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ballett für alle

Live-Übertragung auf den Sechseläutenplatz

Rund 15 000 Menschen verfolgten mit Romeo und Julia und Werther zwei Klassiker der Weltliteratur als Ballett und Oper auf Grossleinwand.

Nach fünf erfolgreichen Veranstaltungen oper für alle fand am 22. Juni 2019 zum ersten Mal ballett für alle statt. Trotz unsicherer Wetterprognose besuchten rund 12 000 Menschen den Sechseläutenplatz und trotzten den zwischenzeitlichen Regenschauern, um die Live-Übertragung von Romeo und Julia von Christian Spuck mitzuverfolgen. Kurt Aeschbacher führte durch das Vorprogramm und nahm die Zuschauerinnen und Zuschauer mit hinter die Kulissen des Opernhauses und des Balletts Zürich.

Bereits zum dritten Mal wurde die Veranstaltung zeitgleich auf den Platz vor dem LAC Arte e Cultura in Lugano übertragen. Am Freitag, 21. Juni 2019 lud das Opernhaus zudem zum ersten Mal zum Warm-up! und zeigte eine Aufzeichnung von Jules Massenets Werther in der Inszenierung von Tatjana Gürbaca.

Nächstes Jahr findet die beliebte Freiluftveranstaltung wieder unter dem Titel oper für alle statt. Am Samstag, 13. Juni 2020 zeigt das Opernhaus Wolfgang Amadeus Mozarts Opernklassiker Don Giovanni in der Inszenierung von Regisseur Sebastian Baumgarten.

Präsentiert von      

Vergangene Termine

Juni 2019

Fr

21

Jun
18.00

Warm-up oper für alle

Screening der Oper «Werther», Vorprogramm ab 18.00 Uhr, Beginn um 19.30 Uhr, Sechseläutenplatz

Sa

22

Jun
18.00

ballett für alle

Live-Übertragung des Balletts «Romeo und Julia», Vorprogramm ab 18.00 Uhr, Vorstellungsbeginn um 20.00 Uhr, Sechseläutenplatz

Gut zu wissen

Impressionen

 

Das war «ballett für alle 2019»


Gespräch


Direkt ins Herz

Ballettdirektor Christian Spuck über die erstmalige Durchführung von «ballett für alle».

Christian, nachdem sich oper für alle seit fünf Jahren grosser Beliebtheit beim Zürcher Publikum erfreut, gibt es nun erstmals ballett für alle. Was bedeutet diese Premiere für dich?
Dass Romeo und Julia live auf den Sechseläutenplatz übertragen wird, ermöglicht einem grossen Publikum, sich eine der Erfolgsproduktionen des Balletts Zürich anzuschauen und sich ein eigenes Bild von der Qualität unserer Compagnie zu machen. Dass wir an einem Abend so viele Menschen erreichen können, begeistert mich sehr. Vielleicht entdeckt der eine oder andere dabei ja seine Ballettleidenschaft und kommt nach diesem Erlebnis auch in eine unserer Vorstellungen.

Kann man so eine Video-Übertragung überhaupt mit dem Live-Erlebnis im Opernhaus vergleichen?
Das ist nur bedingt möglich. Die Kameras wirken wie ein zusätzliches Auge, das zwischen Tänzer und Publikum geschaltet ist. Die räumliche Wahrnehmung, die gerade für den Tanz sehr wichtig ist, ist zwar eingeschränkt, andererseits hat die Kamera die Möglichkeit, sich den Tänzerinnen und Tänzern auf kürzeste Distance zu nähern und so neue, ungewohnte Perspektiven auf das Stück und die Aufführung zu ermöglichen. Solche Momente bleiben einem im Opernhaus aufgrund der grösseren Entfernung oft versagt. Aber natürlich hat ballett für alle eine ganz andere Qualität: Es gibt sicher nicht so viele Gelegenheiten, sich bei Sonnenuntergang in Gemeinschaft ein so emotionales Ballett wie Romeo und Julia anzuschauen. Die Kulisse des Sechseläutenplatzes mit der Fassade des Opernhauses, die Nähe zum See und das hoffentlich schöne Wetter versprechen da, glaube ich, ein einmaliges Erlebnis.

Warum eignet sich gerade Romeo und Julia für solch ein Event?
Es war von Anfang an klar, dass wir für diesen Anlass ein Ballett finden müssen, das mit einer sehr berührenden Geschichte das Publikum direkt, emotional und unkompliziert anspricht. Nicht umsonst gilt Shakespeares Drama immer noch als die schönste Liebesgeschichte der Weltliteratur, auch die bewegende Musik von Sergej Prokofjew trifft einen immer wieder direkt ins Herz. Das konnten wir nicht nur hier in Zürich, sondern auch bei unseren Gastspielen in Tel Aviv, Bogotá und Stuttgart immer wieder erleben.

Romeo und Julia war 2012 deine Antrittsproduktion als neuer Direktor des Balletts Zürich. Wie schaust du heute auf diese Aufführung?
Grundsätzlich blicke ich sehr kritisch auf jede Wiederaufnahme. Wenn ich Romeo und Julia heute sehe, merke ich natürlich, wie sich das Ballett Zürich in den letzten sieben Jahren verändert hat und welche ästhetischen Verschiebungen stattgefunden haben. Dass wir am Opernhaus Zürich die Möglichkeit haben, uns in unserer Kunst weiterzuentwickeln, ist eine grosse Chance und keineswegs selbstverständlich. Gefreut habe ich mich vor allem, dass das Stück nach wie vor über eine grosse emotionale Kraft verfügt. Das hat vor allem mit der Qualität der Interpeten zu tun.

Auf wen darf man sich freuen?
Auf jeden einzelnen Tänzer, jede einzelne Tänzerin auf der Bühne. Katja Wünsche und William Moore sind in den Titelrollen zu erleben, Daniel Mulligan ist Mercutio, und Elena Vostrotina erarbeitet sich gerade mit einem sehr eigenen Humor die Figur der Amme. Mit Michail Jurowski steht einer der erfahrensten Prokofjew­-Interpreten unserer Zeit am Pult der Philharmonia Zürich. Die phantastische Ausstattung von Bühnenbildner Christian Schmidt und Kostümbildnerin Emma Ryott macht das Ganze auch optisch zu einem Ereignis.


Dieser Artikel ist erschienen in MAG 70, Juni 2019.
Foto von Jos Schmid. 
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