wasser an verschiedenen Orten! Das ist schon eher ungewöhnlich. Wir fragen uns, was die Firma da wohl angestellt hat. Einige Tage später stellt eine Wartungsfirma der Bühnentechnik zufällig fest, dass der Maschinenraum unter dem Orchestergraben mehrere Zentimeter hoch geflutet ist, und dass das Wasser wie aus einem Wasserhahn aus der Wand läuft. Inzwischen haben wir Mühe, Wege zu finden, an denen wir die Schläuche zum Abpumpen aus dem Haus legen können – wir drohen unterzugehen. Zwar halten die neu abgedichteten Stellen, doch das Wasser bricht an immer neuen Stellen durch. Als dann auch noch in der Unterbühne das Wasser aus diversen Kanälen zu laufen beginnt, beauftragen wir die Wasserwerke, die Rohrleitungen um das Haus herum zu überprüfen. Es wird ein Roboter in die Röhren geschickt, der mit Ultraschall schnell die Ursache findet: Im Erdreich, drei Meter vor dem Opernhaus, hat eine der beiden Hauptzuleitungen ein Loch nach unten, aus dem mit sehr hohem Druck Wasser austritt. Nachdem das herausgefunden war, wurde die Stelle innerhalb eines Tages aufgegraben und abgedichtet. Unterdessen kennen wir auch die Ursache: Beim Bau der Zuleitung vor vielen Jahren wurden Holzkeile unter das Rohr legt. Einer davon ist vergammelt und hat dazu geführt, dass das Rohr dort korrodierte. Es gab überhaupt keinen Zusammenhang mit den Arbeiten im Opernhaus. Doch die ganze Aktion beschäftigte uns fast zwei Wochen. Bis zum Probenbeginn wird alles wieder trocken sein: Zum Glück sind alle Motoren und Steuerungen in der Untermaschinerie auf Sockeln. Das Wasser erreichte sie knapp nicht.


Text von Sebastian Bogatu.
Illustration von Anita Allemann.
Dieser Artikel ist erschienen in MAG 71, September 2019.
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Stimme

Ist Sweeney Todd ein Musical? Eine Operette? Oder doch eine Oper? In unserer vierten Episode von «Was Sie schon immer über das Opernhaus wissen wollten, aber nie zu fragen wagten» klären Bassbariton Bryn Terfel, Mezzosopranistin Angelika Kirchschlager und Dirigent David Charles Abell auf.

Lampenfieber

Unsere dritte Episode geht dem berühmt-berüchtigten Lampenfieber nach. Dirigentin Speranza Scappucci, Tenor Benjamin Bernheim und Bariton Huw Montague Rendall erzählen von einem ganz besonderen Moment im Leben eines Künstlers: dem Auftritt auf die Bühne.

Die Macht des Schicksals

Es wird gemunkelt, dass seit der Uraufführung von Giuseppe Verdis La forza del destino ein Fluch auf dem Stück lastet. Und tatsächlich: Auch unsere Premiere im Mai 2018 ging nicht ganz reibungslos über die Bühne. «Von allen Katastrophen, die ich an einer Premiere erlebt habe, war das sicher eine Zehn», so Intendant und Regisseur Andreas Homoki. Erfahren Sie in diesem Film, was genau geschah...

Kulisse

Haben Sie sich auch schon mal gefragt, weshalb wir «Werbeplakate» durch ganz Zürich transportieren? Dieser Film verrät, weshalb die roten Kulissenwagen so wichtig sind, damit das Opernhaus Zürich auch weiterhin in der Champions League der grossen Opernhäuser ganz vorne mitspielen kann!

Theater­zauber

Das Opernhaus Zürich ist eine «Schatztruhe voller Überraschungen», die zum Staunen verleitet – in der ersten Episode unserer Filmreihe widmen wir uns den magischen Erscheinungen auf und hinter der Bühne.

Wenn das Tram entgleist

Ein Blick hinter die Kulissen und in die Welt der Bühnentechnik. Der technische Direktor am Opernhaus Zürich, Sebastian Bogatu, gibt Auskunft über spannende Konzeptpräsentationen, mögliche Entgleisungen und ein Züri-Tram, das auf die Bühne soll.

Zu den spannendsten Momenten einer Opern- oder Ballettproduktion gehört die «Konzeptpräsentation». Um die Spannung nachzuvollziehen, müssten Sie eigentlich die Augen schliessen und sich die folgenden Situationen vorstellen (ich gebe aber zu, dass Lesen mit geschlossenen Augen eher schwierig ist): Stellen Sie sich vor, Sie seien Bühnenbildnerin oder Bühnenbildner und möchten, dass das Opernhaus Zürich ein ZVV-Tram als Bühnenbild für eine Neuproduktion auf die leere Bühne stellt. Dazu müssten Sie uns Ihre Idee mindestens ein Jahr vor der Premiere zusammen mit den Ideen Ihres Teams, bestehend aus der Regisseurin, der Kostümbildnerin und der Lichtdesignerin, vorstellen (das könnten natürlich auch alles Herren sein – der Lesbarkeit zuliebe lege ich das mal ganz frech so fest). Dieser Termin nennt sich bei uns «Konzeptpräsentation». Und da muss die Regisseurin unseren Intendanten Andreas Homoki davon überzeugen, dass die zu inszenierende Oper in einem Tram spielt und es keinen geeigneteren Ort gibt, an dem die Handlung Fahrt aufnehmen kann. Ausserdem müssten Sie ihn überzeugen, dass das Züri-Tram die Beste aller möglichen Strassenbahnen ist. Gäbe es einen geeigneteren Ort oder ein überzeugenderes Fahrzeug, landete das Tram ganz schnell auf dem Abstellgleis.

Von Ihrer Präsentation hängt es also ab, ob das Konzept Anklang findet oder nicht. Deswegen haben Sie sich ganz viel Mühe gegeben und aus Papier, Pappe, Leim und Farbe ein kleines Modelltram gebastelt. Stellen Sie sich vor, dass Ihre Regisseurin die Idee präsentiert hat und der Intendant das richtig gut findet und anfängt, Sie zu den wundervollen Details am Modell zu befragen. Sie sind gerade dabei, ihm zu erklären, dass das Tram im grossen Finale auseinanderbricht, während die Hauptdarsteller aufeinander schiessend vom brennenden Dach in ein Wasserbecken springen, was wiederum auf einer grossen Videowand im Zuschauerraum live gezeigt wird, als vom bisher schweigsamen technischen Direktor ein schüchternes «das wird schwierig» ertönt. Er erklärt, dass das Tram viel zu gross, das Video viel zu teuer, Feuer viel zu gefährlich, Wasser zu kalt, Schüsse zu laut und eine Videowand im Zuschauerraum zu schwierig aufzuhängen sei.

Sie antworten, dass Sie ja auf die Videowand verzichten und das Tram ohne zusätzliche Dekoration auf die leere Bühne stellen könnten, und erhalten als Antwort, dass eine leere Bühne sowieso nicht geht, da auf der Hinterbühne immer noch Dekorationen von anderen Inszenierungen stehen. Sie geben nicht auf und sagen, dass Sie extra das Tram auseinanderbrechen lassen, damit man die kleineren Einzelteile schnell von der Bühne bekommt. Da erfahren Sie, dass Ihr Tram sowieso aus unzähligen Elementen zusammengebaut werden müsste und dementsprechend überall Teilungen sichtbar wären. Von den Schüssen und dem Wasser ganz zu schweigen. Kurz und knapp: Das Konzept ist entgleist, Ihr Team geschockt, die Stimmung im Keller.

Sie können sich nun sicher vorstellen, wie «spannend» diese Präsentationen sind, denn die beschriebene, rein fiktive Situation wäre nicht nur ein Albtraum für jedes Team, sondern auch für mich, denn wir haben den Ehrgeiz, Konzepte zu ermöglichen, und nicht, sie zu verhindern. Damit wir das können, legen wir allen Teams ans Herz, schon bei den ersten Ideen vor dem Bau eines Modells mal mit uns zu sprechen, damit nur die technisch auch umsetzbaren Konzepte weiterverfolgt werden. Das machen leider nicht alle. Zum Zeitpunkt des Schreibens dieser Kolumne steht wieder eine Präsentation des Unbekannten vor der Tür und bereitet mir offensichtlich Sorge.


Text von Sebastian Bogatu.
Illustration von Anita Allemann.
Dieser Artikel ist erschienen im MAG 67, März 2019.
Das MAG können Sie hier abonnieren.

... aber nie zu fragen wagten

Mit viel Trommelwirbel eröffnen wir unsere neue Kurzfilm-Reihe «Was Sie schon immer über das Opernhaus wissen wollten, aber nie zu fragen wagten». Im Verlauf dieser Saison und der folgenden Spielzeiten präsentieren wir aktuelle, bewegende und überraschende Geschichten aus unserem Opernhaus-Kosmos.

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